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28.10.1894 Karl Friedrich Stellbrink geboren
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Im Juni 1934 bewarb er sich erfolgreich als Nachfolger von Hauptpastor Mildenstein für die Pfarrstelle des ersten Bezirks der Lübecker Lutherkirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Lübeckischen Staate. Die Lutherkirche galt in dieser Zeit als Hochburg der Deutschen Christen in Lübeck, wie zum Beispiel dem Pastor und NSDAP-Senator Ulrich Burgstaller, denen sich Stellbrink aber nicht anschloss.

Wandlung und Gegnerschaft zur NSDAP.

1934 legte Stellbrink seine Parteiämter nieder; vermutlich veranlassten ihn antikirchliche Strömungen in Partei und Staat sowie ständige Konflikte zwischen Hitler-Jugend und Evangelischer Jugend zu diesem Schritt. 1936 trat sein Sohn aus der HJ aus. 1937 wurde Stellbrink wegen parteischädigender Kritik aus der NSDAP ausgeschlossen; schon vorher war er aus dem Bund für Deutsche Kirche ausgetreten.
Seine ablehnende Haltung gegenüber dem Krieg, in dem ein Pflegesohn Stellbrinks 1940 fiel, verstärkte seine Gegnerschaft zum Regime. Die so genannte Euthanasie, von der er seit Sommer 1941 Kenntnis hatte, lehnte er entschieden ab.[6] Ab 1941 stand er in freundschaftlichem Kontakt mit dem römisch-katholischen Kaplan Johannes Prassek, mit dem er Predigten Clemens August Graf von Galens und Informationen von abgehörten „Feindsendern“ austauschte, die er auch an andere weitergab. Stellbrink schloss sich allerdings nicht der Bekennenden Kirche an, blieb in der Landeskirche isoliert und suchte stattdessen den Kontakt zu den römisch-katholischen Geistlichen der Herz-Jesu-Kirche.
Nach dem schweren Bombenangriff auf Lübeck in der Nacht zum Palmsonntag vom 28. März auf den 29. März 1942 soll Stellbrink in seiner Predigt im Konfirmationsgottesdienst am Palmsonntag unmittelbar danach gesagt haben, dass Gott mit mächtiger Sprache geredet habe. Das wurde in einem Gestapo-Bericht so dargestellt und verbreitete sich „wie ein Lauffeuer“ in der Stadt, dass Stellbrink den Angriff als „Gottesgericht“ gedeutet habe, wodurch „die Bevölkerung ... auf das äußerste erregt“ worden sei.

Prozess und Tod

Kurz darauf, am 7. April, wurde Stellbrink verhaftet. Zusammen mit den römisch-katholischen Geistlichen der Lübecker Herz-Jesu-Gemeinde Eduard Müller, Johannes Prassek und Hermann Lange wurde er Juni 1943 vom Volksgerichtshof der „landesverräterischen Feindbegünstigung“, der „Wehrkraftzersetzung“ sowie wegen „Vergehen gegen das Rundfunkgesetz“ und „Vergehen gegen das Heimtückegesetz“ angeklagt, am 23. Juni zum Tode verurteilt und am 10. November 1943 in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg am Holstenglacis mit dem Fallbeil hingerichtet.

Historische Bewertung

Stellbrink hatte nach Einschätzung von Hansjörg Buss den Vorstellungen eines „rückwärtsgewandten übersteigerten Nationalismus“ und einer „religiös fundierten und rassisch definierten Volksgemeinschaft“ angehangen. Zweifellos stand Stellbrink der Demokratie ablehnend gegenüber. Zeitgenossen galt er als „schwierig“, als „Wahrheitsfanatiker“, teils auch „als unangenehm empfundene Persönlichkeit“.
Nach 1945 gewährte die Kirchenleitung der Familie Stellbrinks eine Versorgungsrente und widerrief damit posthum die Entlassung Stellbrinks aus dem Dienst der Landeskirche. Am zweiten Jahrestag der Hinrichtung der Lübecker Märtyrer schloss sich mit Senior Pautke der leitende Geistliche der Lübecker Landeskirche der besonders von der römisch-katholischen Kirche getragenen Deutung des Todes der vier Lübecker Geistlichen Prassek, Lange, Müller und Stellbrink als Martyrium an. Diese Würdigung war nicht unumstritten. Aus den Kreisen der Bekennenden Kirche wurde u.a. eingewandt, Stellbrink habe „mit krassen Worten […] das Alte Testament beschimpft“ und sein Leben „nicht im Kampf um das Evangelium“, sondern „im politischen Kampf gegen das Dritte Reich“ verloren. Diese Einwände riefen ihrerseits Widerspruch hervor. 1959 beschloss der Lübecker Kirchenrat ein „alljährliches Gedenken“ aller vier Hingerichteten. 1993 erwirkte der damalige Lübecker Bischof Karl Ludwig Kohlwage zusammen mit dem Rechtsanwalt und ehemaligen Landesjustizminister Heiko Hoffmann anlässlich des 50. Jahrestages der Hinrichtung die förmliche Aufhebung von Stellbrinks Todesurteil.
Das gemeinsame Schicksal Stellbrinks und seiner drei römisch-katholischen Amtskollegen ist für die ökumenischen Beziehungen zwischen der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche von Bedeutung. Das Gedenken an ihren Tod wird seit den 1960er Jahren von einer kritischen Auseinandersetzung mit den Biografien der vier Geistlichen begleitet. Oftmals wird Stellbrinks „gebrochene Biografie“ benannt, meist verbunden mit dem „Interpretationsschema des Geläuterten“. Hansjörg Buss vertritt die Ansicht, „dass eine historisch fundierte und kritische Auseinandersetzung mit Pastor Stellbrink nicht stattgefunden“ habe.
Nach Stellbrink sind Straßen in Hamburg, Lübeck und anderen Orten benannt; sie erinnern an seine Verfolgung durch die nationalsozialistische Terror-Justiz.
Bei der Seligsprechung der drei katholischen Geistlichen der vier Lübecker Märtyrer am 25. Juni 2011 in Lübeck gedachte Kardinal Walter Kasper in seiner Predigt ausdrücklich auch des Protestanten Stellbrink. Die Evangelische Kirche in Deutschland erinnert mit einem Gedenktag im Evangelischen Namenkalender am 10. November an Stellbrink. (Quelle: WIKIPEDIA)

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18.01.2015
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