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17.06.1953 Juni-Ereignisse an Schulen des Bezirkes Gera
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"Nach den bisher vorliegenden Meldungen aus den Kreisen kann festgestellt werden, dass es zu Unterrichtsausfällen in den Schulen des Bezirkes Gera nicht gekommen ist, da die Unruhen sich größtenteils am Nachmittag des 17. Juni 1953 abspielten und am 18.6. 1953 der normale Unterricht weiter durchgeführt wurde. Es kam lediglich an einigen Schulen zu unüberlegten Handlungen von Schülern, die Bilder unserer Staatsmänner von den Wänden abnahmen. In der Schillerschule in Eisenberg wandten sich die Lehrer gegen die Provokation in Berlin und verschiedenen Orten der Deutschen Demokratischen Republik. In der Klasse 7a und 6d wurden die Bilder des Staatspräsidenten und des Ministerpräsidenten entfernt. Nach Eingreifen der Klassenlehrer konnten die von Erwachsenen verhetzten Schüler zur Behebung ihrer Fehler gebracht werden. Auf Grund der gegenwärtigen Situation meldeten sich einige Pioniere vom Pionierverband ab. Sie brachten zum Ausdruck, dass sie dies auf Grund von Anraten Erwachsener tun würden. In der Oberschule Eisenberg waren die Diskussionen im Kollegium ebenfalls positiv. Die Schüler der Klasse 10 b wollten am 17.6. 1953 keine Arbeiten schreiben. Sie forderten Aufklärung über die gegenwärtige politische Situation. Nach dem der Kommandant der sowjetischen Kommandantur bekanntgeben ließ, dass bei Nichtwiederherstellung der sofortigen Ruhe unter den Oberschülern die Handlungsweise als Provokation aufgefasst würde und sich damit die Besatzungsmacht genötigt fühlt, von der Waffe Gebrauch zu machen, lief der Unterricht ordnungsgemäß weiter. In der Grundschule Hohenleuben im Kreise wurden von den Schülern der 4. und 6. Klasse ebenfalls die Bilder von den Wänden entfernt. Nach Meldung der Abteilung Volksbildung beim Rat des Kreises Zeulenroda handelt es sich bei den Anstiftern hauptsächlich um Kinder von Wismut-Angehörigen. In der Untermhäuser Schule in Gera drangen am 18. Juni 1953 etwa 20 Angehörige der Wismut, die in einem Omnibus vorgefahren waren, gegen 13.30 Uhr ein, um den Kollegen Pickel zu entführen. Ihnen war von den Kindern mitgeteilt worden, der Lehrer Pickel habe gesagt: „Bei der Wismut würde sich der Abschaum der Menschheit befinden.“ Die sofort herbei gerufenen Einheiten der VP (gemeint kasernierte VP) umstellten die Schule und nahmen die Provokateure fest. Kollege Pickel erklärt, dass er diesen Ausspruch nicht getan habe, sondern dass es sich um eine bewusste Entstellung von 2 Schülern handelt, deren Väter ebenfalls Wismut-Angehörige sind. Die Oberschule II in Gera wurde am Nachmittag des 17.Juni 1953 gegen 16.30 Uhr von 3  Wismut-Angehörigen betreten. Diese schlugen im unteren Flur das Bild von  Walter Ulbricht entzwei. Als sie darangingen, die Wandzeitung herunterzureißen, stellten sich die Schülerin (AAA), Klasse 10 a I schützend vor die  Wandzeitung. Dabei wurde ihr von einem  Wismut-Angehörigen die Brille zerschlagen. Zu weiteren Zerstörungen ist es nicht gekommen. Daraufhin brachte der Kollege (BBB) die Bilder sofort in Sicherheit in einen verschlossenen Lehrmaterialraum. Im Jugendwerkhof Hummelshain wurde am 17. Juni 1953 sofort nach Bekanntwerden der Ereignisse eine außerordentliche Heimvollversammlung durchgeführt. In dieser Versammlung gab der Heimleiter einen Situationsbericht und forderte die Jugendlichen zur  Wachsamkeit auf. Auf Antrag der Jugendlichen wurde die Heimwache verstärkt. Alle Jugendlichen zeigten besondere Disziplin und Haltung. Die Mutter eines Zöglings, die zu Besuch weilte, versuchte einen Teil der Zöglinge gegen die Heimleitung aufzuhetzen und forderte sie auf, das Heim zu verlassen. Die Jugendlichen gaben der Heimleitung sofort einen entsprechenden Bescheid, welcher an die Sicherheitsorgane weitergeleitet wurde. Die Frau wurde vom Heimgelände entfernt." (Aus dem Lage-Bericht vom Rat des Bezirkes Gera/Abteilung Volksbildung, o. D. – ThStARud., Rat des Bezirkes, 2.3. – 72, Nr. 577)

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18.01.2015
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