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14.10.1935 Eine Heirich-Schütz-Feier
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Heinrich Schütz, in autographen Handschriften immer Henrich, latinisiert Henricus Sagittarius ( 18.10.1585 - 06.11.1672) war ein deutscher Komponist des Frühbarock.

Die Kindheit und die Jugend

Schütz war das zweitälteste von acht Geschwistern. Er wurde im goldenen Kranich, dem Gasthof seines Vaters in Köstritz bei Gera geboren. Als er fünf Jahre alt war, zog seine Familie mit ihm nach Weißenfels, weil sein Vater dort einen anderen Gasthof übernahm. Hier verbrachte Heinrich Schütz seine Kindheit. 1599 wurde sein musikalisches Talent vom Landgraf Moritz von Hessen-Kassel entdeckt, mit dessen Förderung er nach einer Ausbildung zum Sängerknaben und dem Besuch der Kasseler Hofschule, des Collegium Mauritianums, ab 1607 Jura in Marburg studieren konnte. Gleichzeitig erlernte er das Orgelspiel und die Komposition. Von 1609 bis 1612 trat Schütz dank eines Stipendiums des Landgrafen eine dreijährige Studienreise nach Venedig zu Giovanni Gabrieli an, die er mit der 1611 veröffentlichten Madrigalsammlung Il Primo libro di Madrigali abschloss. Auf seinem Totenbett vermachte Gabrieli einen seiner Ringe Schütz, der seinerseits sein Leben lang für Gabrieli des Lobes voll war und nie jemand anderen als seinen Lehrer bezeichnete.

Als er 1613 wieder nach Kassel zurückkehrte, wurde er zum zweiten Organisten am Hofe des Landgrafen Moritz von Hessen berufen. Daraufhin begab er sich in den Dienst des sächsischen Kurfürsten und ging 1615 nach Dresden zur damals in Deutschland führenden Hofkapelle, wo er zunächst Assistent von Rogier Michael wurde, dann ab 1619 die Stelle eines Kapellmeisters erhielt. Diese Funktion hatte er bis zu seinem Lebensende inne. Sein Wechsel nach Dresden war bereits seit 1614 Gegenstand diplomatischer Auseinandersetzungen zwischen dem Landgrafen und dem Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen gewesen, die erst 1619 endeten, als sich der Kurfürst endgültig durchsetzen konnte. Im selben Jahr veröffentlichte Schütz die Psalmen Davids, die er seinem Landesherrn widmete, und heiratete Magdalena Wildeck.

Als Kapellmeister hatte Schütz die Oberaufsicht über die Mitglieder der Hofkapelle, die aus Sängern und Instrumentalisten bestand. Mit ihr war er für alle Musik am Hofe zuständig: geistliche wie weltliche, zur Unterhaltung und zum Gottesdienst ebenso wie zur politischen Repräsentation. Leider sind seine dramatischen weltlichen Werke (Singspiele und Ballette), von denen in der Regel nur die Texte gedruckt wurden, verlorengegangen.

Der Dreißigjähriger Krieg

Am 23. Mai 1618 brach der Dreißigjährige Krieg aus, dessen verheerende Auswirkungen nicht nur gut ein Drittel der deutschen Bevölkerung das Leben kosteten, sondern auch den fast völligen Zusammenbruch deutscher Kultur verursachten. Schütz schrieb selbst davon, wie „die löbliche Music von den anhaltenden gefährlichen Kriegs-Läufften in unserm lieben Vater-Lande Teutscher Nation nicht allein in grosses Abnehmen gerathen, sondern an manchem Ort gantz niedergeleget worden“. Er musste seine Ansprüche an Aufführungspraxis und Instrumentarien erheblich verringern, „damit mein von Gott verliehenes Talentum in solcher edlen Kunst nicht gantz ersitzen bleiben sondern nur etwas weniges schaffen und darreichen möchte“ (Widmungsvorrede des ersten Teils der Kleinen geistlichen Konzerte, Leipzig, 1636). Hinzu kam, dass die Pest sich wiederholt verbreitete. Nach dem frühen Tod Magdalenas im Jahr 1625 heiratete Schütz nie wieder. Um den Anschluss an die neuesten Errungenschaften der Musik nicht zu verlieren, besuchte Schütz 1628 zum zweiten Mal Italien, wo er über ein Jahr lang blieb (dass er Claudio Monteverdi begegnete, ist denkbar, aber nicht gesichert). Dort empfing er maßgebliche neue Impulse für sein Werk. Auch das erste Buch seiner Symphoniae sacrae, das er nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1629 veröffentlichte, zeugt von diesem Aufenthalt. Die Dresdner Kapelle sah sich jedoch schon in diesen Jahren mit so großen Schwierigkeiten bei der Versorgung und Bezahlung ihrer Mitglieder konfrontiert, dass Schütz sich immer wieder nach Beschäftigungen außerhalb Dresdens umsah.


Eine um 1930 – wohl zum Schütz-Jubiläum 1935 – angefertigte Fälschung, die Heinrich Schütz angeblich 1670 porträtiert. So war er froh, gleich zweimal ein Angebot des Königs Christian IV. von Dänemark und Norwegen anzunehmen, bei großen Hochzeitsfeiern die Musik zu leiten. 1633 bis 1635 und von 1642 bis 1644 war er in Kopenhagen als dänischer Oberkapellmeister tätig. Außerdem arbeitete Schütz auch als musikalischer Ratgeber der Fürstenhöfe in Hannover, Wolfenbüttel, Gera, Weimar und Zeitz. Anlässlich der Trauerfeier für seinen Landesfürsten Heinrich Posthumus Reuß komponierte er 1635/36 die Musikalischen Exequien. 1636 veröffentlichte er in Leipzig den ersten Teil seiner Kleinen geistlichen Konzerte, dem er 1639 einen zweiten Teil folgen ließ. Seine Publikationstätigkeit erreichte Ende der 1640er Jahre ihren Höhepunkt: 1647 erschien der zweite Teil der Symphoniae sacrae, 1648 die Geistliche Chormusik und 1650 der dritte und letzte Teil der Symphoniae sacrae. Seine seit 1645 immer wieder eingereichten Gesuche um die Versetzung in den Ruhestand wurden von Johann Georg I. allesamt abgelehnt; erst nach dessen Tod im Jahr 1656 gewährte sein Sohn Johann Georg II. von Sachsen Schütz einen weitgehenden Rückzug. Als „ältester“ Kapellmeister behielt Schütz seinen Titel allerdings bis an sein Lebensende.

Die späten Jahre

Den Lebensabend verbrachte Schütz in seinem Haus in Weißenfels, dem Ort seiner Kindheit. Aus dieser Zeit stammen seine drei Passionen nach Lukas (um 1664), Matthäus (1665) und Johannes (1666) sowie seine Weihnachtshistorie (1664). Sein letztes Werk ist die vollständige Vertonung des 119. Psalms (1671), aufgeteilt in elf Motetten, gefolgt von einer Vertonung des 100. Psalms und einem deutschen Magnificat. Der 119. Psalm ist der längste in der Bibel, und das gesamte Werk ist durchweg doppelchörig angelegt. Da es - von ihm selbst gewollt - seine letzte Komposition sein sollte, wird das Werk landläufig auch Schwanengesang genannt. Schütz starb im hohen Alter von 87 Jahren in Dresden. Er wurde in der alten Dresdner Frauenkirche beigesetzt. Mit ihrem Abriss 1727 ging auch seine Grabstätte verloren.

Sein musikalisches Schaffen
 
Heinrich Schütz gilt als der bedeutendste deutsche Komponist des Frühbarocks. Obwohl zunächst zum Organisten ausgebildet, komponierte er nach frühen Madrigalen in italienischer Sprache vor allem Vokalmusik zu deutschen geistlichen Texten, und zwar für die Hofgottesdienste ebenso wie zur Unterhaltung bei der fürstlichen Tafel. Als seine Hauptaufgabe sah Schütz allerdings die Bereitstellung von Musik zu außergewöhnlichen Anlässen wie großen Hoffesten oder politischen Ereignissen.

Die aus dem Zusammentreffen von Dreißigjährigem Krieg, Seuchen und sozialen Umwälzungen resultierenden schwierigen Lebensumstände trugen mit dazu bei, dass Schütz, der zunächst in eine durchaus glanzvolle Hofhaltung eintrat und bis zum frühen Tod seiner Frau ein glückliches Familienleben führte, später sein Leben als „nahezu qualvolle Existenz“ beschrieb. In seinen Werken haben sich diese Erfahrungen allerdings nur bedingt niedergeschlagen.

Schütz führte den neuen, aus Italien stammenden konzertierenden Stil mit obligatem Generalbass in Deutschland ein und vereinigte ihn mit der deutschen Bibelprosa. Seine meisterhafte „Übersetzung“ deutscher Texte in Musik – hier konnte Schütz auf seine Erfahrungen mit dem italienischen Madrigal zurückgreifen – hat seit jeher sein Publikum fasziniert. Neben der Bibelprosa (mit besonderer Bevorzugung der Psalmen) hat Schütz gereimte oder gar strophische Texte eher selten vertont, auch deshalb, weil er deutsche Dichtung nach dem Muster des italienischen Madrigals vermisste und sich nicht dazu in der Lage sah, selbst solche Texte zu schreiben. Gleichwohl hat Schütz mit bekannten Dichtern zusammengearbeitet; die Zusammenarbeit mit Martin Opitz führte zur Entstehung der Pastoralkomödie Dafne (bei der allerdings nicht gesichert ist, ob es sich um eine durchkomponierte Oper oder um ein Theaterstück mit Musik handelte).

Neben dem Stil mit Generalbass hat Schütz auch noch den älteren generalbasslosen Stil gepflegt und als Grundlage allen Komponierens hochgeschätzt. Das zeigen nicht nur seine Madrigale, sondern auch die Motetten der Cantiones sacrae von 1625 ebenso wie die Geistliche Chormusik von 1648. Gerade die Verschmelzung beider Stile, die Arbeit mit Elementen des Konzerts ebenso wie mit solchen aus Motette und Madrigal, dabei der virtuose Umgang mit den Vokalstimmen ebenso wie mit den obligaten Instrumenten und die variable Handhabung unterschiedlichster Besetzungen (vom einstimmigen kleinen Konzert bis zu mehrchörigen, klangvollen Werken) zählen zu den besonderen Leistungen des Komponisten, die schon seine Zeitgenossen anerkannten.

Rezeption

Zu Lebzeiten wurde Schütz als „parens nostrae musicae modernae“, also „Vater unserer (d. h. der deutschen) modernen Musik“ tituliert. Die erste deutsche Musikgeschichte 1650 nannte ihn „den allerbesten teutschen Componisten“, auf seinem Grabstein wurde er als „seines Jahrhunderts hervorragendster Musiker“ (saeculi sui musicus excellentissimus) bezeichnet. Zu Schütz’ Schülern zählen u. a. David Pohle, Matthias Weckmann, Johann Theile, Adam Krieger und Johann Vierdanck. Trotz der Wertschätzung durch seine Zeitgenossen geriet er nach seinem Tod rund 200 Jahre lang in Vergessenheit.

Erstmals ausführlicher erwähnt wurde Schütz 1834 in Carl von Winterfelds Monographie über Giovanni Gabrieli. Ab 1870 führte der Leipziger Chorleiter Carl Riedel Werke von Schütz, vor allem seine Passionen sowie die Sieben Worte in eigenen Bearbeitungen wieder auf und machte sie somit einem größeren Publikum bekannt. Franz Liszt setzte sich für den Neudruck der Werke von Schütz ein. Anfang der 1880er Jahre führte Arnold Mendelssohn auf Anregung von Friedrich Spitta in Bonn mehrere Chorwerke wieder auf. Auch Johannes Brahms hat in Wien einige Werke von Schütz aufgeführt. 1885 begann Philipp Spitta mit der ersten Veröffentlichung von Schütz’ gesammeltem Werk. Eine intensivere Schütz-Pflege, allerdings vor allem auf die Motetten der Geistlichen Chormusik konzentriert, begann in den 1920er-Jahren. Konsequenz war u. a. 1922 die Gründung einer ersten, kurzlebigen Heinrich-Schütz-Gesellschaft. Ihr folgte 1930 eine Neue Schütz-Gesellschaft, die später umbenannt wurde und noch heute als Internationale Heinrich-Schütz-Gesellschaft (ISG) besteht und mit jährlich veranstalteten Heinrich-Schütz-Festen oder Heinrich-Schütz-Tagen die Verbreitung und das Verständnis der Musik von Schütz befördert. Einer ihrer Mitbegründer, Hans-Joachim Moser, legte 1936 eine erste Biographie über Schütz vor, nachdem Erich Müller bereits 1931 eine Edition von Schützens Schriften und Briefen besorgt hatte. 1955 dann begann die ISG mit der Veröffentlichung einer Neuen Ausgabe sämtlicher Werke (Neue Schütz-Ausgabe), die mittlerweile 34 Bände hat (Stand: Dezember 2006) und voraussichtlich bis auf etwa 45 Bände anwachsen wird. 1979 begann die ISG mit der Herausgabe eines Schütz-Jahrbuches, das seither jährlich erschienen ist und wichtige Aufsätze zum Komponisten und seinem Umfeld enthält

Denkmäler

In Bad Köstritz gibt es zwei Denkmäler. Das ältere 'Heinrich Schütz Denkmal' befindet sich unterhalb der Kirche am Kirchberg. Das zweite Denkmal befindet sich in der Heinrich-Schütz-Straße gegenüber dem Heinrich-Schütz-Haus. Es wurde 1985 von Berndt Wilde erschaffen und besteht aus drei Relieftafeln. In drei Bildern wird der Kampf zwischen den Mächten des Guten und des Bösen in der Zeit von Heinrich Schütz dargestellt. Dabei geht es um die Gegensätze von 'Liebe und Leid' und 'Leben und Tod'.
 
 

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18.01.2015
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