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11.1945 Ein Geraer Kriegsschicksal
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Im November 1945 war Alfred Hoffmann zusammen mit anderen Jugendlichen in Ronneburg bei Gera verhaftet und anschließend verhört worden. Vorgeworfen wurde ihnen gleich zu Beginn, dass sie sich in der verbotenen Organisation "Werwölfe" betätigt hätten, obwohl er gar nicht wusste, wer das eigentlich war. (Die Werwölfe kämpften im Untergrund gegen die verhassten Besatzer) Er vermutete jedoch, dass er von Ronneburger Kommunisten, die sich bei den neuen Machthabern in ein gutes Licht stellen wollten, aus Rache heraus denunziert worden war, da sein älterer Bruder in der Zeit der NS-Diktatur eine führende Rolle in der HJ (Hitler-Jugend) gespielt hatte. In der Haftanstalt am Geraer Amthordurchgang (wurde schon von der Gestapo als solche genutzt und nach der politischen Wende eine Gedenkstätte) wurde er und die mitverhafteten Jugendlichen stets von Mitternacht bis zum Morgengrauen verhört. Es war eine Verhör-Methode, die er schon in Ronneburg hatte erleiden müssen. Alfred Hoffmann war sich allerdings keiner Schuld bewusst und bestritt demnach auch was ihm vorgeworfen wurde und das er Mitglied in der Werwolf-Gruppe sei oder mit ihnen zu tun hätte. Nach Aussagen dieser Art, also ganz anders als es die Russen hatten hören wollen, gab es für die Jugendlichen regelmäßig Schläge mit den Uniform-Koppeln und den Gewehrkolben. Wenn er nach den Misshandlungen einmal nicht mehr im Stande war wieder selbstständig in seine Zelle zurück zu kehren, wurde er von den Wärtern über den Hof und die  Treppen geschleift und leblos in seinem Haftraum abgelegt.
Ausgerechnet an seinem 17 Geburtstag erging für ihn, wie auch drei der anderen Jugendlichen, das Urteil des russischen Militärtribunals. Alle Verurteilten unterschrieben die Urteile, obwohl sie in russischer Sprache ausgefertigt und damit für die jungen Leute gar nicht zu entziffern waren. Auch wenn sie kein Wort verstanden hatten, blieb ihnen nichts weiter übrig als das Urteil an zu nehmen. Alfred Hoffmann und ein weiterer Mitangeklagter erhielten 10 Jahre Haft, was eine vergleichbar geringe Strafe war. Ein anderer von ihnen wurde erst zum Tode verurteilt, aber dann doch zu 25 Jahren Arbeitslager begnadigt.
Alfred Hoffmann wurde erst in Weimar und dann in Torgau inhaftiert. Seine weiteren Stationen waren danach Bautzen und Sachsenhausen, wo er sich als Gärtner und Sanitäter betätigen musste. Die russischen Besatzer nutzten die selben Lager und Haftanstalten, die schon die Nationalsozialisten zu Schreckensorten gemacht hatten.
Erst im Jahr 1949 durfte er ein erstes Lebenszeichen von sich an seine Angehörigen nach Gera senden. Ganze 20 Zeilen, die auch noch kontrolliert wurden, waren ihm als Niederschrift gestattet worden. Sein Aufenthalt bleib allerdings für Außen stehende geheim, denn die Gefangenen mussten, wie es auch beim Militär üblich war, so eine Art Feldpostnummer angeben, wo kein Ort verzeichnet war.
Am 13. Februar 1950 war zumindest die Haft für Alfred Hoffmann beendet, was aber nicht für die Leidenszeit für den Rest seines Lebens galt. Er konnte seine Lehre in Ronneburg beenden, musste sich aber verpflichten, nicht über seine Haftzeit zu sprechen. Nachdem was er erlebt hatte, blieb die Angst bestehen und er hielt sich an die "Abmachung". Erst nach der politischen Wende öffnete er sich ein wenig und erzählte es seinen Kindern.

Das Archiv in der Geraer Gedenkstätte Amthordurchgang hatte erstmalig das Schicksal vieler zu Unrecht Verurteilter aufgearbeitet und aufgeschrieben. Als Mahnung für alle nachfolgenden Generationen.

Überarbeitet von Mike Strunkowski im Februar 2010.

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18.01.2015
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