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02.10.1945 Willkürliche Verhaftungen
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So sagte er später aus: "...Ich war vom 2. Oktober 1945 bis 2. Juli 1946 in diesem Militärgefängnis (Amthordurchgang Gera) inhaftiert. Es wird bestimmt nur noch wenige geben, die ebenfalls inhaftiert waren und heute nach leben. Ich war im Mai 1945 vom Militärdienst nach Hause zurückgekehrt (Luftabwehr Flak). Ich begann damals meine Lehre als Kaufmannsgehilfe bei der Fa. Haupt Badeofenbau Gera weiterzuführen. Am 2. Oktober 1945 - kurz nach Arbeitsende - 16 Uhr, erschienen zwei Mitarbeiter der Kripo und forderten mich auf, mitzukommen. Nichtsahnend landete ich im "Roten Haus" gegenüber der Amthorstraße. Ich kam mir vor wie ein Schwerverbrecher. Musste ich aufs Klo, ging einer mit. Dann wurde ich gegenüber die Stufen hoch geführt. Aber der Posten (GPU) ließ mich nicht rein. Meine Kripo-Leute nahmen mich wieder mit. Das geschah drei oder vier Mal. Gegen 23 Uhr wurde ich reingelassen. Ohne großen Tratsch wurde ich vorgeführt und kam in die Schlosserei, wo mir ein Bett (Holzpritsche) zugewiesen wurde. Ich weiß nicht genau, wie viel Betten drin standen. es waren aber viele. Da lag ich nun Tag für Tag. Oft fragte ich, wann man mich mal anhören wollte. Aber nichts geschah. Endlich - nach sechs Wochen - holte man mich des Nachts zum Verhör. Im Zimmer saßen einige uniformierte Offiziere, die mit Stahlruten und ähnlichem spielten. Die Vernehmung dauerte lange. Es ging fast ausschließlich darum, dass ich beim Volkssturm gewesen wäre, was ich aber abstreiten musste, weil ich laut Ausweis bei der Luftwaffe "Flak" war. Die Vernehmung ging zu Ende und ich wurde zurückgeführt. Es dauerte nicht lange und ich wurde verlegt. Ich kam in die Kirche. Zirka 40 Holzdoppelbetten waren dort. Es war grausam."

"Nach sieben Monaten wurde ich zur nächsten Vernehmung (nachts) geholt.- Dasselbe Bild wieder. Der Inhalt der Vernehmung über lange Zeit ging darum: Ich wäre beim "Werwolf" gewesen und hätte Waffen, was ich verneinen musste. Ich war inzwischen in einer Viermannzelle und wurde dorthin zurückgebracht. Nach 14 Tagen wurde ich zum 3. mal zum Verhör geführt. Diesmal sagte man mir, wenn ich die vergrabenen Waffen bringen würde, wäre ich sofort frei. Nachdem mir wieder nur das "Nein" blieb, sagte man mir, dass ich dann eben mal nach Sibirien müsste. Da mich das auch nicht aufregte, bekam ich zu hören, das ich nach Hause gehen sollte. Und so konnte ich nachts um 23 Uhr das Gefängnis Amthorstraße verlassen. Ich wurde noch ausdrücklich darauf hin gewiesen, dass ich über alles was ich gesehen, gehört, miterlebt habe, stillschweigen zu verwahren hätte. Anderenfalls würde ich sofort wieder eingesperrt werden. So war ich entlassen, glücklich, aber ohne Entlassungsschein, ohne alles, meinem zukünftigen Leben ausgeliefert."

[Quelle: Bericht über Zeitzeugen-Aufruf im Mitteilungsblatt des Bundes der Stalinistisch Verfolgten e.V. Berlin-Brandenburg "Der Stacheldraht", Nr. 5 / 2006 von Herrn Heinz Gruner aus Gera.]

Der Bericht wurde leicht gekürzt wiedergegeben. Mike Strunkowski für die Gera-Chronik im Februar 2010.

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18.01.2015
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