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22.08.1968 Zum Nazi abgestempelt
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22.8.1968

Betr. Besonderes Vorkommnis Kollege XXXXX geb. XX.XX.1946, Beruf: Büromaschinenmechaniker, Mitglied der NDPD seit 1965

Kollege XXXXX wurde am 18.12.1967 in unserem Betrieb als Mechaniker im Meisterbereich IP 22 eingestellt. Bei der Einstellung stellte es sich im persönlichen Gespräch heraus, das Kollege XXXXX. vor einigen Jahren durch das Ministerium für Volksbildung von der Oberschule in XXXX entfernt werden musste. Näheres Befragen ergab, dass er an der Oberschule in "Staatsbürgerkunde" seiner Lehrerin gegenüber provokatorisch auftrat. Auf die Äusserung seiner Lehrerin hin, daß in Westdeutschland der Neonazismus groß wird und das man offen Ehrenzeichen der faschistischen Zeit zeigt, äusserte er, das er das nicht glaube. Einige Zeit später präsentierte er seiner Klasse und der Lehrerin ein Antwortschreiben des Bundesinnenminsteriums, welches auf seine Anfrage hin erklärte, daß es so etwas nicht gäbe und daß sich jeder DDR-Bürger durch eine Reise in die Bundesrepublik davon überzeugen könnte. Auf Grund dieser und einiger anderer Vorfälle wurde er damals von der Schule entfernt.

Eine Unterhaltung mit einem Schulkameraden ergab auch, daß Kollege XXXXX anlässlich eines faschistischen Gedenktages mit Braunhemd und Schlips in der Schule erschien.

Weiterhin erzählte er uns auch, daß er zum Beispiel anlässlich des Ablebens des amerikanischen Präsidenten J.F. Kennedy ein Beileidsschreiben an die amerikanische Botschaft gesandt hatte.

Das Schreiben wurde später in den Stasi-Unterlagen des betreffenden Mannes gefunden. Es handelte sich um ein rein internes Schreiben der Kaderabteilung von Carl-Zeiss Jena im Betriebsteil in Gera. ...

Quelle "Eisiges Tauwetter2 Der Prager Frühling 1968, Geraer Ansichten. Eine Dokumentation der Gedenkstätte Amthordurchgang e.V. in Gera

Mike Strunkowski für die Gera-Chronik im Januar 2010

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