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1926 Hans Joachim Rother geboren
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Hans Joachim Rother wurde 1926 in Marsdorf in der Niederlausitz geboren und lebte ab dem jahr 1928 in der Stadt Gera. Er besuchte die Mittelschule und war wie seine Altersgenossen ebenfalls zunächst beim Jungvolk und danach bei der Hitler-Jugend. Im April 1945 wurde Rother zur Wehrmacht eingezogen, wo er eine Ausbildung im Pionierdienst und am Flammenwerfer erhielt. Danach war er in Italien zum Einsatz gekommen. Bald wurde er schwer verwundet und geriet in der Folge in englische Kriegsgefangenschaft. Aus dieser wurde er allerdings nicht in die SBZ (Sowjetische Besatzungszone) entlassen, sondern nach Düsseldorf am Rhein in die amerikanische Besatzungszone.
Seinen späteren Schilderungen war zu entnehmen, dass es für die Praxis der Verteilung der Kriegsgefangenen entsprechende alliierte Festlegungen gab.
Bei dem Versuch, illegal wieder nach Gera zu gelangen, wurde er an der thüringischen Grenze von sowjetischen Militär festgenommen, aber zu seinem Glück nach kurzer Zeit wieder frei gelassen. da inzwischen seine Mutter verstorben war, reifte alsbald in ihm die Absicht, nach Düsseldorf zurück zu kehren. Er verhielt sich jedoch noch abwartend und wurde am 19. Dezember 1945 verhaftet und ins ehemalige Gestapo-Gefängnis im Geraer Amthordurchgang eingeliefert, welches nun die sowjetischen Besatzer als Untersuchungshaftanstalt nutzten. Die Vorwurf gegen ihn lautete, den Werwölfen, einer organisierten Widerstandsgruppe gegen die russischen Besatzer, anzugehören. Im Gegensatz zu vielen anderen Gefangenen in der schon bei den Nazis berüchtigten Haftanstalt, wurde Hans Joachim Rother dort nicht gefoltert oder misshandelt. Am 23. März 1946 kam er ganz überraschend wieder frei, blieb in Gera, war aber kriegsbeschädigt, arbeitete in verschiedenen Betrieben und qualifizierte sich in der DDR zum technischen Zeichner und Konstrukteur.
(Stand Dezember 2009)

Anmerkung des Autors der Gera-Chronik

Die Russische Föderation als Nachfolger der Sowjetunion verabschiedete am 18. Oktober 1991 in der Duma, dem russischen Parlament, das Gesetz "über die Rehabilitierung von Opfern politischer Repressionen", auf dessen Grundlage seit dieser Zeit viele der nach dem zweiten Weltkrieg  und der Besatzungszeit ergangenen Unrechtsurteile gegen deutsche Staatsangehörige aufgehoben wurden. Das öffentliche Ansehen dieser Personen, welche Opfer der totalitären Gewaltherrschaft wurden und denen grundlegende Menschenrechte versagt geblieben waren, wurde damit zumindest juristisch wieder hergestellt. Was allerdings das begangene Unrecht nicht ungeschehen machen konnte.

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18.01.2015
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