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1927 Rolf Staudte geboren
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Rolf Staudte wurde in Jahr 1927 auf der Insel Sumatra geboren. Seine Eltern stammten beide aus Gera und als er das dritte Lebensjahr vollendet hatte, übersiedelte seine Familie mit ihm wieder nach Gera zurück in die Heimatstadt. Hier besuchte er die Schule, legte die "Mittlere Reife", Abitur, ab und war, wie üblich zu dieser Zeit, zunächst im Jungvolk und danach folglich in der Hitler-Jugend Mitglied. Es folgten dann der Reichsarbeitsdienst, die Luftwaffen und damit verbunden die Ausbildung zum Jagdflieger. Er kam allerdings in dieser Zeit des zweiten Weltkrieges nicht mehr zum Einsatz, da er noch kurz vor Kriegsende schwer verwundet worden war und damit das "Glück" hatte, in seine Heimatstadt zur medizinischen Behandlung entlassen zu werden.

Einer Aufforderung, sich Ende Juni 1945 in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager zu melden, um seine Entlassungspapiere zu erhalten, wollte er zwar seinerzeit nachkommen, musste aber fest stellen, dass die amerikanischen Besatzer bereits abgezogen waren.

Das Land Thüringen und damit verbunden auch Gera waren ja gegen Berlin-West von den Alliierten getauscht worden und daher waren nach den Amerikanern die Russen in Gera eingezogen.

Völlig überraschend für ihn wurde er am 25. August 1945 verhaftet und in die Geraer Haftanstalt am Amthordurchgang eingeliefert. Beim Verhör stellte man ihm immer wieder die eine Frage, ob er der Werwolf-Organisation, einer Widerstandsgruppe gegen die russischen Besatzer, angehören würde. Ob oder weil er immer wieder verneinte wurde er in der ehemaligen Gestapo-Haftanstalt der Nationalsozialisten am Amthordurchgang, die nun von den russischen Besatzer zu gleichen Zweck missbraucht wurde, mehrfach misshandelt, um ein Geständnis von ihm zu erpressen. In einer Gemeinschaftszelle war er danach mit anderen Gefangenen eingeschlossen, welche wie er auch von den Besatzern bei den Verhören zum Teil sehr übel zugerichtet worden waren. Manch einer war nach so einem "Verhör" kaum wieder zu erkennen und hätte dringend ärztlicher Hilfe bedurft, welche ihm aber nur im äußersten Notfall zu Teil wurde. Ohne ein Urteil erhalten zu haben, kam  Rolf Staudte dann in das sowjetische Internierungslager nach Buchenwald.

Zwischenbemerkung des Autors der Gera-Chronik im Dezember 2009

[Das ehemaligen Konzentrationslager der Nationalsozialisten auf dem Ettersberg bei Weimar wurde nach dem zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzern als Internierungslager, also ähnlich der alten Konzentrationslager, nach genutzt, um Gegner und anders denkende Menschen einzusperren. Das war nicht besser als zur Zeit der braunen Diktatur, denn es starben wieder Menschen einen sinnlosen ideologischen Tod und wieder waren es viele Sozialdemokraten, vor allem die, welche sich gegen die Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED gewährt hatten. Es hatte keine Demokratie Einzug gehalten nach dem so verheerenden Zweiten Weltkrieg mit seinen 60.000.000 Opfern, zumindest nicht in der SBZ (Sowjetischen Besatzungszone und später die DDR.)]

Rolf Staudte hatte danach das Glück, in der Gefangenen-Bäckerei arbeiten zu dürfen. Und nach einem Jahr Haft gelang es ihm, eine Mitteilung an seine zu Hause wartenden Eltern aus dem Lager zu schmuggeln, was nur wenigen Gefangenen gelang und äußerst gefährlich war für den Einzelnen.

Im Februar 1947 wurde er dann mit etwa 1000 anderen Gefangenen in ein Lager ins ferne Kasachstan transportiert. Mehrere seiner Kameraden überlebten die Fahrt in den schon bei den Nazis üblichen Viehwagen nicht. Im Herbst 1947 durfte er erstmals ein offizielles Lebenszeichen von sich nach hause schicken. Seine Entlassung erfolgte im August 1948. (Stand im Dezember 2009)

Mike Strunkowski für die Gera-Chronik 2009

Aus dem Buch "Gebrochenes Schweigen" von Baldur Haase, über die politische Verfolgung und die Strafjustiz in den Jahren 1945-1952.

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18.01.2015
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