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04.1945 Gera wurde flächendeckend zum Lazarett
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Später konnte man sich nicht mehr vorstellen unter welch erbärmlichen Umständen in den letzten Kriegstagen und danach die Patienten in Gera behandelt werden mussten. Unter größten Schwierigkeiten konnte nur notdürftig gekocht und die Krankensäle beheizt werden. Die Heizungsanlage des Waldkrankenhauses war auf das Verfeuern von Steinkohle ausgerichtet, welche nun überhaupt nicht mehr zu bekommen war. Patienten waren so verzweifelt, dass sie Briefe an den Geraer Oberbürgermeister schrieben und um die Lieferung von Heizmaterial förmlich bettelten. Das frieren war wahrscheinlich noch weit schlimmer für die Kranken als das ständige Hungern, obwohl die Fleischration auf 40 Gramm pro Tag gekürzt wurde und auch Brot und Kartoffeln rationiert waren.
Nun wurden die Patienten auch noch aufgefordert ihre eigene Bettwäsche ins Krankenhaus mit zu bringen.
Am knappsten allerdings war das Benzin geworden, denn dessen Verbrauch sollte von der Verwaltung "unter Einschaltung rigorosester Maßnahmen überwacht werden. Soweit Handwagenbetrieb  oder dergleichen möglich ist, ist rücksichtslos darauf umzustellen", schrieb der Stadtrat an die Verantwortlichen des Krankenhauses.
Zu guter Letzt schieden in den ersten sechs Wochen nach Kriegsende auch noch 12 der 16 Ärzte aus dem Waldkrankenhaus aus. Dr. Franke und der Leiter Dr. Läsker kamen gar in amerikanische Kriegsgefangenschaft.
Dr. Läsker siedelte im Jahr 1952 in den Westteil Deutschlands in die Lüneburger Heide um und gründete dort die Waldklinik Oerrel und leitete diese 15 Jahre lang selbstständig. Die deutsche Wiedervereinigung erlebte Dr. Läsker nicht mehr, da er im Jahr 1980 mit 85 Jahren verstarb.

Mike Strunkowski für die Geraer Chronik im Juni 2009

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18.01.2015
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