Rolle oben
14.12.1913 Herbert Enke geboren
<<< zurück zur Chronik

Aus Anlass des 100. Geburtstages des Malers und Grafikers Herbert Enke (1913 - 2005) präsentiert die Kunstsammlung Gera in einer kleinen Kabinettausstellung vom 17. Dezember 2013 bis 12. Januar 2014 Arbeiten aus dem Sammlungsbestand. Das Haus widmet ihre neue Ausstellung einem Künstler, dessen Hauptwerk in Gera in der Zeit zwischen 1950 und 1978 entstanden ist. Herbert Enke, der am 14. Dezember in Gera geboren wurde, zählt zu den wichtigen Künstlern Geras. Der Ort seiner Herkunft bleibt untrennbar mit seinem künstlerischen Werdegang verbunden. Das in der heimatlichen Provinz geschaffene Werk ist Spiegel seiner inneren und äußeren Lebenssituation. Nach ersten ernsthaften bildkünstlerischen Versuchen, die in Zeit der 1930er Jahre fallen, wird die Bekanntschaft mit dem damals am Geraer Theater tätigen Bühnenbildner Franz Hosenfeld, der ihn zum selbständigen künstlerischen Arbeiten animierte, entscheidend. Nach einer kurzzeitigen Beschäftigung als Bühnenbild-Assistent am Theater bewirbt er sich nach dem Weggang Hosenfelds aus Gera an der Staatsschule für angewandte Kunst in München, später dann an der Akademie für angewandte Kunst. Enke ist unter anderem bei Professor Emil Preetorius Student in den Fächern Bühnengestaltung und Grafik.

Die 1937 in München gezeigte Ausstellung „Entartete Kunst“ wird für Enke zu einem richtungsweisenden Erlebnis. Zum ersten Mal begegnet er Werken von Otto Dix und anderen Meistern der klassischen Moderne. Nach vierjährigem Aufenthalt verlässt Enke München und wird Bühnenbildner am Geraer Theater. 1942 erfolgt die Einberufung zum Kriegsdienst, 1945 kehrt Enke aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Gera zurück. In der euphorischen Aufbruchstimmung der Nachkriegsjahre beteiligte sich der Künstler rege am kulturpolitischen Leben seiner Heimatstadt. In der Ausstellung „Geraer Maler stellen zur Schau“ im Jahr 1947 ist er mit acht Werken vertreten und genießt kurze Zeit öffentliche Anerkennung. Mit Beginn der Formalismusdebatte, die Ende 1948 einsetzte, sieht sich Enke zunehmenden Angriffen auf sein Werk ausgeliefert. Mehrere seiner Bilder verfallen ausdrücklich dem Verdikt des Formalismus. Daraufhin vernichtet der Künstler einen Teil seiner Arbeiten und zieht sich aus dem öffentlichen Kulturleben der Stadt zurück. Nischen findet er in der Kunsterziehung und der architekturbezogenen Kunst. Als Gestalter großer Wandflächen erhält er in den 1960er und 1970er Jahren kontinuierlich Aufträge. Sein bildkünstlerisches Werk allerdings entsteht fern von jeder Öffentlichkeit. Enke geht den Weg der inneren Emigration. Bis zur ersten Personalausstellung 1976 in Unterwellenborn ist sein Schaffen weitgehend unbekannt. Erst 1990 und 1994 wird das Werk Herbert Enkes in seiner Heimatstadt umfangreich gewürdigt.

Die insgesamt neun Werke, die sich heute im Besitz der Kunstsammlung Gera befinden, konnten durch eine wichtige Leihgabe aus Privatbesitz ergänzt werden. Das bis dahin unbekannte Werk stammt aus dem Nachlass des Geraer Malers Hans Rudolph (1905-1993), der dem Kreis um Herbert Enke und der Künstlergruppe „Junge Kunst“ eine Zeit lang nahestand. Es ist anzunehmen, dass es sich um einen unter Künstlern üblichen Werktausch handelte. Im 1994 von der Kunstgalerie Gera herausgegebenen Verzeichnis der Malereien und Arbeiten auf Papier wird das Werk mit dem Titel „Im Frühjahr“ mit dem Vermerk „Verbleib unbekannt“ registriert. In der Ausstellung zum 100. Geburtstag wird es erstmals wieder öffentlich präsentiert und stellt eine Bereicherung der Exposition dar. Es gehört neben den Gemälden „Wartende“ (1946), „Clown“ (1948) und den zwei Geraer Stadtansichten der expressionistischen Werkphase der 1940er Jahre an. Gleichzeitig ist es das früheste Werk innerhalb der Präsentation. Die am Anfang der 1950er Jahren einsetzende Aquarellphase im Werk von Enke kann durch zwei Arbeiten auf Papier dokumentiert werden. Beide widmen sich dem Thema der Natur als Fluchtpunkt in Zeiten äußerer Bedrängnis durch die einsetzende Formalismusdiskussion. In der 1954 entstandenen Pinseltuschzeichnung „Immer ein anderes Gesicht“ nimmt der Künstler unmittelbar Bezug auf die ihn persönlich betreffenden Anfeindungen seiner Kollegen. Mit unverhohlener Ironie erfasst Enke die eigene Lebens- und Künstlersituation. Stellvertretend für das späte Schaffen steht das Gemälde „Bestrahlung“ von 1986, das ebenso persönliche Einblicke zulässt. Die Stadt dankt der Familie Enke für die Unterstützung der Ausstellung. Durch ihre Hilfe ist es möglich geworden, eine adäquate Ausstellungsarchitektur zu realisieren.

<<< zurück zur Chronik
Rolle unten
Tintenglas mit Feder
 
 
18.01.2015
77 neue Artikel