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15.11.1754 Johann Christoph Macher gestorben
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Der berühmteste Lehrer Geras

Das berühmte und vor allem älteste Gymnasium, das "Rutheneum seit 1608"  und spätere Goethegymnasium, zeichnete sich in seiner langen Geschichte dadurch aus, immer sehr gute und engagierte Lehrer gehabt zu haben.  Die wenigsten aber erreichten die Beliebtheit bei den Schülern, wie sie Herr Professor Johann Christoph Macher je gehabt hatte.
Ihm zu Ehren errichteten seine Schüler nach seinem viel zu frühen Tod im Alter von nur 34 Jahren an der Orangerie ein Denkmal.
Geboren wurde Johann Christoph Macher am 16. Januar 1720 in Mühltroff. Johann Christoph Macher sen., sein Vater, war Bäckermeister in dem kleinen Ort im Vogtländischen. Seine Mutter hieß Sophia Margareta. Als ungewöhnlich nah und zufällig kann noch genannt werden, das Johann Christoph Macher mütterlicherseits auch der Urenkel von Nikolaus Schmidt genannt Künzel, des "gelehrten Bauern zu Rothenacker" (1606-1671) , welcher als Sprachgenie und Orientalist galt, war.
Seine ersten schulischen und lateinischen Kenntnisse erhielt Macher vom Mühltroffer Kantor Samuel Möller. Im Alter von 12 Jahren ging er auf das Gymnasium in Schleiz und ab dem Jahr 1739 studierte er an der Universität Wittenberg Theologie. 1742, dem Ruf der Eltern folgend, wurde er Hauslehrer. Am 1. Mai des Jahres 1744 wurde er zum Konrektor des Gymnasiums zu Schleiz, welches er gut kannte. Einen weiteren Karrieresprung lehnte Macher zunächst ab, indem er, trotz der Möglichkeiten im Jahr 1745 nicht nach Neustadt an der Orla und zwei Jahre später auch nicht nach Plauen wechselte.
Im Jahr 1751 konnte aber sein Schleizer Lehnsherr Heinrich XII. ihn nicht mehr in der Stadt halten und so nahm Macher die Stelle eines Professors für Beredsamkeit am berühmten Gymnasium Rutheneum in der Residenzstadt Gera an. Am 22. November 1751 hielt er vor der Herrschaft und den Ständen der Stadt seine Antrittsrede.

Macher wurde bei seinen Schülern sehr beliebt

Zu dieser Zeit des 18. Jahrhunderts sprach man davon, das Johann Christoph Macher bei seien Schülern sehr gelitten war. Er war also sehr beliebt. Das ging so weit, dass zahlreiche Schüler wegen ihrem Lehrer von Schleiz nach Gera zogen.
Johann Christoph Macher trat im Jahr 1752 der "Societas Latina Jena" (Lateinische Gesellschaft Jena) bei.
Schon im Jahr 1749 hatte Macher in Schleiz Johanna Dorothea, die Tochter des reußischen Hofrates Böhme geheiratet. Erst vier Jahre später, am 30. April 1953 konnte Macher zukünftigen Vaterfreuden entgegen blicken. Sein Sohn Johann Christian erblickte das Licht der Welt. Johann Christian sollte sein einziger Sohn bleiben, da das Eheglück nur von kurzer Dauer sein sollte, weil Macher im Alter von erst 34 Jahren am 15. November 1754 an einem Schlagfluß, vermutlich nannte man einen Schlaganfall so zu dieser Zeit, starb. Seine Jugend und sein früher Tod waren ausschlaggebend für für seine Nähe zu den Schülern und der daraus resultierenden Beliebtheit. Auch die anschließende Trauerfeier gestaltete sich seines Ansehens und seiner Beliebtheit entsprechend feierlich. Die Einladungsschrift zur Beisetzung war in lateinisch gehalten und lautete: "Funus Joann Christopheri Macheri Professoris...indict Ruthenei provincialis Collegium d. 18. Nov. 1754".
Als Lehrer war Professor Macher bei seien Schülern in einem Maße beliebt, dass seine oberen Gymnasialklassen ihm im Jahr nach seinem Tod 1755 ein Denkmal auf dem Trinitatisfriedhof errichten ließen. Daran war erkennbar, dass nur Kinder vermögender Eltern eine gymnasiale Schulausbildung erhielten, denn arme Schulkinder hätten kein Denkmal bezahlen können.
Bei dem Denkmal handelte es sich um eine klassizistische Abbildung in Form eines antiken römischen Gelehrten. Was ihm besonders huldigte. So mancher sah in der Statue einen römischen Krieger, was aber nach Meinung verschiedener Experten nur der Darstellung der überragenden Männlichkeit war.

Warum das Denkmal überhaupt ein antiker Römer war

Die Antwort darauf konnte nur der alte Italiener Cesare Ripa geben, welcher in seinem Nachschlagewerk für die Allegorien sagte: "Die Beredsamkeit, damit man ihre zerschiedenen Würckungen recht ausdrucken möchte, wird nicht unbillig mit einer Sturmhaube, und dann mit einem Schwerdt an der Seite abgewahlet; Sie ist auch überdiß an dem einen Arm biß zu den Ellenbogen aufgestülpt, und fasst in derselbigen Hand einen Donnerkeil; in der anderen aber hält sie ein offenes Buch, auf welchem eine Sand – Uhr stehet".
Das Grabmal für Professor Johann Christoph Macher sollte zu dieser Zeit den Höhepunkt des plastischen Schaffens in der Kunstwelt Geras des 18. Jahrhunderts, dem frühen Rokoko (1720-1765), sein. Gera konnte schon zu dieser und leider auch zu späterer oder Neuzeit keine gleichwertigen Kunstwerke mehr vorweisen.
Der im Dienste des reußischen Fürsten in Gera stehende Hofbildhauer Johann Wilhelm Rockstroh (1698-1758) schuf das Ehrenmal aus Loderslebener Sandstein. Das Standbild des römischen Krieger war für den Künstler eine Allegorie der Beredsamkeit des Zeitgeschmacks. Man sollte an der Statue einen Schuppenpanzer ein Schwert, einen römischen Umhang "die Toga", und einen Helm mit der Zackenkrone erkennen. In die rechte Hand legte der Künstler ihm einen Donnerkeil mit Blitzbündeln und in die linke Hand ein Buch mit einer eingemeißelten Sanduhr, dem Zeitmesse für die Redner der Antike. Dieses künstlerische Detail war vor allem an kirchlichen Altären und Kanzeln zu dieser Zeit zur Verwendung gekommen.
Die Darstellung des Römers stützt sich auf ein zu dieser Zeit weit verbreitetes Langschild, welches zur bildlichen Verbreitung des Denkmaltextes Anwendung fand.
Auf dem Langschild ist zu lesen: "Gott dem Allgütigen und Allmächtigen hat sein sterbliches Teil hier frühzeitig übergeben ein Mann, dessen bloßer Name der Stelle aller möglichen ehrenden Titel ausfüllt, Johann Christoph Macher, Professor der Beredsamkeit am fürstlichen Gymnasium, der wegen seines vortrefflichen Charakters, seiner Gelehrsamkeit und seiner Beredsamkeit des längsten Lebens durchaus würdig gewesen wäre...Lebewohl, Du reich gesegneter liebenswürdiger Geist. Ihrem hochverdienten Lehrer haben dies Denkmal dauernder Liebe und Verehrung seine dankbaren Schüler insgesamt errichtet".

Eine Figur, die lebendig zu wirken scheint

Noch in der Neuzeit, mehr als 250 Jahre nach dem Tod von Johann Christoph Macher und dem Aufstellen der Gedenkplastik an der Orangerie beeindruckte die in Bewegung scheinenden Plastik die Menschen. Es war die so locker gezierte Bewegtheit des Rokoko, welche die Dynamik der Statue unterstützte.

Welche Werke wurden überliefert

Johann Christoph Macher überlieferte unter anderem folgende Werke:

"Von der Verehrung des weiblichen Geschlechts bei den alten Deutschen" aus dem Jahr 1750
"De Aegotypto mystica" geschrieben in Lobenstein aus dem Jahr 1748
"De genealogia Ruthenica" geschrieben in Schleiz aus dem Jahr 1750

Was steht in der Inschrift in Gera am Denkmal?

Das Denkmal befindet sich an der Seitenwand der Orangerie im Geraer Küchengarten. Die Übersetzung der in lateinisch verfassten Inschrift lautet: "Ehre und Preis dem Höchsten. Was dieser Mann Sterbliches an sich getragen, dass hat er frühzeitig abgelegt: er dessen Name, alle Ehrentitel umfaßt, Johann Christoph Macher, im Rutheneum Professor der Beredsamkeit, wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften, seiner Bildung und der mächtigen Beherrschung der Sprache des längsten Lebens würdig. Geboren am 17. Januar 1720, gestorben am 17. Dezember 1754 im Alter von 34 Jahren. Ein Lebewohl Dir, gottseligste und geliebteste Seele! Dem heimgegangenen Lehrer haben dieses dauernde Denkmal der Verehrung öffentlich gesetzt. Seine dankbaren Schüler."

Mike Strunkowski, für die Gera-Chronik im Februar 2009

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18.01.2015
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