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12.05.1989 Mit immer erfülltem Plan
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Das Pfingsttreffen der Jugend in Berlin stand unmittelbar bevor. Jugendliche wurden dorthin delegiert und wollten nicht mit leeren Händen in die Hauptstadt der DDR reisen. Was sie in Händen hielten ist unter anderem hier zu lesen. So stand es am 12. Mai 1989 in der Geraer "Volkswacht", dem Organ der Bezirksleitung Gera der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands.

Unsere Liebe, unsere Tat unserem sozialistischen Vaterland, der DDR

Ergebnisse der FDJ-Bezirksorganisation sind eindrucksvolles Bekenntnis der Jugend zur bewährten Politik der Partei

Unserem sozialistischen Vaterland, der DDR, gehört unsere ganze Liebe und Treue, gehört unsere schöpferische Tat. Mit beispielhaften Leistungen im "FDJ-Aufgebot DDR 40" trägt die Jugend unseres Bezirkes dazu bei, das große Pfingsttreffen der FDJ in Berlin zu einer machtvollen, begeisterten Manifestation für Frieden und Sozialismus sowie einer großen Leistungsschau der FDJ zu gestalten. Das wurde voller Freude, Stolz und Optimismus gestern auf der Rechenschaftslegung der FDJ vor dem Sekretariat der Bezirksleitung Gera der SED unterstrichen, auf der Steffen Schneider, 1. Sekretär der FDJ-Bezirksleitung, Herbert Ziegenhahn, Mitglied des Zentralkomitees und 1. Sekretär der Bezirksleitung der SED, in einer Mappe die bisherigen Ergebnisse im FDJ-Aufgebot übergab. Darin heißt es: "Mit unseren Initiativen, dem Sozialismus in den Farben der DDR noch attraktiver zu machen und den Frieden zu sichern, bringen wir unser tiefes Vertrauen zum bewährten Kurs der Partei zum Wohle des Volkes zum  Ausdruck, der der Jugend ein Leben in sozialer Geborgenheit und mit einer großartigen gesicherten Perspektive ermöglicht.

Mit allen im politischen Gespräch

Das "FDJ-Aufgebot DDR 40" ist für die Bezirksorganisation der FDJ die Konzeption zur weiteren Verwirklichung der Beschlüsse des XI. Parteitages der SED. Unter dem bewährten Motto "Alles erreichen, jeden gewinnen, keinen zurücklassen" sind wir mit jedem FDJler und Jugendlichen, im politischen Gespräch und beraten mit jedem seinen konkreten Beitrag zum  XII. Parteitages der SED. Dazu haben wir auch die thematischen Mitgliederversammlungen im April "Die DDR – mein sozialistisches Vaterland", das FDJ-Studienjahr zahlreiche Gesprächsrunden und Jugendforen mit Jugendlichen und Jugendkollektiven der verschiedensten gesellschaftlichen Bereiche genutzt.

Wir meistern Wissenschaft und Technik

Wir wollen auf unserem Verbandstreffen demonstrieren, wie wir mit unseren Taten in Vorbereitung des XII. Parteitages für Sozialismus und Frieden eintreten. Deshalb gab es in allen FDJ-Gruppen, Grundorganisationen, Jugendbrigaden und Jugendforscherkollektiven großartige Initiativen und viele Anstrengungen, um mit erfüllten Plänen und Verpflichtungen im FDJ-Aufgebot nach Berlin zu kommen. In der FDJ-Bezirksorganisation wurden die ökonomischen Jugendinitiativen jahresanteilig mit 40 Prozent erfüllt.
Über 2090 Jugendbrigaden bewähren sich mit hohen arbeitstäglichen Leistungen als Stosstrupp im sozialistischen Wettbewerb und Kaderschmiede der jungen Generation. Aktiv beteiligen sie sich an der Durchsetzung von Wissenschaft und Technik, bei der Lösung anspruchsvoller Aufgaben in der Messe der Meister von morgen. In Vorbereitung des XII. Parteitages der SED wurden durch Jugendforscherkollektive der FDJ 31 "Parteitagsobjekte der FDJ" zur Entwicklung und breiten Anwendung der Schlüsseltechnologien übernommen. So meisterten FDJler der Friedrich-Schiller-Universität und des Zeisskombinates eine Pilotlösung "Laser-scan-defect-Sensor". Studenten der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Arbeiter des VEB Mikrofontechnik Gefell machen durch die Entwicklung und den Aufbau des Funktionsmusters eines Lasers für die Mikroelektronik LMS 900 von sich reden.
In den ökonomischen Jugendinitiativen wurden per 30. 4. 1989 unter anderem 3.440.533 Stunden Arbeitszeiteingespart, ein Nutzen in der Aktion Materialökonomie von 52.421.092 Mark erzielt, 11.260 Tonnen Schrott abgeliefert, das sind 2005 Tonnen zusätzlich, und 409 Wohnungen in der FDJ-Aktion "Um- und ausgebaut" geschaffen.
Mit der weiteren initiativreichen Verwirklichung der Beschlüsse des XIII. Bauernkongresses der DDR leistet die Jugend der sozialistischen Landwirtschaft ihren Beitrag, die erreichten Ergebnisse in der Produktion und Effektivität zu stabilisieren und sie auf dem Weg der immer komplexeren Beherrschung der qualitativen Wachstumsfaktoren auszubauen. Im Bereich der Landjugend werden 14 Parteitagsobjekte gemeistert. 27 zeitweilige Jugendkollektive zur Frühjahrsbestellung und Futterernte wurden gebildet. 11 Kreisjugendobjekte Getreideernte werden vorbereitet. In der FDJ-Aktion "Gesunder Wald" wurden 276,6 ha aufgeforstet. In der FDJ-Initiative "Tierproduktion" wurden 650 Stallplätze durch Rationalisierung und Modernisierung geschaffen.

Wir kämpfen um hohe Lern- und Studienergebnisse

Wir streben bei den Schülern und Studenten nach hohen Lern- und Studienergebnissen sowie einem alle anregenden und vielgestaltigen Leben in den FDJ-Kollektiven. Im Rahmen des Schülerwettstreites fanden 501 Leistungsvergleiche und Wettstreite mit 36.523 Teilnehmern statt.
Unsere FDJ-Studenten an der Friedrich-Schiller-Universität und den 13 Ingenieur- und Fachschulen ringen im "FDJ-Aufgebot DDR 40" um höchste Leistungen in Studium und Forschung. So wird die Friedrich-Schiller-Universität mit 50 Exponaten an der 11. zentralen Leistungsschau der FDJ-Studenten 1989 in Leipzig beteiligt sein.

Wir machen unsere Heimatorte noch attraktiver

Wir nutzen unsere massenpolitische Arbeit, um unsere FDJler und Jugendlichen dafür zu motivieren, einen größeren Beitrag zur Verschönerung unserer Städte und Dörfer, zur Pflege und Erhaltung unserer Natur und Umwelt zu leisten. In enger Zusammenarbeit mit der Nationalen Front, der VdgB (Verband der genossenschaftlichen Bauern, die Redaktion) und dem Kulturbund der DDR unterstützen wir die Grundorganisationen und Gruppen bei der Beteiligung an der Bürgerinitiative "Schöner unsere Städten und Gemeinden – mach mit!". So führten unsere Jugendlichen, insbesondere in Vorbereitung des Pfingsttreffen der FDJ, eine Vielzahl von Einsätzen zur Verschönerung der Wohngebiete, Außenanlagen und Jugendklubs der FDJ, Subbotniks in den Betrieben und Einrichtungen sowie in ihren Orten durch.

Bereit zum Schutz des Sozialismus

Mit dem "FDJ-Aufgebot DDR 40" stellen wir uns das Ziel, die Bereitschaft aller Jungen und Mädchen zur Verteidigung des Sozialismus weiter auszuprägen. So wurde die "Woche der Waffenbrüderschaft" und die thematischen Mitgliederversammlungen "Ehrendienst – Ehrenrecht und Ehrenpflicht" zu wehrpolitischen Höhepunkten gestaltet. Besondere Aufmerksamkeit widmen die 92 Bewerberkollektive der FDJ der Vorbereitung ihrer Freunde auf den zukünftigen militärischen Beruf.

Wir sorgen für ein reges geistig-kulturelles Leben

Mit dem "FDJ-Aufgebot DDR 40" sorgen wir überall, wo die Jugend arbeitet, lernt und sich trifft, für ein inhaltsreiches geistig-kulturelles Leben und für eine gesunde und lebensfrohe Atmosphäre. In der Bezirksorganisation Gera arbeiten 519 Jugendklubs der FDJ, 52 Singeklubs und 5 Singezentren.
Mit dem "FDJ-Aufgebot DDR 40" unterstützen wir die Tätigkeit der jungen Pioniere allseitig. In unserer Bezirksorganisation haben 725 Jugendbrigaden Patenschaftsbeziehungen mit Pioniergruppen. 1.536 Mitglieder der FDJ sind als Gruppenpionierleiter tätig.

Wir stärken unseren Jugendverband

Durch ein interessantes und vielfältiges Leben in allen Grundorganisationen und Gruppen erhöhen wir die Kampf- und Ausstrahlungskraft der FDJ, beziehen jeden Jugendlichen ein und sichern überall, dass jedes Mitglied in seinem Kollektiv die FDJ als engagierten Interessenvertreter der Jugend und als lebendige Schule der sozialistischen Demokratie erlebt. Zu den Kommunalwahlen am 7. Mai wurden viele FDJler als Abgeordnete gewählt.
In Vorbereitung auf das Pfingsttreffen der FDJ 1989 konnten 10.000 Mandate zur Teilnahme an die besten und aktivsten FDJ-Mitglieder übergeben werden.

Ein kurzer Kommentar des Autors der Gera-Chronik

(Viel erzählt und nichts gesagt. Das war typisch für die sozialistische Berichterstattung in der Presse. Immer die gleichen Phrasen, immer die gleichen abgedroschenen Begriffe und immer das politisierte DDR-Deutsch. Hurra wir sind die Größten hatten sie gerufen, statt zu sagen Hurra wir leben noch. Wirtschaftlich war die DDR zu dieser Zeit schon lange völlig am Boden, aber die Planerfüllung hat gestimmt. Hochrangige Parteifunktionäre wussten schon, dass das Lebensniveau in der DDR um bis zu 30% gesenkt werden musste, um die DDR noch so gerade am Leben zu halten. Seit Jahren schon hatte man Kredite beim Klassenfeind BRD laufen, die den Tropf bildeten, der die DDR vor dem endgültigen Tod zu bewahrte. Zu spät merkten die Verantwortlichen der DDR, dass die Menschen in der DDR nicht mehr gewillt waren, das Lügengebäude DDR zu stützen. Da half dann auch keine Propaganda mehr weiter. Ein gutes halbes Jahr später fiel dann die Mauer und die DDR verschwand 1990 mit samt ihrem Phrasengedresche.)

(Und nun soll ein junger Geraer selbst zu Wort kommen. Es war K. F., dessen Namen die Redaktion der Gera-Chronik kennt aber nicht veröffentlichen wird, da er es zum ersten nicht autorisiert hatte und zum zweiten er das mit Sicherheit später ganz anders sah. Aber das ist reine Spekulation der Redaktion. Die Wende hat dann so manchen Menschen verändert. Niemand soll ihm diesen DDR-Presseauftritt zu irgendeiner Zeit zum Stolperstein machen, nur weil er sagen kann "Ich weis da was von damals, da hat der nämlich... Wir klagen nicht an, wir zeigen nicht mit dem Finger auf die Leute, wir schreiben Geschichte...auf. Also, in irgendeiner Schule saß ein K. F. und sagte dieses zur "Volkswacht")

Ich werde Kandidat der SED

Ich bin stolz darauf, dass ich zu den 10.000 FDJlern unseres Bezirkes gehöre, die in Berlin dabei sein werden. Wir, die Teilnehmer am Pfingsttreffen, können versichern, dass wir mit erfüllten Plänen nach Berlin fahren. Ich selbst erhielt mein Mandat für sehr gute Leistungen im Unterricht und für meine Arbeit als XXXXXXXX.
Unser Pfingsttreffen wird ein Fest der Lebensfreude werden, aber auch ein Treffen, auf dem wir uns zu unserer DDR bekennen. Mein Vertrauen, meine Zuversicht in die Politik der Partei und meine Entschlossenheit, Kandidat der SED zu werden und damit unser sozialistisches Vaterland aktiv mitzugestalten, dass werde ich in Berlin zur großen Manifestation und zur Kampfdemonstration bekunden. Wir werden dokumentieren, dass wir geschlossen hinter den Abrüstungsvorschlägen der DDR und aller sozialistischen Länder stehen. Unser Beitrag dazu soll sein, dass wir alles daransetzen, unser "FDJ-Aufgebot DDR 40" mit guten Ergebnissen zu erfüllen.

Wie ist so etwas zu bewerten?

(Er hat nicht wissen können, dass unsere DDR 17 Monate später fest an die Beschlüsse des Bundestages gebunden war, Deutschland wiedervereinigt war und die DDR mit allem was sie hatte untergegangen war. Junge Menschen wie K. F. wurden von der DDR-Propaganda missbraucht. Sie waren damit "Vorzeigejugendliche" und seit dem Eintritt in die Pionierorganisation zu Schulbeginn in die sozialistische Propagandamechanerie eingebunden worden. Seit dem 6. Lebensjahr waren die Kinder der DDR an Uniformen gewöhnt. Nach der Einheitsbaumwollwindel und dem gemeinsamen Gang aufs Töpfchen, dem Gruppenzwang im staatlichen Kindergarten, kam das erste Pionierhemd, was sich bis zum 14, Lebensjahr nicht verändern sollte. Nur die Farbe des Halstuches wechselte von blau auf rot. Danach kam das FDJ-Hemd, auch in blau, und dann die Uniform des NVA-Soldaten. Natürlich nur bei den Jungs. Im normalen Arbeitsleben trug dann der einfache Arbeiter einen "Blaumann", einen einheitlichen zweiteiligen Arbeitsanzug "Made in China". Die waren in den 1980er Jahren "in Mode", da Mao Tse Tung, der große chinesische Führer, im Zuge der Kulturrevolution in seinem Lande eine einheitliche chinesische Kleidung einführen wollte. Im Jahr 1976 ist der dann aber verstorben, die Kulturrevolution war damit passee und die "Blaumänner", die waren dann übrig und wurden in die Bruderländer exportiert.)

Der SED-Chef von Gera

(Und nun soll auch noch Herbert Ziegenhahn zu Wort kommen, der sich schon auf Grund seines Zunamens einigen Spott "Vorne Leder hinten Feder – Ziegenhahn" gefallen lassen musste. Auch er übte sich in der DDR-Terminologie, wenn man sie überhaupt so bezeichnen sollte. So unter dem Motto, die drei erfolgreichsten Staaten der Welt fangen mit "U" an. Da wären die UdSSR, die USA und Unsere DDR.
Auch hier wurden die bisher üblichen DDR-Phrasen verwendet. Der Wortschatz "Terminologie" war in DDR-Deutsch gehalten und verführte nicht nur im Nachhinein zum schmunzeln.)

Herbert Ziegenhahn in der Pressemitteilung der "Volkswacht" vom 12. Mai 1989

Bewährte Gesellschaftsstrategie der Partei gibt unserer Jugend eine hervorragende Perspektive

Herbert Ziegenhahn sprach der Jugend des Bezirkes herzlichen Dank für hervorragende Leistungen aus und wünschte erlebnisreiche Tage zum Pfingsttreffen in unserer Hauptstadt Berlin

Herzlich und mit hoher Anerkennung dankte Herbert Ziegenhahn allen Mitgliedern des Jugendverbandes der jungen Generation unseres Bezirkes für die großartigen Leistungen in Vorbereitung des Pfingsttreffens. Mit wahrhaft revolutionärer Leidenschaft und mit Tatkraft vollbringt ihr im "FDJ-Aufgebot DDR 40" täglich Großes für die Stärkung und den sicheren Schutz unseres ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden. Fest in den guten Traditionen der Pfingsttreffen der FDJ stehend, wird die Jugend unseres Landes das begeisternde Pfingsttreffen im 40. Jahr des Bestehens unserer Republik zu einer machtvollen Manifestation, zu einem leidenschaftlichen politischen Bekenntnis für ihr sozialistisches Vaterland, für Frieden und Sozialismus, zu einem Fest der Lebensfreude und des Frohsinns gestalten. So werdet ihr in Berlin vor aller Welt demonstrieren, dass die Jugend der DDR einheitlich und geschlossen hinter der Politik der Partei und unseres Staates steht. Für diese gute Politik, die unser Land weit voran gebracht hat, gehört unsere Partei- und Staatsführung und persönlich unser Genosse Erich Honecker unser von ganzem Herzen kommender Dank, sagte Herbert Ziegenhahn unter dem stürmischen Beifall der Jugendlichen.

Täglich bestätigt sich auf neue: Die FDJ bewährt sich im wahrsten Sinne des Wortes als Kampfreserve der Partei. Viele jung Freunde haben so wie K. F., der hier gesprochen hat, um Aufnahme in die Partei der Arbeiterklasse gebeten. Zu diesem Schritt beglückwünsche ich alle jungen neuen Mitstreiter sehr herzlich. Die Jugend steht fest an der Seite der Kommunisten. Das ist so und wird immer so bleiben, weil der Sozialismus zutiefst den Idealen der jungen Generation entspricht, weil er jedem Jugendlichem in unseres Landes eine begeisternde Perspektive bietet. Vom Jugendobjekt "Max braucht Wasser", (Einem Propagandaprojekt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg um die Maxhütte für die Stahlproduktion, anzukurbeln.) bis zur heutigen Teilnahme an den Brennpunkten der Volkswirtschaft in der FDJ-Initiative Berlin, an der Erdgastrasse, bei der Intensivierung der Produktion durch den Einsatz der Schlüsseltechnologien zieht sich ein roter Faden. Das spiegelt sich auch darin wider, dass die ökonomischen Jugendinitiativen dieses Jahres bereits mit 40 Prozent erfüllt, zusätzlich über 2000 Tonnen Schrott gesammelt und die Verpflichtungen der FDJ-Aktion "Um- und ausgebaut" eingelöst worden. Die Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft in unserer Republik ist ohne die junge Generation nicht denkbar.
In vier Jahrzehnten angestrengter Arbeit haben wir so unter Führung der SED und mit unserer im Leben bewährten klaren Gesellschaftsstrategie mit wahrhaft menschlichem Antlitz geschaffen. Den Sozialismus in den Farben der DDR charakterisieren heute Vollbeschäftigung statt Massenarbeitslosigkeit, soziale Sicherheit statt Sozialabbau, Wohnungsbauprogramm statt Obdachlosigkeit, Zukunftsgewissheit für die Jugend statt Existenzangst wie in den Ländern des Kapitals. Die Werte und Vorzüge unseres Lebens sind unübersehbar. Niemand in der Welt wird uns daran hindern, unsere bewährte Politik zum Wohle des Volkes und damit auch für ein glückliches, sinnerfülltes Leben unserer Jugend konsequent fortzusetzen, hob Herbert Ziegenhahn unter dem Beifall der Teilnehmer des Meetings hervor. Der begeisternde 1. Mai, das machtvolle Bekenntnis unserer Bürger zu den Kommunalwahlen und eure eindrucksvollen Leistungen in Vorbereitung des Pfingsttreffens demonstrieren die feste Verbundenheit zwischen Partei, Volk und Jugend.
Die Sicherung des dauerhaften Friedens für die Menschheit, eine Welt ohne Massenvernichtungswaffen und ohne Krieg – das ist und bleibt unser erklärtes Ziel, dazu leistete und leistet die DDR ihren aktiven Beitrag. Mit eurer machtvollen Kampfdemonstration gemeinsam mit Hunderttausenden junger Menschen aus der ganzen Republik werdet ihr zum Pfingsttreffen in Berlin vor der Welt bekunden, dass die Jugend der DDR, wenn es um ihr Glück und ihre friedliche Zukunft geht, in diesem Kampf feste Positionen bezieht, alles, aber auch alles für die weitere allseitige Stärkung des Sozialismus und des Friedens tut.
Wir sind stolz auf unsere junge Generation, schloss Herbert Ziegenhahn seine Ansprache, und wir sind gewiss, dass ihr mit gleicher revolutionärer Leidenschaft und großer Begeisterung, wie ihr euer Pfingsttreffen vorbereitet habt, unseren Bezirk in Berlin würdig vertretet. Für die Tage in unserer Hauptstadt wünschte er allen Teilnehmern viel Erfolg, beste Gesundheit und unvergessliche Erlebnisse.

Der Kommentar des Autors der Gera-Chronik

(Hurra, Hurra der Sozialismus ist toll. 40 Jahre die selbe Wortwahl. 40 Jahre die selbe Demagogie. 40 Jahre die selben Phrasen. 40 Jahre Kampf für den Sozialismus. 40 Jahre ...
Man hat 40 Jahre für den Sozialismus gekämpft, aber es hat sich dann wohl doch nicht gelohnt. Weil die Menschen in der DDR den so verhassten und nur von "Oben" befohlenen Sozialismus dann endlich abschafften. Dieser Sozialismus zeigte sich als eine einzige Gesellschaftslüge, als Mitläuferregime ohne Selbstdenker, als parteigelenkt, damit als eigentlicher Staatskapitalismus der sein Volk gewaltsam einsperren musste weil es sonst schlicht und einfach "gegangen" wäre. Dort in der DDR ist der Sozialismus und keiner bleibt da. Der Sozialismus funktionierte nicht, funktioniert nicht und wird nie in irgend einer Form funktionieren. Er hält nicht einmal seine eigenen vorgegebenen Ideale ein, weil er es gar nicht kann. Sozialismus geht nur mit Gewalt. Das kann auf der ganzen Welt belegt werden. Nirgendwo funktioniert das. Ob Kuba, Venezuela oder Nordkorea. Immer wieder wurde das Wort Sozialismus für eine menschenverachtende Diktatur missbraucht.
Schon Lenin hielt "Terror" für ein gangbares Mittel zur Durchsetzung seiner Ziele. Der "Sozialismus der Altdenker" wie Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, August Bebel, Karl Marx und Friedrich Engels war nicht das was in der DDR nach sowjetischem Vorbild  durchgesetzt wurde. Die Altdenker hätten das DDR-Regime wahrscheinlich nicht einmal toleriert geschweige denn mitgetragen. Menschen lassen sich nicht vereinheitlichen, gleichschalten und als Erwachsene zwangserziehen. Menschen wollten nicht von einem Geheimdienst überwacht werden, der nur Angst verbreitete, Angst vor Denunziation, Angst vor Verfolgung und der Angst vor dem Verlust der persönlichen Freiheit, weil man gegen den Staat war. Weil die Gegner, außer sie waren deutschlandweit bekannt, die DDR auch nicht so einfach hatten verlassen können. Abtrünnige des DDR-Regimes wurden erst eingesperrt, dann ausreichend schikaniert und später für viel "Westgeld" an die Bundesrepublik verkauft. Aber auch nur wenn sie viel Glück hatten. Ein moderner Menschenhandel. Haft in der DDR oder Freiheit im Westen. Die DDR machte einen profitablen Gewinn aus den Abschiebeverkäufen gen Westen. So wurde weiter eingesperrt und an den Westen verkauft.
Die Menschen wollen von den Idealen der Altdenker profitieren, die soziale Gerechtigkeit, freies Denken und freie Arbeitsplatzwahl zum Ziel hatten. Die Altdenker wollten keine Diktatur des Proletariates. Die Ziele der Widerstandkämpfer wie der Geschwister Scholl wurden nur offiziell gelobt. Aber nie gelebt, weil diese die Diktatur an sich abschaffen wollten. Den Menschen in der DDR wurden die Ideale der Altdenker in völlig verdrehter Art und Weise dargelegt. Die DDR-Oberen stellten sich hin, als ob sie es nun endlich geschafft hätten, die revolutionären Ideen der Altdenker in die Tat umgesetzt zu haben. Das die Menschen den Sozialismus mehrheitlich ablehnten zeigte sich natürlich auch in der Tatsache, dass 1953 ein Volksaufstand tobte, viele die Flucht wagten und die DDR die Mauer bauen musste, um ihr "Sozialismusregime" nicht alleine aufbauen zu müssen. Im Laufe der Jahrzehnte lehnte sich der sogenannte "Ostblock" immer wieder gegen die von der Sowjetunion gelenkten roten Machthaber auf. 1956 in Ungarn, 1968 in der Tschechoslowakei (Prager Frühling) und 1981 in Polen.
Menschen vollen frei leben, frei denken und ihre Meinung sagen können. Ohne Angst zu haben deswegen vielleicht weggesperrt zu werden. Die Partei, die Partei hat "nicht" immer recht, wie es in einem "Kampflied der Arbeiterklasse" so oft wie möglich verbreitet wurde. (Dieses Kampflied war in der DDR sogar einmal zu einem der Hits des Jahres erklärt worden.)
181 Tage nach Erscheinen dieses Kampfaufrufes von Herbert Ziegenhahn fiel die Mauer in Berlin. Die Kommunalwahlen, die im Volkswachtartikel noch als "machtvolles Bekenntnis unserer Bürger" bezeichnet wurden, erwiesen sich als dreiste Wahlfälschung, wie jede andere DDR-Wahl auch, nur hier konnte sie bewiesen werden, und war von den Bürgern entlarvt worden. Die wussten ja das sie nicht gewählt hatten. 
Nur 181 Tage später waren Menschen, die so sozialistisch dachten und für das menschenverachtende Regime der DDR waren, endlich politisch gesehen Geschichte.
Menschenverachtend war die DDR deswegen, weil alle politisch anders denkende Menschen vom DDR-Regime verachtet worden. Das waren auch Menschen mit einem eigenen Leben und einer eigenen Meinung.
Das es in der DDR zahlreiche herausragende soziale Errungenschaften gab, war und ist unbestritten. Man muss nur sehen wie sie errungen wurden. Und nur für die stillen Mitläufer des Regimes gab es die "Errungenschaften". Wehe man wich etwas oder manchmal auch mehr, aus der Gesellschaft ab, man war der Kirche verbunden, politisch aufmüpfig oder einfach nur freiheitsdenkend, dann zeigte die DDR ihre hässliche Stasifratze. Dann wurden Kinder in Heime und Jugendliche in Werkhöfe gesperrt. Dann wurde ala DDR umerzogen. Dann wurden Familien zerstört. Da wurden Menschen gebrochen und zerbrochen. Kinder der Andersdenkenden wurden an linientreue Genossen abgegeben. Eine Zwangadoption die verhindern sollte, dass die Kinder freiheitlich denkend erzogen wurden. Die Kinder haben ihre leiblichen Eltern auch später nur selten kennen gelernt. Eie Parallele zu den "Lebensbornkindern" der Nationalsozialisten drängt sich da natürlich auf. Es soll aber kein Vergleich gezogen werden, da man Verbrechen nicht gegenseitig aufwiegen sollte.  Erwachsene kamen in Haft und wurden für Taten verurteilt, welche es in keinem anderen Gesetzblatt der Welt gab. Zum Beispiel für Republikflucht. Regime ist Regime und Diktatur ist Diktatur, egal welche Farbe die Hemden hatte. Wo eine Diktatur herrscht, auch wenn es die des Proletariates sei, bleibt die Freiheit auf der Strecke. Leben lässt sich nicht von oben diktieren.)
 
Mike Strunkowski, im September 2008 als Autor für die Gera-Chronik

(Und weiter geht es im sozialistischen Text. Auch dieser Artikel stand in der Ausgabe der "Volkswacht" vom Freitag dem 12. Mai 1989.)

Jugendbrigade "Erwin Pandorf", Werk III. des VEB Modedruck Gera:

Wort gehalten: Mit erfüllten Verpflichtungen zum Jugendtreffen

Heute ist es also soweit. Mit der Manifestation für Frieden und Sozialismus auf dem Marx-Engels-Platz wird das große Pfingsttreffen als Leistung unseres Jugendverbandes und Fest der Lebensfreude eröffnet. Dort, wie auch zur großen Kampfdemonstration am Sonntagmorgen, während der Foren mit führenden Politikern und in vielen Gesprächen untereinander werden Zehntausende Mädchen und Jungen sich zu unserem sozialistischen Vaterland, dem Staat der Jugend, bekennen. Wir nehmen das Treffen in unserer Hauptstadt, der Stadt des Friedens, zum Anlass, um unser Tempo im sozialistischen Wettbewerb und im FDJ-Aufgebot zu erhöhen. Mit viel Engagement, bekräftigt durch unsere Stimme für die Kandidaten der Nationalen Front, geht es uns um weiteren Leistungszuwachs. Wir geben dafür gern unser Bestes, weil wir wissen, dass fleißige und gewissenhafte Arbeit uns selbst wieder zugute kommt und wir dazu beitragen können, den guten Kurs der Einheit von Wirtschafts und Sozialpolitik weiter erfolgreich fortzusetzen.
Gemeinsam mit den Delegierten unserer Betriebsjugend bekennen wir aus vollem Herzen: Die klare Gesellschaftsstrategie der Partei der Arbeiterklasse ermöglicht der jungen Generation, wie 40 Jahre DDR beweisen, ein Leben in sozialer Geborgenheit und gesicherter Perspektive. Sie schenkt der Jugend Vertrauen und überträgt ihr Verantwortung, fördert und fordert sie. Hier hat jeder ein wahres Vaterland, ein friedliches und menschliches Zuhause. Dass dies auch in der Zukunft so bleibt, dafür gilt unser Bekenntnis und unsere Tat.
Wir stehen zu unserem Wort und haben unsere Verpflichtungen zu den Kommunalwahlen und zum Verbandsfest in Ehren eingelöst. Unsere Brigade, die seit einiger Zeit an neuen Webmaschinen im Drei-Schicht-Rhythmus arbeitet, sorgt mit dafür, dass alle Maschinen stets besetzt und voll ausgelastet sind. So sichern wir einen kontinuierlichen Produktionsfluss an unserer modernen Technik.  Zu unseren eingelösten Verpflichtungen gehört auch unser MMM-Exponat zur Senkung von Fehlerstellen in hochwertigen Anorak- und Seidengeweben. Damit konnten wir bereits im I. Quartal einen ökonomischen Nutzen von 130.000 Mark realisieren. Doch wir richten den Blick in der weiteren Parteitagsvorbereitung wiederum nach vorn. So geht es uns darum, im 40. Jahr unserer Republik aus gezielter Neuerertätigkeit weitere 90.000 Mark zu erwirtschaften.
Insgesamt wurden in unserer Weberei gute Ergebnisse erreicht. So hatten sich ursprünglich alle Brigaden verpflichtet, zu Ehren der beiden politischen Höhepunkte in der Schussplanerfüllung 0,5 Tagesproduktionen zusätzlich zu erwirtschaften. Geschafft haben wir schließlich einen Planvorsprung von 2,5 arbeitstäglichen Leistungen. Auf das Konto zur Eigenfinanzierung des Pfingsttreffen überwiesen wir 390 Mark. Die ereignisreichen Tage in unserer Hauptstadt werden uns natürlich Anlass sein, unsere neuen Bestwerte gezielt weiter auszubauen. Das ist das Fundament, um den im Wahlprogramm bekräftigten Kurs zum Wohle des Volkes und für den Frieden konsequent fortzuführen.
In unserer Jugendbrigade geht es natürlich rund um das ganze FDJ-Aufgebot. Aktiv wollen wir uns an den Betriebsfestspielen beteiligen, so manche Kugel auf der Bowlingbahn schieben, Lichtbildervorträge organisieren und gemeinsam Diskotheken besuchen.

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18.01.2015
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