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1606 Die Frau des Bürgermeisters und der berühmte Erker
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Der Geraer Markt am Anfang des 17. Jahrhunderts

Vor dem verheerenden Stadtbrand vom 10. März 1686 war der Geraer Markt noch vierseitig umbaut. Zwischen der Stadtapotheke und dem Deutschen Haus (das später Pskow) stand noch eine Reihe von Häusern. Die "Kleine Kirchstraße" und die "Große Kirchstraße" hieß noch "Lange Gasse" und führte am Markt vorbei bis zur Salvatorkirche. Die Zugänge zum Markt erfolgten über den Kornmarkt, über den Zugang zum späteren Standesamt, über einen Durchgang am deutschen Haus und eben an der "Stadtapotheke". Wo, wie sich zeigen sollte, es mitunter recht eng zugegangen sein muss.
Sicher ist aber, dass die Ehefrau des damaligen Bürgermeisters Hans Hörel ein ausgefallenes Hobby hatte. Sie saß für ihr Leben gern im Durchgang zwischen der langen Gasse und dem Markt auf einem Stuhl und beobachtete die vorbeilaufenden Menschen. Was sie nervte war aber, dass sie jedes Mal aus ihrem bequemen Stuhl aufstehen musste wenn die Menschen durch diesen Zugang, meist mit Waren beladen, den Markt erreichen wollten.
Das rief ihren Gemahl auf den Plan, welcher darauf hin den reich verzierten Erker anbauen ließ. So konnte die gnädige Frau das Treiben auf der Straße und dem Markt unbeobachtet beobachten und musste auch nicht mehr aufstehen.
Zu dieser Zeit war offener Handel nur auf dem Markt erlaubt und wurde gestaffelt. Erst die Adligen, dann die Bürger und erst danach durfte der einfache Geraer auf dem Markt einkaufen. Für die Armen blieb, was übrig blieb.

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Tintenglas mit Feder
 
 
18.01.2015
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