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13.07.1979 Planungsziele in Gera und Umgebung
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Solche Schlagzeilen waren zum Teil auf der ersten Seite zu lesen und bildete den sogenannten „Aufmacher“, wie Pressefachleute es bezeichnen. Hier einige Aufmacher vom 13.Juli 1979.

Eindrucksvoll Bilanz ist Ansporn für gute Handelstätigkeit
Herbert Ziegenhahn beriet mit Werktätigen des Handels
über die hohen Anforderungen an ihre Arbeit

Gera (Vw) Die ständig wachsende politische und gesellschaftliche Bedeutung des Handels, die Anforderungen an eine höhere Qualität und Effektivität der Arbeit aller Handelskollektive unter der politischen Führung der Parteiorganisation für die gute Versorgung der Bevölkerung waren Ausgangspunkt für Gespräche und Beratungen mit Werktätigen und Leitern in Geraer Handelseinrichtungen, die Herbert Ziegenhahn, Mitglied des Zentralkomitees und 1. Sekretär der Bezirksleitung Gera der SED am vergangenen Mittwoch (11.Juli 1979) führte. Daran nahmen weiter teil: Rolf Jobst, Sekretär der Bezirksleitung, Gerhard Neumayer, 2. Sekretär der Kreisleitung Gera-Stadt der SED, sowie Erwin Ramonat, Stellvertreter des Vorsitzenden des Rates des Bezirkes für Handel und Versorgung.
Bei dem Gedankenaustausch mit den Handelsmitarbeitern im Zentrallager des VEB Großhandel OGS Gera (Obst Gemüse und Speisekartoffeln Gera die Redaktion), in der Konsumgemüseverkaufsstelle Gera-Lusan, in der Kaufhalle Süd oder in anderen Handelseinrichtungen wurde deutlich: Wenige Wochen vor dem 30. Jahrestag unserer Republik können wir im Handel wie auf allen anderen Gebieten unseres gesellschaftlichen Lebens eine ausgezeichnete Bilanz ziehen, die uns in der festen Gewißheit bestärkt, auch den neuen Anforderungen bei der weiteren Erfüllung der Hauptaufgabe in ihrer Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik voll gerecht zu werden. Der enorme Leistungsanstieg unserer Volkswirtschaft in der 30jährigen Geschichte unseres Staates, insbesondere nach dem VIII. und dem IX. Parteitag, spiegelt sich sogleich auch in einer eindrucksvollen Entwicklung bei der immer besseren Versorgung unserer Bevölkerung wider. Bei den Gesprächen in den Verkaufseinrichtungen oder im Großhandel berichteten die Werktätigen über beeindruckende Ergebnisse auf diesem Gebiet, die sich – in Zahlen ausgedrückt – so demonstrieren: In jedem Jahr seit 1970 stieg der Warenumsatz in unserem Bezirk durchschnittlich um 157 Millionen Mark und mehr an. (Die Bevölkerungszahl wuchs und damit stieg natürlich der Warenumsatz. Anmerkung der Redaktion der Gera Chronik 29 Jahre später) Im vergangenen Jahr erreichten wir im Einzelhandelsumsatz bereits die 4 Milliarden-Mark-Grenze bei den Warenfonds für unsere Bevölkerung. Eine Entwicklung, die sich in diesem Jahr fortgesetzt hat! Im Referat auf der Beratung am Nachmittag konnte Erwin Ramonat mitteilen, daß im Bezirk im ersten Halbjahr 1979 der geplante Warenumsatz mit 100,8 Prozent erfüllt wurde – bei Industriewaren sogar mit 101,2 Prozent. Allein im Geraer Konsument-Warenhaus, so berichtete Helgard Bernhardt, stellvertretender Parteisekretär, wurden in diesen sechs Monaten für 1,3 Millionen Mark Waren mehr gekauft, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, Waren, die im wesentlichen mit gleichbleibender Zahl an Arbeitskräften angekauft, gelagert, bewegt, verkauft wurden. Schon darin werden die Leistungen, die vielfältigen Initiativen der Handelsmitarbeiter auch unseres Bezirkes deutlich, wofür Genosse Herbert Ziegenhahn den Werktätigen des Handels ein herzliches Dankeschön aussprach.
Solche Ergebnisse sprechen aber vor allem auch eine beredte Sprache von dem Inhalt der Politik der Partei der Arbeiterklasse, alles zu tun für das Wohl des Volkes, für das Glück der Menschen. Mit unserem Programm des Wachstums, des Wohlstands und der Stabilität sind die Einkommen, die sozialen Leistungen unseres Staates, ist insgesamt der Wohlstand der Bürger bedeutend gestiegen. Und daraus resultierenden hohen Anforderungen an den Handel. In der Beratung und in den Gesprächen in den Handelseinrichtungen wurde daraus vor allem auch die große politische Verantwortung für alle Handelsmitarbeiter herausgearbeitet, die durch ihre Versorgungsarbeit ständig mit der Bevölkerung im Gespräch sind. Richtiges Handeln, so wurde in Gesprächen der Handelsmitarbeiter mit Genossen Herbert Ziegenhahn deutlich, hängt auch sehr wesentlich vom Verstehen politischer Zusammenhänge ab. Dazu gehören die Kenntnis über die 30jährige Entwicklung unseres Arbeiter- und Bauernstaates unter Führung der marxistisch-leninistischen Partei, das Wissen über die historische Größe des Geleisteten und unter welchen internationalen Bedingungen wir diesen Weg aus den materiellen und ideologischen Trümmern in aller Welt bis zur erfolgreichen Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft gegangen sind und weiter erfolgreich beschreiten werden, wer dabei unsere Freunde und Verbündete, wer unsere Feinde waren und sind. Und auch das gehört dazu, wenn wir von einer großen Leistungsschau des Sozialismus auf deutschem Boden anläßlich unseres 30. Republikjubiläums sprechen: In einer Zeit, da der Imperialismus von einer Zyklischen Krise in die andere rennt, da wachsende Inflationsraten und eine nicht enden wollende Lohn-Preis-Spirale in den kapitalistischen Ländern Existenzangst und steigende Lebenshaltungskosten das tägliche Leben für die Werktätigen bestimmen, verwirklichen wir das bisher größte sozialpolitische Programm trotz veräderter außenwirtschaftlicher Bedingungen, sichern wir stabile Verbraucherpreise im Einzelhandelsumsatz durch alljährlich steigende Mehraufwendungen aus dem von uns erarbeiteten Nationaleinkommen. Kein Wunder, daß der Imperialismus, insbesondere die BRD mit ihrem zusammengekrachten „Wirtschaftswunder“, alles unternimmt, um unsere Erfolge totzuschweigen, zu verdrehen und alles zu versuchen, durch ständig verstärkte ideologische Hetze gegen unseren Staat störend in unseren friedlichen Aufbau, ja selbst in seine Versorgung einzugreifen. Eine Schlussfolgerung aus dem Gespräch der Handelsmitarbeiter mit Herbert Ziegenhahn war es daher, ausgehend von unserer guten Bilanz und gesicherten Perspektiven die politisch-ideologische Arbeit mit allen Werktätigen im Handel noch wirkungsvoller zu gestalten und so erfolgreich die neuen anspruchsvollen Aufgaben bei der weiteren Erfüllung der Beschlüsse des IX. Parteitages und der 10. Tagung des Zentralkomitees anzupacken.

Viele Möglichkeiten zur Intensivierung

Mit der wachsenden Leistungskraft unserer Volkswirtschaft, dem sich ständig weiter erhöhenden Lebensniveau unserer Werktätigen, das heute schon zu den höchsten der Welt gehört – auch das machten die Beratungen an diesem Tag deutlich, wachsen die Ansprüche an den Handel. Das stellt die politische Aufgabe, nicht einfach nur zu versorgen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes zu handeln, die ständig bessere Befriedigung der wachsenden qualitativen Bedürfnisse der Arbeiterklasse und aller Bürgerentsprechend unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten zu sichern. Das setzt voraus, wie Herbert Ziegenhahn die Überlegungen seiner Gesprächspartner bekräftigte, besser den Prozess der Bedürfnisentwicklung wirtschaftlich beherrschen zu lernen. Das erfordert zugleich Einflußnahme auf die Produktion als auch auf die Geschmacksbildung der Kunden, eine gute Gemeinschaftsarbeit von der Produktion, über den Großhandel bis zum Einzelhandel und vor allen die Intensivierung der Handelsprozesse. Welch vielfältige Möglichkeiten es dafür gibt, wie dabei die Erfahrungen der Besten auch im Handel noch besser zum Allgemeingut aller Handelseinrichtungen werden müssen, zeigte sich in den Gesprächen in den Verkaufsstellen sowie in der Diskussion auf der Beratung.
So berichteten z.B. im Zentrallager des VEB Großhandel OGS Gera der Direktor Erwin Jeziorski und Kerstin Stadelmann, Jugendbrigadier im Lager, wie sich die Einrichtung dieses Zentrallagers am 1. April, die Schichtarbeit der 40 Mitarbeiter, die Konzentration der Technik und Trabsportmittel auf die Beschleunigung des Warenumschlage – immerhin 10.300 Tonnen Obst und Gemüse im Jahr – in die 12 Geraer Kaufhallen und 20 Spezialverkaufsstellen und weiteren 100 „Kunden“ ausgewirkt hat, wie sich das besonders auch bei dem nach verspäteter Reife nun beginnenden Angebot an Obst und Gemüse auszahlen wird. Ausgebaut werden soll und wird jedoch noch die Direktbelieferung von der Produktion zum Einzelhandel, um den Frischegrad des Ware im Angebot zu erhöhen.
Wie dazu der Einzelhandel selbst weitere Reserven ausschöpfen kann, wurde im Obst- und Gemüseangebot der Kaufhalle Süd in Gera-Lusan deutlich: Mehr als sieben Tonnen Obst und Gemüse wurden hier bereits, so Abteilungsleiterin Evelin Tschorsnig, nach dem Beispiel der Spezialverkaufsstelle Gera Untermhaus von Kleingärtnern direkt aufgekauft.
Einflussnahme auf die Produktion erhöhen
In den Kampfprogrammen, so wurde in den Beratungen deutlich, haben sich die Parteikollektive auf die höheren Anforderungen eingestellt. Sie nehmen wichtige Schwerpunkte unter Parteikontrolle. So zum Beispiel im Konsument-Warenhaus die Sicherung des vollen Angebots mit Waren des täglichen Bedarfs über die gesamte Öffnungszeit, des Angebots im Bereich der Jugendmode und der Kinderversorgung sowie hochwertigen Industriewaren. Im SGB Schuhe und Lederwaren Gera, berichtete Direktor Paul Gerhardt, fand zur verstärkten Einflußnahme auf die Produktion eine Qualitätskonferenz mit Betrieben der Schuh- und Lederwarenindustrie und Vertretern des Einzelhandels statt, auf der im Interesse der Kunden konkrete Qualitätsanforderungen gestellt, zugleich aber auch Erfahrungen der beiden „Betriebe der ausgezeichneten Qualitätsarbeit“ Lobenstein und Weida aus unserem Bezirk vermittelt wurden. Zur bewährten Praxis der Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel gehören auch hier Sortimentskontrollen in Verkaufseinrichtungen, um vermeidbare Sortimentslücken aufzudecken.

Anspruch an höhere Qualität der Leitungstätigkeit

In seiner Schlussbemerkung faßte Genosse Herbert Ziegenhahn diese und weitere Erfahrungen der Werktätigen des Handels zusammen, die während der Gespräche in Verkaufseinrichtungen und während der Beratung am Nachmittag dargelegt wurden.
Er ging davon aus, daß die gute Bilanz, die wir in 30 Jahre DDR und insbesondere seit dem VIII. Parteitag ziehen können, auch für die weitere Entwicklung des Handels eine sichere Grundlage und gute Perspektive gibt. 30 Jahre DDR, das sind 30 Jahre Machtausübung der Arbeiterklasse unter Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei und damit einer guten Politik zum Wohle des ganzen Volkes. Eine Politik, die der Offensive des Sozialismus und der Festigung des Friedens dient, allen Menschen in unserem Staat soziale Sicherheit gebracht hat und eine gute Zukunft für jeden bietet. Der 1. Bezirkssekretär unterstützte die Überlegungen aller Gesprächspartner, daß diese politischen Grundfragen in den Mittelpunkt der politisch-ideologischen Arbeit mit allen Handelsmitarbeitern gehören und von dieser klaren politischen Position ausgehend die Qualität der Leistungstätigkeit im Handel insgesamt als auch bei der Erfüllung der täglichen Handelsaufgaben in jeder Verkaufsstelle zu erhöhen ist.
Herbert Ziegenhahnunterstrich in seinen weiteren Ausführungen, daß das enorme Wachstum der Leistungskraft unserer Volkswirtschaft und das im beeindruckenden Maße gestiegene Lebensniveau, die hohe Kaufkraft unserer Bürger zugleich hohe Anforderungen an den Handel stellen. Er unterstützte die vielen guten Erfahrungen der Werktätigen in diesem Bereich, daß bessere Handeln bei der verstärkten Intensivierung im Handel beginnt, vor allem jedoch eine gute Leitung des Handels insgesamt und in jeder einzelnen Handelseinrichtung voraussetzt und bis zu einer freundlichen und niveauvollen Bedienung der Kunden reicht. Dabei wurde vor allem die Notwendigkeit einer verstärkten analytischen Arbeit und langfristigen Bedarfsermittlung unterstrichen, um mit größter eigenschöpferischer Arbeit im Groß- und Einzelhandel verstärkten Einfluß auf die Produktion in Industrie und Landwirtschaft und auf gute Produktionsbeziehungen auch über den Bezirk hinaus nehmen zu können. Ausgangspunkt aller Überlegungen ist schließlich: Was produziert wird, muß voll und ganz dem Bedarf der Kunden entsprechen und täglich im Einzelhandel niveauvoll angeboten werden. Die Leistungskraft unserer Volkswirtschaft in einem sich ständig verbessernden Angebot sichtbar zu machen, heißt dabei nicht zuletzt auch gute Ideen zu haben, klug zu reagieren und die persönliche Verantwortung an jedem Arbeitsplatz voll wahrzunehmen.
Die Gespräche und Beratungen dieses Tages machte insgesamt deutlich, wie der Handel den höheren Anforderungen, die durch unser hervorragende 30jährige Bilanz, unser gute und stabile Entwicklung, durch das erreichte hohe Lebensniveau unsere Bürger gestellt sind, noch besser gerecht werden kann.

Vorbereitung auf den 30. Jahrestag

Die DDR stand zu dieser Zeit kurz vor ihrem 30. Jubiläum der sogenannten Staatsgründung. Propaganda war ein vertrautes Mittel in der DDR um angebliche Erfolge den Bürgern schmackhaft zu machen. Die Presse druckte dann geflissentlich, was die Einheitspartei vorgab. Ob die folgende Leserzuschrift an die Geraer „Volkswacht“ wirklich wahr ist, ist nicht klar, aber sie stand am 13. Juli 1979 so in der Zeitung. Wir zitieren in den Zusatzinformationen.

(Sicher ist zumindest, dass es in einem Punkt egal war, in welchem Teil Deutschlands man nach dem Zweiten Weltkrieg lebte, überall war die Zerstörung und die Armut riesengroß. Die spätere Entwicklung differierte die leider entstandenen zwei deutschen Staaten enorm auseinander. Auf der westlichen Seite schaffte der bundesdeutsche Wirtschaftsminister Professor Ludwig Erhard (1897-1977) ein Wirtschaftswunder und damit Wohlstand einer ganzen Generation und auf der östlichen Seite gingen die Menschen am 17. Juni 1953 auf die Straße, weil sie die „Diktatur der Sowjets“ satt hatten und endlich frei wählen wollten und vor allem die Teilung des Vaterlandes beseitigen wollten. Daraus wurde bekanntlich nichts, da die Sowjets den mutigen Aufstand mit Panzern blutig niederschlugen. Spätesten nach dem Bau der Mauer, und der damit verbundenen „endgültigen“ Abkapselung der DDR von der BRD war den meisten Bürgern bewusst, dass sie sich mit dem Staat DDR arrangieren mussten. Das taten viele und manche zeigte sogar so etwas wie Zuneigung zum Staate DDR und engagierten sich bewusst für den Sozialismus. Die hatten in ihrer Jugend die Nazis erlebt und dachten nun, dass die DDR den Heilsbringer stellte. Weit gefehlt. Einer verbrecherischen Diktatur folgte die nächste verbrecherische Diktatur. Nur auf anderem Niveau. Vergleichbar waren die Systeme nicht, aber beide waren menschenverachtend und nur auf Propaganda fixiert. Beide suggerierten das Volkeswohl und die einen schickten die Menschen in einen Weltkrieg und die anderen schickten die Menschen in einen Kalten Krieg.)

Es folgt ein Zitat aus der Geraer „Volkswacht“ vom 13. Juli 1979, wo sich eine ehemalige Junglehrerin zum bevorstehenden 30. Republikgeburtstag und zu den Anfangsjahren der DDR äußerte.

Der Leserbrief hatte folgenden Wortlaut

Als Neulehrer von Anfang an dabeigewesen

Schon seit einiger Zeit verfolge ich die Leseraktion mit großem Interesse. War doch auch ich beim Neubeginn in unserer Heimat dabei. Aber erst durch den Beitrag am 35. Mai 1979 „Episoden zum Nachdenken“ von Johannes Mühlhausen aus Schleiz bin ich zu dem Entschluss gekommen, selbst etwas dazu zu schreiben. Denn auch ich habe nach dem Krieg als Neulehrer bzw. Schulamtsanwärter unterrichtet. Auf Anraten meines Vaters, der seit der Gründung der KPD (1919 in Gera) dieser Partei angehörte, hatte ich mich dazu entschlossen.
Nach einer viel zu kurzen pädagogischen Ausbildung wurden wir damals im Schuldienst eingesetzt. Ich bekam in Herbsleben, Kreis Gotha, eine 2. Klasse mit – sage und schreibe – 68 Jungen. Diese Kinder waren durchaus nicht alle 7 oder 8 Jahre alt, sondern es waren Jungen von 13 und 14 Jahren dabei, die – bedingt durch die Kriegsgeschehnissen – zugewandert waren, jahrelang keinen Schulunterricht gehabt hatten und in ärmlicher Kleidung und mit verstockten, abweisenden Gesichtern, mich z.T. in der Größe überragend, vor mir standen.
Es war nicht leicht für uns junge, selbst noch lernende Neulehrer, mit leerem Magen, ohne Hefte und Stifte zu unterrichten. Von Anschauungsmaterial haben wir nicht einmal zu träumen gewagt. Es ist schon so, wie Herr Mühlhausen schreibt, dass wir wirkliche „Zauberkünstler“ waren.
Zum Bildungsstützpunkt fuhren wir monatlich einmal früh 4.30 Uhr im eiskalten Zug nach Gotha, wo um 8.00 Uhr die Weiterbildung begann. Außerdem liefen wir wöchentlich einmal kilometerweit jeweils in ein anderes Dorf zur gegenseitigen Hospitation, um auch hier von anderen Kollegen zu lernen. An den Elternabenden hatten wir es sehr schwer, den Eltern das Gesetz über die demokratische Einheitsschule zu erläutern, denn es bedurfte sehr viel Zeit und erhitzter Diskussionen, bis in die Köpfe der Bauern und der Landarbeiter Ordnung wurde.
Leider musste ich nach einigen Jahren aus gesundheitlichen Gründen aus dem Schuldienst ausscheiden. Als ich dann hier in Gera, vor etwa 15 Jahren, in der Klasse meines Sohnes im Elternaktiv tätig war und die großen Fortschritte sah, die das Schulwesen in all den Jahren gemacht hatte, da war ich fast ein wenig Stolz, damals am Neubeginn mitgeholfen zu haben.
Heute ist es selbstverständlich, daß jedes Kind eine 10klassige Schulausbildung erhält und das haben wir unserem sozialistischen Staat zu verdanken.

   Charlotte Heß, Gera
   Arminusstraße 41

Willi Stoph dankt für Glückwünsche

Anlässlich meines 65. Geburtstages habe ich eine Vielzahl von Grüßen und Glückwünschen erhalten
Es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, allen Genossen und Freunden, allen Gratulanten auf diesem Weg von ganzen Herzen zu danken. Die vielen Beweise der Verbundenheit bekräftigen die Gewissheit, daß wir auch künftig gemeinsam auf unserem IX. Parteitag der SED vorgezeichneten guten Weg bei der weiteren Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft in der DDR erfolgreich voranschreiten werden.  Willi Stoph

Als die Lebensmittelmarken ins Museum wanderten

Es war vor gut 21 Jahren, da wurden die Reste der Rationierung abgeschafft. Als durch Presse und Rundfunk die Nachricht bekannt wurde,  die Lebensmittel werden abgeschafft, löste diese Mitteilung in den Maitagen des Jahres 1958 große Begeisterung in allen Teilen underer Bevölkerung aus. Nicht zuletzt waren darüber die Lebensmittelverkäuferinnen froh und atmeten auf, denn das zeit- und arbeitsaufwendige Markenkleben hatte nun ein Ende.

Die Rationierung von Lebensmitteln war Erbe des zweiten Weltkrieges. Die Werktätigen spürten nun mehr denn je, daß es aufwärts ging, der von den Kapitalisten für die DDR angestrebte und prophezeite „wirtschaftliche Zusammenbruch“ war ausgeblieben. Im Gegenteil, durch die Aktivisten- und Wettbewerbsbewegung wurden viele Initiativen ins Leben gerufen, die unsere wirtschaftliche Leistungskraft erhöhten. Mit der Abschaffung der Rationierung wurden stabile einheitliche Preise für alle Lebensmittel festgelegt. Und als Ausgleich für entstandene Mehrkosten, die sich aus den neuen Preisen für die bisherigen rationierten Lebensmittel ergaben, erhielten Arbeiter, Angestellte und Rentner sowie auch Studenten finanzielle Zuschüsse. Ein weiterer Schritt nach vorn wurde gemacht mit Lohnzuschlägen für Arbeiter und Angestellte, Zuschläge für Rentner und Studenten, neuen Erfassungs- und Ankaufpreisen, Zahlungen wie Kindergeld und Geburtenbeihilfen usw. Immer stand das Wohl der werktätigen Menschen im Mittelpunkt der Politik in unserem Staat, eben deshalb waren wir immer bestrebt, alle Kräfte dafür einzusetzen ihn weiter zu stärken, zu schützen und zu verteidigen.

  Vk. Hildegard Wölfer
  65 Gera, Platz der Republik 6

Bezeichnende Entscheidung

Es ist mehr als bezeichnend, was sich die bundesdeutsche Fernsehanstalt ZDF herausnimmt. Die Ausstrahlung der sowjetisch-amerikanischen Dokumentarserie „Die entscheidende Front“ wird rundweg abgelehnt. „Begründungen werden natürlich auch gegeben. Wegen „der unmittelbaren Betroffenheit“ müsse das BRD-Fernsehen, „mit Bild und Text anders verfahren, als sich das die Amerikaner leisten können“. Deshalb könne man „die Serie in dieser Form (!) dem bundesdeutschen Publikum nicht vorsetzen“.
In welcher Form sonst, so muss man fragen? Braucht der Bürger in Bonn, Mainz oder München eine besondere, eine „bundesdeutsche“ Wahrheit dieses entscheidenden Kapitels der jüngsten Menschheitsgeschichte? Die hat er natürlich schon. In einer Flut von Biographien über führende Nazibonzen, von Memoiren faschistischer Militärs, von Millionen Landserheften. So blickt mit der ZDF-Entscheidung den Meinungsmanipulatoren in diesem Staat die Angst aus allen Knopflöchern, ein unverfälschtes, wahrheitsgetreues Bild zu zeigen. Mit einem Film, der in den USA ein Millionenpublikum hatte und Aufsehen erregte.
Das 79er Bild des ARD-Alltags mit seinen wuchernden braunen Auswüchsen paßt schlecht zu dem, was die Völker 1945 nach den 50 Millionen Toten des faschistischen Infernos forderten: Nie wieder Faschismus, nicht eher zu ruhen, bis auch der letzte Naziverbrecher vor Gericht gestellt und verurteilt ist. „Die entscheidende Front“ gibt einen überzeugenden Einblick, wie Völkerrecht mit Füßen getreten wurde, mit welcher Grausamkeit die faschistische Kriegsmaschinerie vorging und beweist den entscheidenden Anteil der Sowjetarmee an deren Zerschlagung.
In der BRD, 34 Jahre nach diesem Krieg, gibt es 200.000 ungeschorene Nazikriegsverbrecher und Hunderte SS-Mörder mit hohen Staatspensionen. Ihnen kann man freilich nicht zumuten, dass ihre Verbrechen wahrheitsgetreu den BRD-Bürgern gezeigt werden. Ebensowenig den 122 neonazistischen Organisationen und Gruppierungen, die sich in diesem Staat schon wieder recht selbstsicher und dreist produzieren.
Wie beispielsweise der ehemalige SS-Führer Hans Kroker und sein Kumpan Engelhard. Beide leben als unbescholtene Bürger, Kroker in Kleinbittersdorf, Engelhard ist Rechtsanwalt in Nürnberg. Beide erhoben kürzlich Klage gegen die BRD-Fernsehjournalistin Renate Harpprecht wegen „Beleidigung und Volksverhetzung“. Renate Harpprecht, die als Kind selbst von den Faschisten in das KZ Auschwitz verschleppt worden war, hatte darüber berichtet, wie ihre Angehörigen vergast wurden. Kroker und Engelhard dagegen dürfen offen propagieren: Die „Vergasungsstory“ sei „eine längst durch Geschichtsforscher des Auslands und auch des Inlands widerlegte Greuelmär“.
Nein, die geschichtliche Wahrheit ist bei den Herrschenden in der BRD nicht gefragt. So weit geht die Freiheit in diesem „freiheitlichen Rechtsstaat“ nicht. Oder müßte es nicht vielmehr „Rechts“-Staat heißen.

        Rainer Ruthe
25. Volkswacht
Pressefest 1979

13. Reitturnier in Gera Milbitz
4. Qualifikationsturnier zur DDR-Meisterschaft

Am Sonnabend, 14. Juli und Sonntag 15. Juli, jeweils von 8.00 – 12.00 Uhr und 13.30 – 18.00 Uhr.

Eintrittskarte zum Preis von 1,60 bis 3,60 M sind an den Kassen am Turnierplatz erhältlich. Für Rentner und Kinder ermäßigter Eintritt.

Von Gera (Haltestelle am Interhotel) nach Milbitz und zurück verstärkter Zubringerverkehr der GVB.

Parkplätze sind in unmittelbarer Nähe des Turnierplatzes vorhanden.

Umfangreiche gastronomische Versorgung auf dem Turnierplatz ist gewährleistet.

Für die musikalische Umrahmung sorgt das Stabsmusikkorps der Grenztruppen der DDR unter Leitung von Musikdirektor Oberstleutnant H.-J. Rohland.

Am Start ist die gesamte DDR-Spitzenklasse mit den Nationalmannschaftsreitern in der Dressur und im Springen.

Das Kollektiv vom Terrassencafé Osterstein

 ladet am Freitag, dem 13. Juli 1979
 zum Sommernachtsball
 mit der beliebten Interdisko
 ein.

 Beginn: 18.00 Uhr

Junge Abgeordnete in Aktion

Zum Thema:

Wie sie regieren lernen

Ausdruck unserer sozialistischen Demokratie ist auch, daß sich die Zahl der Abgeordneten in unserer neuen Stadtverordnetenversammlung gegenüber der vergangenen Legislaturperiode um 60 erhöht hat. Immer mehr Werktätige regieren mit. Der Arbeiteranteil in unserer Volksvertretung ist wesentlich gestiegen. Unser Stadtparlament hat sich auch beträchtlich verjüngt. 87 Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren gehören ihm an. Viele von ihnen wurden zum ersten Mal gewählt. Wie machen sie sich mit ihrem neuen Aufgabengebiet vertraut, welche Unterstützung erhalten sie? Eine Unfrage ergab: Wir lernen mitzuregieren, im Interesse unserer Wähler, im Interesse unserer Gesellschaft. Ältere Abgeordnete geben Unterstützung, das Abgeordnetenkabinett beim Rat der Stadt macht mit Gesetzesgrundlagen vertraut, und wir freuen uns auch auf die Konferenz junger Abgeordneter, die die FDJ-Kreisleitung gemeinsam mit dem Rat der Stadt durchführen wird.
Klaus-Dieter Tolle, Volkspolizist
Auch ich bin ein junger Stadtverordneter, zum ersten Mal gewählt. Gut empfinde ich, daß ich gleich in die Abgeordnetentätigkeit einbezogen wurde. Ich meine das so, daß man nicht auf den „Neuling“ herunterschaut. Erfahrene Abgeordnete wie Herbert Frey und Uwe Grahmann geben mir so manchen Tip. Und als wir von der Ständigen Kommission sozialistische Rechtsordnung im Wohnungsbaukombinat Kontrollen durchführten, da war ich schon einer von den „Alten“, denn für Ordnung und Sicherheit, da kann auch ich so manchen Tip geben.
Hans-Joachim Klinger, Bergbaubetrieb Paitzdorf
Ich arbeite in der Ständigen Kommission Bauwesen mit, in der Gruppe Industrie- und Gesellschaftsbau. Wir haben schon ein gutes Arbeitspensum hinter uns. So im Bau- und Montagekombinat und auch im VEB Stadtbau. Hier geht es um Industriekooperation und auch um die Realisierung der Aufgaben im Gesellschaftsbau. Ich als junger Abgeordneter erhalte durch meinen Betrieb alle Unterstützung. Nicht nur, daß mir meine Kollegen und Genossen helfen, ich berichte auch in meinem Kollektiv über meine Abgeordnetentätigkeit. Das ist eine gute Ergänzung für gemeinsames Wirken.

Letzter Dachbinder vorfristig montiert

Der letzte Dachbinder auf dem Kraftwerkshauptgebäude des Gasturbinenwerkes ist montiert. Die Metalleichtbau- und Jugendbrigade Ziller vom BMK, KB Industriebau Gera, hat die Arbeit mit fast vier Wochen Planvorsprung in guter Qualität abschließen können. Die Industriebauer unternehmen alle Anstrengungen, damit noch in diesem Jahr planmäßig mit der Montage der Turbinen begonnen werden kann. Zielstrebig ringt das gesamte Baustellenkollektiv darum, das volkswirtschaftlich wichtige Vorhaben vorfristig an die Energieversorgung zu übergeben. SCH.

Halbjahr mit Planvorsprung

Das Produktionskollektiv des VEB Gebäudewirtschaft konnte das erste Halbjahr 1979 mit einem Planvorsprung mit 2,5 Tagen abrechnen. Das entspricht einer anteiligen Planerfüllung von 53,4 Prozent. Insgesamt steigerte der Betrieb seine Leistung gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent. Die Kollektive haben sich das Ziel gestellt, bis zum 30. Jahrestag der DDR den erreichten Planvorsprung auf 3,5 Tage auszubauen.

Für Verkehrsteilnehmer

Die Arbeitsgruppe Sicherheit im Straßenverkehr Gera-Bieblach führt am Montag, dem 16. Juli, in der „Grünen Mulde“ eine Verkehrsteilnehmerschulung durch.

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18.01.2015
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