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06.09.1975 Die Pioniereisenbahn
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Die Geraer Pioniereisenbahn

Der Tierpark Gera verfügt über eine Parkeisenbahn. Diese wurd im Jahr 1975 als Pioniereisenbahn angelegt und beförderte nach der politischen Wende jährlich etwa 45.000 Tierparkbesucher auf ihrer 800 Meter langen Gleisstrecke durch den Geraer Martinsgrund.

Zur Geschichte der Pioniereisenbahnen

Pioniereisenbahnen waren Eisenbahnen in der DDR oder anderen Ländern des Ostblock, bei denen die Pioniere, also Kinder und Jugendliche in den jeweiligen Jugendorganisationen, als Hobby Dienst leisten durften. Ein großer Teil dieser Bahnen nennt sich heute Parkeisenbahn oder Kindereisenbahn, oft wird der Betrieb auch weiterhin durch Kinder und Jugendliche durchgeführt.

Pioniereisenbahnen sind Park- oder Schmalspurbahnen, die so groß sind, dass die Reisenden wie bei einer „richtigen Eisenbahn“ im Fahrzeug mitfahren können. Sie haben (Modell-)Spurweiten, die nur in Einzelfällen unter 15 Zoll (381 mm) liegen. Sie erreichen in Einzelfällen eine Größe, die einer Industriebahn Feldbahn) oder Schmalspurbahn entspricht.

Der Begriff der Pioniereisenbahn stammt aus der DDR und stand anstelle des Begriffes Parkeisenbahn oder Kindereisenbahn für diejenigen Bahnen, die durch Jugendorganisationen wie eine richtige Eisenbahn betrieben wurden. Der Begriff Pioniereisenbahn anstelle des Begriffes Parkeisenbahn ist eigentlich nur noch im historischen Kontext zu betrachten, ist aber umgangssprachlich nach wie vor geläufig. Die Pioniereisenbahnen der DDR heißen aufgrund ihrer Lage heute alle Parkeisenbahn, in anderen Ländern des Ostblocks liegen sie oft etwas außerhalb und heißen heute oft Kindereisenbahn.

Grundlage für alle Pioniereisenbahnen in der DDR war seit 1980 die Bau- und Betriebsordnung für Pioniereisenbahnen, kurz BOP. Sie „regelt die Entwicklung, Vorbereitung und bauausführung von Neubauten, Erweiterungen und Veränderungen, die Instandsetzung von Bahnanlagen und Fahrzeugen sowie die Durchführung des Betriebsdienstes, Qualifizierung und Dienstausführung der Betriebsangehörigen“. In §45 (5) wird geregelt, wer mitmachen durfte:

„Pioniereisenbahner können Kinder und Jugendliche des 4. bis 12. Schuljahres und Lehrlinge bis zum 18. Lebensjahr werden. Sie müssen tauglich, ausgebildet, geprüft und für ihre Tätigkeit eingewiesen sein. Pioniereisenbahner dürfen nur unter der Kontrolle eines Betriebseisenbahners tätig sein.“ In der DDR und in Ländern des RGW wurden in vielen Städten Parkeisenbahnen von den Mitgliedern der Pionierorganisation betrieben und trugen deshalb den Namen Pioniereisenbahn (wie in Dresden oder Berlin). Diese wurden von Kindern und Jugendlichen (unter der Aufsicht Erwachsener) betrieben und dienten deren Heranführung an eine spätere Berufswahl bei der Bahn. Auch in anderen Staaten Osteuropas waren solche Pioniereisenbahnen anzutreffen. Seit der Wiedervereinigung verkehren sie unter der Bezeichnung Parkeisenbahn.

Bei der Pioniereisenbahn gab es zwei Ausbildungsstufen: Die Grundausbildung für Schüler bis zum 7. Schuljahr, sowie ab der 8. Klasse die sogenannte Komplexausbildung. Nach der Grundausbildung durfte man als Zugschaffner, Aufsicht, Schrankenwärter sowie am Ein- und Ausgang und am Fahrkartenschalter arbeiten. Nach der Komplexausbildung kam die Befähigung für die Dienstposten Fahrdienstleiter, Blockwärter und Zugführer hinzu. Ab der 9. Klasse konnten interessierte Schüler in der Technischen AG die Qualifikation zum Beimann erwerben. Die Uniformen waren die gleichen wie bei der Deutschen Reichsbahn, jedoch mit Abweichungen. Pioniere trugen das Pionierhalstuch und ein Käppi im Dienst und FDJler trugen Schlips und Mütze. Außerdem standen für die jüngeren Pioniereisenbahner kurze Hosen zu Verfügung. Ein „P“ auf den Schulterklappen stellte den Unterschied zum Eisenbahner der DR her. Für jeweils zwei Dienstjahre gab es einen Streifen für die Schulterklappen. Außerdem wurden Anwesenheitshefte geführt, die den Eltern nach jedem Arbeitstag bei der Pioniereisenbahn und den Klassenlehrern monatlich zur Unterschrift vorzulegen waren. Vor dem Beginn der Tätigkeit waren die Erlaubnis der Eltern und die Genehmigung der Schule erforderlich. Viele Schüler aus den älteren Jahrgängen wurden vom Berufsberatungskabinett (BKK) der Deutschen Reichsbahn zur Parkeisenbahn vermittelt, wenn nicht delegiert. Nicht wenige Pioniereisenbahner wählten einen Beruf bei der Eisenbahn oder auch bei den Verkehrsbetrieben.

In den Sommerferien erhielten Pioniere 10,00 und FDJler 30,00 Mark der DDR für jede Woche. In den Wintermonaten stand die Aus- und Weiterbildung im Vordergrund.
2. Pioniereisenbahnen der DDR

1950 wurde in Dresden mit einfachen Mitteln eine Kindereisenbahn eröffnet, die ursprünglich nur für ein Jahr geplant war. 1951 wurde die Bahn als erste Pioniereisenbahn beibehalten, die Strecke wurde erweitert. 11 weitere Bahnen folgten. Die Strecken sind - mit Außnahme eines Abschnittes in Dresden - alle Eingleisig und verlaufen oft im Kreis oder haben - bei der Eisenbahn sonst untypische - Wendeschleifen. Das längste Streckennetz besitzt heute die Berliner Parkeisenbahn.

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18.01.2015
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