Rolle oben
1405 Die erkaufte Freiheit
<<< zurück zur Chronik

Vor der Stadtmauer

Zschochern und die Sorge in der Talerweiterung des alten Leumnitzer Baches lag als slawische Randsiedlung vor der Stadtmauer und bildeten mit den beiden standortgebundenen Mühlen, der Klotzmühle und der Angermühle, und der öffentlichen Baderei am Mühlgraben westlich der Geraer Stadtmauer die Vorstadt. Ihre Bewohner waren damit keine sogenannten "Vollbürger" und mussten sich zu dieser Zeit die Freiheit vom herrschaftlichen Zoll erst erkaufen.
Früher wurde der ganze Grund bis oberhalb von Leumnitz als "die Zschocherau" bezeichnet. Die "Zschoche", eine ehemalige Teichstätte östlich von Leumnitz war noch im Jahr 1534 Vorwerk, eine Schäferei, der Geraer Familie von Etzdorf auf Leumnitz und Laasen.
Zschochern ist vermutlich wesentlich älter als Gera und hat auch nach der "Einverleibung" in die Stadt noch längere Zeit eine besondere Selbstständigkeit besessen und auch namentlich einen eigenen Bürgermeister und einen Gemeindevotstand gehabt. Im Jahr 1639 standen schon 60 Häuser in Zschochern und in den Nebengassen. Gera hatte zur Gründungszeit eine Ausdehnung innerhalb der Stadtmauern von etwa 230 mal 240 Metern.
Eine platzartige Erweiterung in der Mitte der Zschochernstraße zwischen der Webergasse und der ehemaligen Einmündung der Töpfergasse, wurde ab dem Jahr 1811 nur "der Platz" genannt. Eine bis in die Neuzeit überlieferte Sage erinnert noch an die sogenannten "Pestzeichen" im 17. Jahrhundert. :

"Es kamen aus Rohpeters Haus in Zschochern drei Männer heraus und brachten die Pest nach Gera. Die Pest aber wütete so lange bis man Rohpeter zwingen konnte, sie für Geld wieder in sein Haus zurückbannen zu lassen. Vor einem Fenster neben der Tür wurden sie dann eingemauert. Aus dem betreffenden Fenster aber hat hernach niemand mehr heraussehen dürfen. Als das Haus später weggerissen wurde und das jetzige an die Stelle kam, war man sehr ängstlich wegen der Pest. Sie wurde von neuem, diesmal aber beim Pechhof, am Verbindungsweg zwischen Steinstraße und Ferberturm in der Nähe des alten Schreberheims, tief hinein in die Erde vergraben, wo sie noch liegt. Es war ein Pflock mit einem halb zusammengeschlagenen Lappen. (es galt zu dieser Zeit als alter Volksbrauch eine Krankheit zu Verpflocken oder zu Verbohren.)
Den Schutt von Rohpeters Haus fuhr man in den "Kratzschen Steinbruch" bei der Hempelsruh, ein 1823 vom Geraer Seilermeister an der Nordseite des Geierberges angelegtes Haus nebst Garten, was nach 1851 das Privatkrankenhaus von einem Doktor Meinhardt war."
 
Die Sorge, die Zschochern- und die Altenburgerstraße stellten als Ausfallstraßen die wichtigsten Verbindungen des Stadtinneren mit dem östlichen Stadtteil und Leumnitz dar, deren Bedeutung mit dem Wachstum Geras und insbesondere des Ostviertels ständig zunahm. Ein zwischen Sorge und der Webergasse gelegener älterer Häuserblock behinderte den Verkehr in so hohen Maße, dass eine Umleitung nördlich und südlich um den Häuserblock herum erforderlich wurde. Die Wege führten durch die schmale Zschochernstraße und die noch engere Brunnengasse.
Noch vor dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) erwarb die Stadt Gera deshalb die an der Nordseite der Brunnengasse gelegenen Häuser und ließ diese dann abbrechen. Die Stadt entwickelte danach Pläne zum Abbruch des sogenannten Zschochernblocks und die platzartige Erweiterung der vorderen Zschochernstraße. Eine Baufluchtlinie der Südseite der Brunnengasse war nach Norden verlegt worden. Während des Ersten Weltkriegs wurde jedoch nur der Neubau des Hauses Steinweg 28 / Ecke Zschochern, die damalige Fleischerei Scheube realisiert. Erst 1938 wurde dann der Zschochernblock abgerissen und die Südseite der vorderen Zschochernstraße entsprechend der Pläne von vor 1914 vollendet. Damit entstand eine für die damalige Zeit wichtige verkehrstechnische Verbindung des Stadtkern mit den östlichen Stadtteilen und Leumnitz.

In den Jahren 1985/86 wurde auf der Nordseite der oberen Zschochernstraße einige Häuser im Rahmen der innerstädtischen Rekonstruktion durch modifizierte Bauten der DDR-typischen Plattenbauweise ersetzt und die Zschochernstraße zur verkehrsberuhigten Zone umgestaltet. Ein bei diesem Arbeiten wiederentdeckter Hausbrunnen fügte man harmonisch in die Gesamtgestaltung ein.

<<< zurück zur Chronik
Rolle unten
Tintenglas mit Feder
 
 
18.01.2015
77 neue Artikel