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25.02.1832 Wilhelm Weber geboren
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Wilhelm Weber I und Wilhelm Weber II

Gera hatte in seiner Vergangenheit zwei Mal einen Oberbürgermeister mit dem Namen Wilhelm Weber. Und das in zwei verschiedenen Jahrhunderten.
Wilhelm Weber I wurde am 15. September 1865 Oberbürgermeister der Stadt und Wilhelm Weber II am 30. Dezember 1958.
( Die Bezeichnung I und II trugen die beiden Oberbürgermeister natürlich nicht, weil sie ja nicht wie die beiden Radsportler mit dem gemeinsamen Namen Lothar Meister ( I und II ) zur gleichen Zeit gelebt hatten. Im Gegensatz zu den Radsportlern war bei ihnen keine Verwechslung möglich.)
Oberbürgermeister Wilhelm Weber, der aus dem 19. Jahrhundert, war in Berlin geboren und war der Sohn eines Sattlermeisters. Durch den glücklichen Umstand der Vermittlung von Verwandten und Bekannten erhielt er einen gebührenfreien Studienplatz an der juristischen Fakultät der Universität in Berlin.
Nach Ablegung des letzten Staatsexamens erhielt er im Jahr 1859 eine unbesoldete Anstellung als Assessor am Königlichen Stadtgericht in Berlin.
Seinen Lebensunterhalt sicherte er sich, wie in seiner Referendarzeit schon, durch die Vertretung mit ihm befreundeter Rechtsanwälte.
Im Jahr 1865 bewarb Weber sich um die öffentlich ausgeschriebene Stelle des Geraer Oberbürgermeisters. Er wurde in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung am 15. September 1865 mit 27 zu 2 Stimmen auf die Zeit von sechs Jahren zum Stadtoberhaupt gewählt. Am 6. November 1865 wurde Wilhelm Weber in sein Amt eingeführt und war somit im Alter von 33 Jahren der jüngste Geraer Oberbürgermeister der Stadtgeschichte.
Vom 18. Juni 1866 bis 1871 war er zusätzlich auch Mitglied des Landtages des Fürstentums Reuß jüngere Linie.
Wilhelm Weber förderte während seiner Amtszeit die kommunalpolitische und wirtschaftliche Entwicklung der aufstrebenden Industriestadt nach besten Kräften. Im Oktober des Jahres 1867 stellte er dem Verband deutscher Arbeitervereine für dessen IV. Vereinstag den Geraer Rathaussaal zu freien Verfügung und begrüßte die Delegierten der Vereine offiziell im Namen der Stadt.
Erstmals in der Geschichte der Vereintage hatte eine städtische Behörde dafür entsprechende großzügige Räume zu Verfügung gestellt. Der damals noch einfache und weitgehend unbekannte Drechslergeselle August Bebel wurde auf dem Vereinstag in Gera zum Verbandspräsidenten gewählt.
Obwohl nach Ablauf seiner ersten Amtszeit einstimmig wiedergewählt, ergriff Weber im Jahr 1872 die für ihn außerordentliche Gelegenheit, als Syndikus in das Bankhaus "Bleichröder" in seiner Heimatstadt Berlin einzutreten. Gerson Bleichröder zählte zu dieser Zeit zu den reichsten Männern in Deutschland und spielte als Bankier und Berater von Otto von Bismarck (1815-1898) auch eine gewichtige politische Rolle.
Wilhelm Weber erwarb sich ziemlich zeitnah das Vertrauen Gerson Bleichröders und war dann als Hauptjurist des Bankhauses an zahlreichen internationalen Verhandlungen direkt beteiligt. Sein Jahreseinkommen vervielfachte sich durch seine Tätigkeit natürlich, und die ihm zugänglichen Börseninformationen, man sagte später "Insiderinformationen", ( die nach wie vor nicht gehandelt werden dürfen), nutze er zur enormen Vermehrung seines privaten Vermögens.
Dieser eigentliche Handwerkersohn, als dieser war er geboren und damit war auch sein Lebensweg zu dieser Zeit eigentlich vorgegeben, stieg in die Reihen des Großbürgertums auf und verstarb als angesehener Millionär in Berlin-Steglitz in seiner Villa auf dem Fichtenberg am 18. Oktober 1899.

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18.01.2015
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