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1880 Ein Geraer Original
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Der erste Kastellan vom Geraer Ferberturm war ein echtes Geraer Original. Johann Gottlieb Krieg (1818-1894) hatte einen langen wallenden Vollbart und stets eine große Tabakspfeife mit Porzellankopf bei sich.
Um 1880 richtete der Landwirtschaftliche Verein eine eigene Wetterstation auf dem gut 300 Meter hoch gelegenen Ferberturm ein, welcher als höchster Geraer Einmesspunkt gilt. Etwa 40 der umliegenden Orte konnten im Sommer jeden Abend die Witterung des nächsten Tages mit ziemlicher Sicherheit von den großen Fahnenstangen auf dem Turm ablesen.
Die Wetterprognosen erhielt der Wirt durch eine Depesche der meteorologischen Station in Leipzig. Mittels zweier rot und weiß angestrichener Körbe wurde der Inhalt des Telegramms aus Leipzig an den Fahnenstangen gut sichtbar dargestellt. Zwei hoch gezogene Körbe bedeuteten gutes Wetter, ein hoch gezogener Korb zeigte veränderliches Wetter. Bei voraussichtlich schlechter Witterung blieben die Körbe beide unten. Die Wetterprognosen waren damals jedoch noch sehr unzuverlässig und die Gäste gaben dann dem Ferberturmwirt die Schuld am Wetter. Der Ferberturmwirt und Kastellan war ein städtischer Beamter, welcher einmal in der Geraer Zeitung für sein "Tun" gemahnt wurde mit den Worten.

"Guttlieb, zieh de Kerwe huch,
morgen hamm m`r Wäsche!
Ziehste nich de Kerwe huch,
da krichste deine Dräsche!"

Wir Geraer können alles, außer Hochdeutsch! Aber wir versuchen es einmal!

"Gottlieb zieh die Körbe hoch,
morgen haben wir Wäsche,
Ziehst du nicht die Körbe hoch,
da kriegst du deine Dresche!"

Recherchiert von Siegfried Mues, Historiker, aus seinem Buch "Straßennamen der Stadt Gera von A bis Z Ihre Geschichte und Geschichten" aus dem Verlag Dr. Frank GmbH

textlich überarbeitet von Mike Strunkowski für die "Gera-Chronik"

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Tintenglas mit Feder
 
 
18.01.2015
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