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980 Der spätere Kaiser Otto III. kommt zur Welt
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Zum Leben des Kaisers Otto III.

Im Sommer 980 erblickte der spätere Kaiser Otto III. das Licht der Welt. Der Vater war Otto II. und seine Mutter Theophanu, eine byzantinische Prinzessin, die Nichte des Kaisers Johannes I. Tzimiskes. Otto war gerade einmal 2 Jahre alt, als sein Vater Otto II. bei Cotrone in Süditalien den Byzantinern und Sarazenen unterlag. Sei Plan, Unteritalien in das Imperium einzubeziehen, scheiterte damit endgültig.
Im Jahr 983 verstarb Otto II. und Otto, der kommende Kaiser war Halbwaise. Kaiserin Theophanu übernahm die Vormundschaft über den 3-Jährigen König Otto III., welcher zu diesem Zeitpunkt noch unmündig war. Theophanu konnte sich als Regentin gegen Heinrich den Zänker, der sich 984 zum deutschen König wählen und Otto entführen lies, durchsetzen. Die selbstbewusste Frau wahrte die Thronrechte ihres Sohnes Otto und zeichnete in den Diplomen sogar als Kaiserin. Die inneren Schwierigkeiten nach dem Tod von Otto II. führten zu einer vorübergehenden Schwächung des Reiches, die sich unter anderem im Verlust der ostelbischen Gebiete nach einem Slawenaufstand zeigte.
Otto hatte drei Schwestern, die mit Namen Sophie, Mathilde und Adelheid hießen.
Auf einer Reichsversammlung im norditalienischen Verona wurde der dreijährige Otto im Mai 983 von den Fürsten des deutschen und italienischen Reichteils zum König gewählt. Noch bevor er aber am Weihnachtstag 983 in Aachen gemeinsam von den Erzbischöfen Willigis von Mainz und Johannes von Ravenna zum König gekrönt wurde, starb sein Vater in Rom am 7. Dezember 983. Die Nachricht vom Tod Ottos II. erreichte im Dezember die in Aachen versammelten Großen des Reiches. Daraufhin übergab Erzbischof Warin von Köln, in dessen Obhut Otto sich befand, das Kind samt der Krönungsinsignien dem abgesetzten Bayernherzog Heinrich II. , dem Zänker, welcher von 951 bis 995 lebte. Dieser Heinrich II. war durch seinen Vater Heinrich einem Bruder von Otto I., ein direkter Verwandter (Vetter) des verstorbenen Kaisers Otto II.. Daher beanspruchte er als dessen nächster männlicher Verwandter die Regentschaft für den noch minderjährigen Otto III.. Da es zu diesem Zeitpunkt noch keine festen Grundsätze für eine Regentschaft gab (erst ab 1356 mit einer Goldenen Bulle, einem Gesetzblatt) fühlte sich Heinrich II. gegenüber der Kaiserin Theophanu im Recht. Er lies sich am Palmsonntag, dem 16. März 984, in Quedlinburg zum „Gegen“ König wählen. Aber, ein Teil seiner Anhänger versagte ihm bei diesem letzten Schritt zur Macht die Gefolgschaft.
Unter der Führung des sächsischen Herzogs Bernhard versammelten sich die Gegner Heinrichs II. auf der Asselburg. Unterstützt wurden sie vom Mainzer Erzbischof Willigis. Dieser rettete schließlich das Königtum Ottos III. und rief Ottos Mutter, Kaiserin Theophanu und Ottos Großmutter Adelheid aus Pavia herbei.
Heinrich II. unterwarf sich, da er nun auch militärisch unter Druck geraten war, am 29. junl 984 in Rohr bei Meiningen und übergab den entführten Königsknaben an die Mutter Theophanu.
Sie übernahm daraufhin die Regentschaft für ihren Sohn, während Adelheid von Pavia aus die Reichsrechte im italienischen Regnum zu wahren suchte.
Nachdem Heinrich im Juni 985 das Herzogtum Bayern erhalten hatte und so ein friedlicher Ausgleich gefunden war, gestaltete sich der Hoftag zu Quedlinburg zum Osterfest 986 zu einer glanzvollen Bestätigung des Königtums von Otto III.. Bei einem Krönungsmahl dienten die Herzöge von Bayern, Schwaben, Kärnten und Sachsen dem König, wie auch schon beim Krönungsmahl von Otto I. 936, als Truchsess, Kämmerer, Mundschenk und Marschall.
Mit mehreren Reisen von Sachen aus in den Westen, wie nach Nimwegen in den Jahren 985, 987 und 991, und Süden, wie nach Rom in den Jahren 989 und 990, des Reiches, gelang es Theophanu, der Ottonendynastie durch herrische Präsenz die Macht zu erhalten.
Nach Theophanus Tod, am 15. Juni 991 übernahm die damals schon über sechzigjährige Kaiserin Adelheid die Regierungsgeschäfte für ihren Enkel, der im Juli 994 vierzehnjährig die Mündigkeit erreichte und selbstverantwortlich zu regieren begann. Bis zu diesem Zeitpunkt trat der Königsknabe in der Politikgestaltung völlig hinter die beherrschenden Gestalten der beiden Frauen, Mutter und Großmutter, zurück. Zwar wurden die Königsurkunden dieser Jahre im Namen Ottos III. ausgestellt, weil auch der minderjährige König de jure regierungsfähig war, aber die politischen Entscheidungen trafen die Regentinnen und ihre Ratgeber, als die namentlich Erzbischof Willigis und Bischof Hildebold von Worms, sowie, unter Adelheid, auch Erzbischof Giselher von Magdeburg fungierten. Otto III. unterfertigte selbst die Urkunden mit dem Vollziehungsstrich, was die kindlich ungeschickt gezogene Linie im Monogramm einer der wenigen erhalten gebliebenen Originalurkunden anschaulich illustriert. Die wegen der Minderjährigkeit notwendig gewordene Teilung der Verantwortung begünstigte das Machtstreben der Großen und förderte auch im engeren Kreis um den Königsknaben keineswegs nur Einmütigkeit. Schon zwischen seinen Erziehern waren Spannungen zu beobachten. Zu ihnen gehörten der sächsische Graf Hoico, er war ein sächsischer Grafensohn und späterer Bischof von Hildesheim, Bernward, der spätere Kanzler unter Otto III. und der Erzbischof von Köln, Heribert. Als wahrscheinlich gilt auch, dass der Grieche Johannes Philagathos zu seinen Erziehern gehörte.
Noch vor dem Antritt des schon 994 beschlossenem Romzuges zum Papst Johannes XV. zur Kaiserkrönung, wandte sich der König im Winter 994 / 995 und im Herbst 995 gegen die Elbslawen. Damit setzte er die seit 983, als ein großer Slawenaufstand das Missionswerk Ottos I. östlich der Elbe zum Einsturz gebracht hatte, nahezu jährlich mit wenig Erfolg durchgeführten Kriegszüge fort. Schon als Kind hatte er an ihnen teilgenommen.
Im Frühjahr 996 zog Otto III. über die Alpen, zu Hilfe gerufen von Papst Johannes XV., den der römische Stadtherr Crescentius aus Rom verjagt hatte. In Pavia erreichte den König die Nachricht vom Tod des Papstes Johannes XV. Für die Neubesetzung eines Reichsbistums bestimmte Otto III. ein Mitglied seiner Hofkapelle zum Nachfolger, seinen Vetter Bruno von Kärnten (Der erste deutsche Papst mit dem Namen Gregor V.)
Wie sein Vater Otto II., der zunächst Abt Maiolus von Cluny als Papst in die Apostelstadt hatte führen wollen, dann aber Bischof Petrus von Pavia als Johannes XIV. zum Papst erhob, setzte auch Otto III. einen Nicht-Römer als Stellvertreter Gottes auf Erden ein.
Otto III. wurde von Papst Gregor V. am 21. Mai 996 im Alter von noch nicht einmal 16 Jahren in Sankt Peter, dem alten Petersdom, zum Kaiser gekrönt. Er führte den Titel „Imperator Romanum“ (Herrscher Roms), den schon sein Vater Otto II. gebraucht hatte und der nun üblich wurde.
Crescentius II. entging auf Bitten des neuen Papstes der drohenden Verbannung. Unwahrscheinlich ist, dass es zwischen Gregor V. und Otto III. zum Konflikt wegen der von der römischen Kirche beanspruchten Gebiete des Exarchates von Ravenna kam. Schon für Otto I. war die Erfüllung des 962 in Ottonianum gegebenen Restitutionsversprechens keineswegs gleichbedeutend gewesen mit der Übergabe geschlossener Hoheitsgebiete an den Papst. Im Wissen um die hervorragende Bedeutung Ravennas wich Otto III. von der Politik seiner Vorgänger nicht ab. Der Romaufenthalt brachte ihn mit einer Reihe wichtiger, zukünftig für ihn bedeutender Männer in Kontakt. Besonders tiefen Eindruck hinterließ die asketische Religiosität des Prager Bischofs Adalbert Vojtech, der sein Bistum verlassen und als Mönch im römischen Aventinkloster SS. Bonifacio e Alessio Aufnahme gefunden hatte. Auf seiner Missionsreise zu den heidnischen Prussen erlitt Adalbert am 27. April 997 das Martyrium und wurde von Otto III. rasch als Heiliger verehrt. Auch der bedeutenste Gelehrte der Zeit und damals umstrittene Erzbischof von Reims, Gerbert von Aurillac, trat in Rom erstmals in den Umkreis von Otto III., welcher ihn dann 996 bat, sein Lehrer und politischer Ratgeber zu werden. Unsicher ist, seit wann der Kapellan Leo, ab 998 Bischof von Vercelli, zu den Beratern des Kaisers gehörte.
Bald nach der Rückreise von Otto III. im Juli 996 vertrieb Crescentius II. Papst Gregor V. aus Rom und erhob den von einer Gesandtschaftsreise nach Byzanz zurückgekehrten Johannes Philagathos im Februar 997 zum Gegenpapst Johannes XVI. Bevor sich Otto III. im Dezember 997 erneut nach Rom wandte, zog er im Sommer 997 wieder gegen die Elbslawen. Mit der maßgeblichen Unterstützung des Markgrafen Ekkehard I. von Meißen und des Grafen Berthold wurde die römische Rebellion im April 998 niedergeschlagen, Crescentius II. getötet und Johannes XVI. grausam misshandelt, was als Ausdruck von in Rom noch geltendem byzantinischem Recht gedeutet wurde.
Statt in der karolingischen Pfalz bei Sankt Peter residierte Otto III. in den alten Kaiserpalästen auf dem Palatin, nicht weit entfernt von der Papstresidenz im Lateran. Die Ernennung des Sachsen Ziazo zum kaiserlichen oder auch päpstlichen Patricius und die versuchte Einbindung römischer Familien in die neue kaiserliche und päpstliche Verwaltung sollte den Einfluss der Crescentier zurückdrängen. Neben dieser Festigung der kaiserlichen Position sind Ansätze zu einer von Odilo von Cluny betriebene Klosterreform in Rom sowie zur Reform des Papsttums erkennbar. Dem Ziel der Wiederherstellung entfremdeten Kirchengutes diente einer Synode in Pavia am 20. September 998. Auffälligerweise betonten gerade jene Kaiserurkunden die Herrscherpflicht zur Sicherung des Kirchenbesitzes, auf deren Formulierung Gerbert von Aurillac Einfluss nahm. Er hatte während seiner Zeit als Abt von Bobbio 982 und 983 mit dem Problem der durch Besitzentfremdung bedingten unzureichenden materiellen Absicherung des Klosterlebens gekämpft. Der Vorwurf, das Kirchengut verschleudert zu haben, traf besonders die römischen Adelspäpste des 10. jahrhunderts und ihre Begünstigung der Crescentier, die das Papsttum von sich abhängig gemacht hatte und damit kompromittierten. Gerbert hatte diese Kritik schon während des „Reimser Bistumsstreit“ im Jahr 991 formuliert und teilte sie mit dem einflussreichen Cluniazenser Abbo von Fleury und dem römischen Abt Leo von SS. Binifacio e Alessio. Sie alle standen schon vor dem zweiten Italienzug von Otto III. mit dem Kaiserhof in Verbindung, und insbesondere Gerbert von Aurillac und Leo dürften die Maßnahmen des Kaisers in Rom stark beeinflusst haben. Seit Gerbert von Aurillac als deutscher Papst Silvester II. 999 die Nachfolge von Papst Gregor V. angetreten hatte, zeigte sich das Konzept einer engen Zusammenarbeit zwischen höchster weltlicher und höchster geistlicher Gewalt besonders deutlich. für Kaiser und Papst verlor die „Konstantinische Schenkung“, welche sich später als Fälschung herausstellte, wegen der vorangegangenen päpstlichen Misswirtschaft ihre Gültigkeit, weshalb Otto III. in einer weitgehend Silvester II. formulierten Urkunde die Gebiete im Exarchat von Ravenna der römischen Kirche aus eigener Machtvollkommenheit schenkte, ohne ihren auf die „Konstantinische Schenkung“ und das Ottonianum gegründeten Anspruch anzuerkennen. Zu dieser Zeit rückten auch die noch kaum christianisierten Länder Osteuropas näher an das Imperiums und die römische Kirche.
Als „Servus Jesu Christi“ pilgerte Otto III. im Februar 1000 an das Grab des heiligen Adalbert nach Gnesen. In Anwesenheit eines päpstlichen Legaten wurde die Stadt zum Erzbistum erhoben und damit die selbstständige Kirchenorganisation Polens begründet. Bei dieser Gelegenheit von Otto III. wahrscheinlich zum König gekrönt, aber in Ermangelung eines unumstrittenen Koronators noch nicht durch kirchliche Weihe legimitiert, wurde der polnische Herzog Boleslaw I. Chrobry „Cooperator Imperii“ und „Socius et Amicus“ des römischen Volkes genannt. Das neue Verhältnis zu Polen zeigte sich in der nun gemeinsam geplanten Christianisierung der Elbslawen.
Wie Otto I. sah sich auch Otto III. unverändert als Träger der Missionsaufgabe. Die Rückkehr aus Gnesen führte Otto III. nach Aachen, wo er das vergessene Grab Karls des Großen (747-814) suchen und öffnen lies. Seine schon früher greifbare, ausgeprägte Karlsverehrung gipfelte in der Entnahme eines goldenen Halskreuzes und einiger Gewandreste aus dem Grab. Für die Graböffnung gibt es in der antiken Literatur überlieferte Verhaltensmuster, fraglich aber ist, ob Otto III. bewusst an sie anknüpfte oder ob sei Verhalten nicht eher vom Vorbild der Reliquienentnahme aus Heiligengräbern bestimmt war.
Seit August 1000 erneut in Rom, wurde Otto III. und Silvester II. bereits im Februar 1001 durch einen Aufstand vertrieben.
Die verschiedenen Maßnahmen gegen die römische Führungsschicht und ihre bisher bestimmenden Einfluss auf das Papsttum hatten sich zu einem massiven Eingriff in das traditionelle Machtgefüge Roms gebündelt und den Widerstand der Machtteile hervorgerufen. In einer Rede, welche die erst im 12. Jahrhundert geschriebene Fassung der Vita Bernwardi überliefert, soll Otto III. den Römern ihren Undank vorgeworfen haben. Kaiser und Papst beschlossen auf einer Synode in Ravenna im April 1001 die Verselbstständigung der Kirchenorganisation Ungarns durch die Erhebung Grans zum Erzbistum. Gleichzeitig begründete Otto III. durch Übersendung einer Krone an den Arpaden Stephan I., den Heiligen, das ungarische Königtum. Zur Unterstutzung eines Feldzuges gegen das rebellische Rom entsandten von Otto III. besonders begünstigte Reichsbischöfe ein starkes militärisches Kontingent, vor dessen Ankunft der Kaiser jedoch am 24. Januar 1002 Patero nicht weit von Rom wohl an der Malaria starb.
Die historische Wertung Ottos III. wird durch die Tatsache erschwert, dass die wichtigsten erzählenden Quellen seine kurze Regierungszeit nur retrospektiv und unter dem Eindruck der Polenkriege Heinrichs II. von 1002-1004 schildern. Die Formulierung „Renovatio Imperii Romanorum“ auf dem von Otto III. seit 998 verwendeten Bleispiegel aufnehmend, spricht die moderne Forschung von der „Renovatio-Politik“ des Kaisers und unterstellt ihm mit dem „Römischen Erneuerungsgedanken“ ein visionäres politisches Programm mit dem Ziel, nach antiken Vorbild den Schwerpunkt des Reiches in den Süden verlagern und Rom zu seiner Hauptstadt zu machen. Diese „Vernachlässigung“ sowie neu eingeführte römisch-byzantinische Bräuche sollen in den deutschen Reichsteilen Opposition geweckt haben.
Indessen sind Korrekturen am gängigem Bild anzubringen. Zunächst ist ein deutsches Zusammengehörigkeitsbewusstsein als Voraussetzung für ein politisch relevant werdendes Gefühl der Zurücksetzung im 10 Jahrhundert nicht nachweisbar. der nur für Sachsen belegte Widerstand beschränkte sich auf eine kleine traditionell ottonenfeindliche Adelsgruppe , die wegen Interessenüberschneidung im sächsischen Raum auch dem Aufstieg des bei Otto III. hochangesehenen Markgraf Ekkehard von Meißen ablehnend gegenüberstand. Umstritten ist, ob die Erhebung Gnesens Magdeburger Ansprüche in Polen verletzte. Erzbischof Giselher von Magdeburg dürfte weniger deshalb mit dem Kaiser in Konflikt geraten sein als vielmehr wegen seiner früheren Translation vom gleichzeitig aufgelösten Bistum Merseburg auf dem Magdeburger Stuhl. Zwar eskalierte der Streit zwischen Mainz und Hildesheim um das Kloster Gandersheim zum Streit über die Metropolitanrechte des Erzbischofs Willigis, entfremdete diesen aber nicht von Otto III., wie die Entsendung eines starken Mainzer Kontingents zur Unterstützung des kaiserlichen Feldzuges gegen Rom Anfang 1002 zeigt.

Das wir heute so genau über diese Zeit berichten können, haben wir dem Historiker Dietmar von Merseburg zu verdanken, welcher im 10. Jahrhundert die Geschehnisse als Zeitzeuge aufgezeichnet hatte.

Mike Strunkowski, für die Gera-Chronik 2007 

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18.01.2015
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