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1419 Die Hussitenkriege wüteten in Europa
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Jan Hus und die Hussitenkriege

Wer war Jan Hus

Jan Hus, auch Johannes Hus, nach seinem Geburtsort Husinec, Huss genannt wurde um 1369/70 in Husinec, Kreis Prachalitz im Böhmerwald geboren. Er starb am 6. Juli 1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen. Er war ein christlicher Reformator und Märtyrer. Außerdem war er Priester und eine zeitlang Rektor der Universität in Prag. Sein Geburtshaus beherbergt heute ein Museum und eine Gedenkstätte. Aller Wahrscheinlichkeit nach war sein Vater ein Bauer. Die nach Jan Hus benannte Bewegung der Hussiten ging zum Teil auf sein Wirken zurück.

Leben, Wirken und sein Bildungsweg

Jan Hus besuchte die Lateinschule in Prachalitz und studierte ab 1386 in Prag. Nach dem Studium an der Prager Karlsuniversität (benannt nach Karl IV. 1316-1378) erhielt er 1386 den akademischen Grad des Magister Artium. Die Studentenjahre verliefen bei Hus zunächst wie die seiner Kommilitonen auch. Wein, Radau und Mädchen waren interessanter als das Studium an der Universität. Doch irgendwann hatte Jan Hus ein Erlebnis, welches ihn von den höheren Werten des Leben überzeugte. Seine Gelehrtenkarriere nahm von da an einen sehr zielstrebigen Verlauf.
Durch Hieronymus von Prag wurde er 1398 mit den Lehren des Oxforder Theologen John Wyclif vertraut, welche er mit Begeisterung aufnahm.
Tschechische Adlige, die seit der Vermählung der Schwester des Königs Wenzel (Karl IV. wurde in Prag am 14.Mai 1316 unter dem Namen Wenzel geboren) Anne von Böhmen mit Richard II. von England (1382) an der Universität Oxford studierten, brachten von dort Wyclifs Schriften mit nach Prag, zuerst die philosophischen, später auch die theologischen und die kirchenpolitischen. Wyclif forderte auf grund der sittlichen Verfallserscheinungen des Klerus in England die Abkehr der Kirche von Besitz und weltlicher Macht.
Jan Hus begann Theologie zu studieren und wurde im Jahr 1400 zum Priester geweiht. 1401 wurde er zum Dekan der philosophischen Fakultät ernannt. 1402 wurde er Professor und übte das Amt des Rektors der Prager Universität von 1409 bis 1410 aus. Dort lehrte er Theologie und Philosophie.

Seine Wirkung als Priester und Prediger

Ab dem Jahr 1402 predigte er in tschechischer Sprache in der in der Prager Altstadt befindlichen "Bethlehemskapelle" (1391 gestiftet) und führte das gemeinsame Singen während der Gottesdienste ein.
Jan Hus, der zunächst unter Erzbischof Sbinko von Hasenburg großes Ansehen genoss, wurde von diesem mehrfach zum Synodalprediger bestimmt. Er wurde zudem der Beichtvater der Königin Sophie.
Auch predigte Jan Hus eine strenge tugendhafte Lebensweise und eiferte gegen Zeitgeist und Mode, so dass er gelegentlich auch das Volk, speziell die Schuster, Hutmacher, Goldschmiede, Weinhändler und Wirte gegen sich aufbrachte.
Beeinflusst durch die Lehren Wyclifs kritisierte er den weltlichen Besitz der Kirche, die Habsucht des Klerus und dessen lasterhaftes Leben. Dabei soll er häufig den unwürdigsten Vertreter des Klerus als Beispiel herangezogen haben. Er kämpfte leidenschaftlich für eine Reform der verweltlichten Kirche, trat für die Gewissensfreiheit ein und sah in der Bibel die einzige Autorität in Glaubensfragen. Deshalb erkannte er das Unfehlbarkeitspostulat des Papstes nicht an. Von John Wyclif übernahm Jan Hus die Lehre der Prädestination und setzte sich für die Landessprache als Gottesdienstsprache ein.
1408 erfuhr der Prager Erzbischof von den Predigten des Jan Hus und enthob ihn darauf hin seiner Stellung als Synodalprediger. Das Lesen der Messe und das Predigen wurden ihm verboten. Er hielt sich aber nicht an diese Verbote, predigte weiter gegen Päpste und Bischöfe und brachte in kurzer Zeit den größten Teil Böhmens auf seine Seite.
Um den Reformationsbestrebungen Herr zu werden, unterwarf sich der Prager Erzbischof dem Papst Alexander V. einem der damaligen drei Gegenpäpste, und erwirkte von ihm eine Bulle, welche die Auslieferung der Schriften von John Wyclif und den Widerruf seiner Lehren forderte. Außerdem sollte das Predigen außerhalb der Kirchen verboten werden. Nachdem am 9. März 1410 diese Bulle veröffentlicht wurde, lies der Erzbischof über 200 Handschriften von John Wyclif öffentlich verbrennen und verklagte Jan Hus in Rom.
Jan Hus, der sich dort erfolglos durch Abgesandte vertreten lies, wurde darauf hin im Juli 1410 mit dem Kirchenbann belegt.
Gegenpapst Johannes XXIII. bannte ihn im Februar 1411. Jan Hus wurde exkommuniziert und aus der Stadt Prag verwiesen. Darauf hin brachen in Prag schwere Unruhen aus. Aufgrund seiner Beliebtheit, die in Volksdemonstrationen gipfelten, lehrte er unter dem Schutz des Königs zunächst noch ein Jahr weiter. Er verurteilte nun die Kreuzzugs- und Ablassbullen des Papstes (Johannes XXIII., dem Gegenpapst in Pisa). Jan Hus musste darauf hin fliehen.


Der Reformator Jan Hus und das tschechische Nationalbewusstsein

Böhmen befand sich in dieser Zeit in der durchaus paradoxen Situation, dass es als nicht-deutsches Territorium Hauptland des mittelalterlichen Deutschen Reiches war, mit Prag als kaiserliche Residenzstadt. So lebten in Prag sehr viele Deutsche.
Jan Hus, dem es darum ging, nichts als Sünde anzuprangern, griff in seinen Predigten häufig hohe Kirchenämter an. Dies traf, weil diese eben gerade die hohen Kirchenämter innehatten, nun immer häufiger auch Deutsche. Manche sprechen bei Jan Hus und seinen Anhängern von einem regelrechten Hass auf die Deutschen, zumindest habe er nicht klar differenziert.
Als die Prager Karlsuniversität zum Papstschisma (das abendländische Schisma, einem Kirchenstreit) Stellung nehmen sollte, war Jan Hus Wortführer der Tschechen. Die Universität war in die vier Nationalitäten Bayern, Sachsen, Polen und Böhmen gegliedert. Trotz der mehrzählig tschechischen Studenten wurde die Universität von deutschen Lehrern geführt.
Jan Hus erreichte zusammen mit Hieronymus von Prag 1409, dass König Wenzel von Luxemburg im "Kuttenberger Dekret" die Universitätsverfassung änderte. In dem Streit innerhalb der Universität, um die Anerkennung des Konzils von Pisa, sollte eine Mehrheit für die Neutralität gewonnen werden. Der König, welcher Jan Hus verehrte, beugte sich dem böhmischen Druck. Zum ersten Mal spielten bei einem Aufbegehren des Volkesnationalistische Motive eine Rolle. Wenzel erteilte den Tschechen drei Stimmen, den Bayern, Polen und Sachsen dagegen nur eine. Die Tschechen erklärten sich zusammen mit König Wenzel für neutral, während die Deutschen zusammen mit Erzbischof Sbinko von Hasenburg an Gregor XII. festhielten.
Daraufhin verließen wenigstens 1000 deutsche Studenten mit ihren Professoren die Stadt Prag und veranlassten die Gründung der Universität im sächsischen Leipzig. Die nationalen Spannungen an der Karlsuniversität in Prag wurden durch dieses Vorgehen erheblich verringert.
Der Zorn des Volkes richtete sich jedoch weiterhin gegen die hohen und einflussreichen Kirchenämter, die nach wie vor von den Deutschen besetzt blieben, und vermischte sich mit einem allgemeinen Zorn auf die Deutschen, von denen sich die Tschechen zu sehr dominiert fühlten.
Nach seiner Flucht im Jahr 1412 lebte Jan Hus bis ins Jahr 1414 auf der Ziegenburg in Südböhmen und auf der Burg Krakovec in Mittelböhmen. Dort verfasste er mehrere seiner Werke und schuf damit die tschechische Schriftsprache.( so ähnlich, wie auch ein Martin Luther die deutsche Sprache mitprägte, in dem er in der Sprache des Volkes und nicht im gelehrten Latein schrieb bzw. die Bibel übersetzte)
Als der Papst, Gegenpapst Johannes XXII. in Pisa, einen neuen Kreuzzug gegen den König von Neapel verkündigte und jedem Kreuzträger vollkommenen Ablass aller Sünden versprach, wetterte Jan Hus öffentlich auf den Plätzen dagegen. Dadurch erfuhr Jan Hus einen weiteren großen Zulauf und eine Erweiterung seiner Anhängerschaft. In Prag brachen weitere Unruhen aus.
Jan Hus begab sich wieder nach Husinec, seinem Geburtsort, wo er weitere reformatorische Schriften verfasste. Er erreichte, dass der mit der Kirche in Widerspruch liegende Teil des deutschen Adels ihn und seine Anhänger schützte. Einige werden sich wohl, im Falle des Erfolgs seiner Ideen, auch Hoffnung auf den Besitz des Klerus gemacht haben, der nach John Wyclifs Lehren bei Unwürdigkeit zu enteigen sei. Jan Hus durchzog nun das Land als Wanderprediger. Er war der Heilbringer der Gläubigen, die in Massen zu ihm strömten.


Das Konstanzer Konzil

Im Jahr 1413 schrieb Jan Hus "De Ecclesia" (Über die Kirche). darin vertrat er die Ansicht, dass die Kirche eine nicht hierarchisierte Gemeinschaft sei, in der nur Christus das Oberhaupt sein könne. Darauf hin wurde er ein Jahr später vor das Konstanzer Konzil zitiert.
Der deutsche König Sigmund sicherte Jan Hus freie Hin- und Rückreise zu und stellte am 18. Oktober 1414 einen Geleitbrief aus. Jan Hus machte sich aber schon vorher auf den Weg, um seine Ansichten vor dem Konzil darzustellen, und erreichte Konstanz am 3. November 1414, wo er zugleich fest genommen wurde. Um seine Flucht zu verhindern, setzte man ihn am 28. November 1414 in der Wohnung eines Domherrn fest und überstellte ihn am 6. Dezember in das Verließ eines Dominikanerklosters.
Als der Deutsche König Siegmund am Heiligen Abend Anno 1414 eintraf, war er über die Gefangennahme von Jan Hus sehr erzürnt. Er drohte damit, das Konzil zu verlassen. man erwiderte ihm, das es dann aufgelöst würde. Die Geleitszusage Siegmunds wurde für nichtig erklärt, da Jan Hus seine "ketzerischen Ansichten" nicht zurück nehmen wolle und damit nicht mehr die weltliche Ordnung für ihn zuständig sei, sondern eine Kirchenordnung und die Inquisition.
Im März des Jahres 1415 floh der Gegenpapst Johannes XXIII., als dessen Gefangener Jan Hus zu diesem Zeitpunkt galt, aus Konstanz. Jan Hus wurde dem Bischof von Konstanz ausgeliefert und auf dessen Burg "Gottlieben" am Rhein gefangen gehalten. Hier durchlebte er eine qualvolle Zeit. Bei Tag wurde er gefesselt und des Nachts neben einer Kloake ( ein einfacher Holzbottich, auf dem der Gefangene seine Notdurft verrichten konnte bzw. musste und der erbärmlich stank) mit den Händen an die Wand gekettet. Er wurde schlecht ernährt und war in der Folge schwer von Krankheiten und Auszehrungen gezeichnet. Der Gefangene sollte an diesem Ort nicht leben, sondern wenn er großes Glück hatte vielleicht überleben. Was aber im Zweifelsfall meist egal war. Bei diesen Haftbedingungen war das Essen zu einer reinen Nebensache verkommen.
Am 4. Mai 1415 verdammte das Konzil John Wyclif, dessen man aber nicht mehr habhaft werden konnte, da er bereits 30 Jahre zuvor eines natürlichen Todes gestorben war, und seine Lehre.
Jan Hus kam am 5. Juni 1415 in das Franziskanerkloster von Konstanz. Dort verbrachte er die letzten Wochen seines Lebens. Vom 5. bis zum 8. Juni wurde Jan Hus im Refektorium von Konstanz verhört. Eine ausführliche Rechtfertigung gestattete man ihm nicht, sondern verlangte von ihm den öffentlichen Widerruf und die Abschwörung seiner Lehren. Jan Hus lehnte das natürlich ab. Bis zum Ende des Monats Juni versuchte man noch mehrfach vergeblich ihn zum Widerruf zu bewegen.
Am 6. Juni 1415 wurde er in feierlicher Vollversammlung des Konzils im Dom als Ketzer zum Freitod verurteilt und auf Grund seiner Lehre von der Kirche als der unsichtbaren Gemeinde der Prädestinierten.

Die Hinrichtung des Kirchenreformators Jan Hus

Der tschechische Reformator Jan Hus wurde am 6. Juli 1415 auf dem Brühl, zwischen Stadtmauer und Graben, zusammen mit seinen Schriften verbrannt. Seine Asche wurde in den Rhein gestreut, um seinen Anhängern keine Pilgerstätte im Form eines Grabes zu hinterlassen. Die Hinrichtung leitete Friedrich IV., der spätere Kurfürst von Brandenburg und Stammvater der preußischen Könige und deutschen Kaiser aus dem Haus der Hohenzollern.
In seinem Abschiedsbrief hatte Jan Hus an seine Freunde geschrieben:

"Das aber erfüllt mich mit Freude, das sie meine Bücher doch haben lesen müssen, worin ihre Bosheit geoffenbart wird. Ich weis auch, dass sie meine Schriften fleißiger gelesen haben als die Heilige Schrift, weil sie in ihnen Irrlehren zu finden wünschten"

                               Jan von Husinec im Jahre des Herrn 1415

Zitat des Petrus de Mladenovicz über die Hinrichtung

"Hus sang bald mit lauter Stimme, zuerst: Christus, Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich unser! und zuletzt, Der du bist aus der Jungfrau Maria geboren. Und als er zum dritten mal zu singen begonnen hatte, wehte ihm bald der Wind die Flammen ins Gesicht, und bei sich selbst betend, die Lippen und den Kopf bewegend, endete er im Herren. In der Zeit des Schweigens aber schien er sich zu rühren, bevor er endete, solange wie rasch zwei oder höchstens drei Vaterunser gesprochen werden können. Als jedoch die Holzbündel und das Stroh verbrannt waren, und der Leichnam noch an der Kette stand, die am Halse hing, stießen ihn die Gerichtsdiener bald samt dem Pfahl zu Boden, nährten das Feuer noch mehr durch einen Wagen Holz und verbrannten ihn. Sie gingen ringsum und zerschlugen die Knochen mit knüppeln, damit sie um so schneller zu Asche würden. Und als sie das Haupt fanden, zerschlugen sie das in Stücke und warfen es wieder ins Feuer, ...schließlich verwandelten sie die ganze Masse zu Asche, ... luden alles auf einen Wagen, fuhren zum nahen Rhein und warfen es dort in die Tiefe."

Petrus de Mladenovicz war selbst Hussit und schilderte seine Sichtweise der Vollstreckung des Urteils des "Konstanzer Konzils" von 1415


Die Hinrichtung löste die Hussitenkriege (1419 bis 1434) aus. Am 30. Juli 1419 kam es zum ersten "Fenstersturz zu Prag". (Der zweite löste am 23. Mai 1618 den Dreißigjährigen Krieg aus.) Die Hussiten stürmten das Prager Rathaus, befreiten gefangengenommene Glaubensgenossen und stürzten 13 Personen aus dem Fenster - darunter einen Richter und drei Ratsherren. Die Hussiten verweigerten König Wenzel von Böhmen die Anerkennung ebenso wie dessen Nachfolger Sigismund (Siegmund), der auch deutscher und ungarischer König war. Vier Kreuzzüge wurde gegen die aufständischen Taboriten entsandt. Die Kriege verwüsteten in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts nicht nur Böhmen und Mähren, sie griffen auch auf die Nachbarländer über, bis die Hussiten zuerst durch Zugeständnisse, dann durch Zwist und Verrat in eigenen Reihen besiegt wurden.

Die Lehren des Jan Hus

Jan Hus war stark beeinflusst von den Lehren John Wyclifs. In seinen überwiegend kompilatorischen Schriften sind John Wyclifs Anschauungen zum Teil wörtlich wiedergegeben, was der Schriftstellermanier des hohen Mittelalters entsprach.
Einiges hatte Jan Hus von John Wyclif auch nicht übernommen.
So hielt er an der Messe, der Lehre von der Transsubtantiation (Verwandlung), der Lehre vom Fegefeuer und an der Fürbitte der Maria an der Heiligen fest.
In seiner Grundhaltung war Jan Hus, wie auch später der junge Martin Luther, der Kirche gegenüber loyal gesinnt. Er bemühte sich kein Ketzer zu sein und lehnte dieses Urteil über sich selbst auch ab.

Der Begriff der Kirche

Nach Jan Hus war die Kirche die Gesamtheit aller Prädestinierten, der Vorbestimmten. Ihre Prädestination machte sie zu Mitgliedern der heiligen Kirche. Christus ist das Haupt- und kein Haupt außer ihm- der Kirche, das ihr selbst und jedem einzelnen Mitglied vorherbestimmt sind und nicht vor dem Tag des Gerichtes Gottes bekannt werden. Für Jan Hus war der Begriff der Kirche vorwiegend ein geistlicher und weniger ein institutioneller.
Jan Hus unterschied zwischen Kirchenmitgliedern der Sache und dem Namen nach. Ein Mitglied der Institution Kirche muss nicht zu den Prädestinierten gehören, genau so wie ein Nichtmitglied der Institution Kirche zur geistlichen Kirche der Prädestinierten gehören kann. Ein Mensch zeigt seine Prädestination ausschließlich an seinem Verhalten.
Die Kirche teilte der Reformator Jan Hus in drei Teile ein:
Das Volk
Die weltliche Herrschaft 
Den Klerus.
Der weltlichen Herrschaft komme die Aufgabe zu, die Diener Gottes zu beschützen und das Gesetz Gottes zu verteidigen. Die Diener Gottes sollten "Die Welt verbessern, die Kirche beleben als die Seele derselben und nach allen Seiten Christus am nächsten folgen"


Die Geistlichen


Jan Hus verlangte von seinen Geistlichen ein wahrhaftiges und heiliges Leben mit dem Ziel, den Gläubigen zu dienen. er beklagte, dass die Geistlichen seiner Zeit Gott verachteten und durch Gewinnsucht und Heuchelei die Kirche in Verruf brachten. Statt dem Volke zu helfen, so Jan Hus, beraubten sie es, statt es zu verteidigen, unterdrückten sie es noch grausamer als die weltlichen Herren.
Die Geistlichkeit habe die Aufgabe das Evangelium zu verkünden und dem Volk mit den Sakramenten (Ehe, Taufe...) zu dienen. Auch hier sah Jan Hus den Gegensatz zur damaligen Priesterschaft, welche nach seinen Worten nicht aus "Göttlichem Triebe" predige, sondern um des Gewinnens willen. Viele forderten Geschenke oder Geld für Salbungen, Taufe, Kommunion, Ordination, Konsekration der Altäre und Begräbnisse. Jan Hus kritisierte den Ablasshandel, erfundene Reliquien, Bilderdienst und erfundene Wunder. Die Gnade Gottes dürfte nicht käuflich sein. ( Den Menschen sollten in Ablassbriefen ihre Sünden vor Gott gegen bare Münze vergeben werden.)
"Die Priester predigen wohl gegen unsere Unzucht und unsere Laster" so beklagte sich Jan Hus seinerzeit. Jan Hus weiter "Aber von den Ihrigen sagen sie nichts, also ist es entweder keine Sünde, oder sie wollten das Privilegium haben".
Die Geistlichen, die Heer der Gläubigen in vorderster Linie stehen, müssen nach seiner Auffassung von allen übrigen Gläubigen ermahnt und bestraft werden können, wenn sie irren oder sündigen.


Das Papsttum


Für Jan Hus war der Begriff "Papst" genauso wenig ein institutioneller, wie sein Begriff der "Kirche". Nicht das Amt sondern das Verhalten befähige einen Papst. Es könne nur derjenige ein Stellvertreter Christie auf Erden genannt werden, der sich so verhält wie der, den er vertreten soll, also wie Christus selbst. Er muss daher Christus im Wandel, Werk und Lehre nachfolgen. Ausgehend von Johannes 3, 34 argumentierte Jan Hus, der sogenannte apostolische Stuhl müsse sich legitimieren, in dem er die Lehre der Apostel lehrt und tut. Seine Vollmachten beschränkten sich auf das Lehren, des Evangeliums nach der Schrift. Wo er der Schrift widerspricht, ist ihm Widerstand zu leisten. ("Einem irrenden Papst Widerstand zu leisten ist so viel wie dem Herrn Christus zu gehorchen")
Jan Hus hielt es für einen Missbrauch des Namens des Herrn, wenn man die Aufgabe des Papstes darin sehe, Kirchensachen in letzter Instanz zu entscheiden und den Gläubigen vorzuschreiben, was dem Papst beliebt. Er wandte sich gegen Lehren, dass der Papst von unbegrenzter Macht sei, da er alles vermöge, was Christus nach seiner menschlichen Natur vermocht habe, dass er weder Gott noch Mensch sei, sondern ein gemischter Gott, ein irdischer Gott, das der Papst einen Bischof ohne Grund absetzen dürfte, dass er von apostolischen Vorschriften in der Bibel Abstand nehmen  dürfe und das ihn niemand hinterfragen dürfe, sondern sein Wille anstelle eines Grundes gelte und das er somit sündenfrei sei, dass er auch den Engeln befehlen und die Menschen, die er wolle, retten oder verdammen könne und Ähnliches.
Des weiteren bestritt Jan Hus die Rechtmäßigkeit der Anwendung der Bezeichnung "der heiligste Vater" auf den Papst. Nach Jan Hus war der einzige heilige Vater Gott, den keine Sünde erreicht. Mit der Einschränkung, mit der "Heiligste Vater auf Erden" könne nur jemand gemeint sein, der auf die heilige Weise lebt, Christus in der Armut, in der Demut, in der Friedfertigkeit, in der Keuschheit und in der Arbeit nachfolgt, nicht aber jemand, der in offenkundiger Habgier, in offenem Hochmut und in anderen Sünden lebt. Auch hier zeigte sich die Grundhaltung des Jan Hus, dass sich Inhaber von kirchlichen Ämtern, inklusive des Papstsamtes, an den Aussagen und Werten der Bibel messen lassen müssen.


Die Heilige Schrift


Jan Hus sah die Bibel als "... ganz wahr und hinreichend zur Seligkeit der Menschengeschlechts..." an. Sie sei der Maßstab, nachdem sich das Leben richten müsse. Alle religiöse Wahrheit sei in ihr erhalten. Die Schrift sei eine Waffe gegen den Teufel, die auch schon Christus gebraucht habe, indem er dem Teufel nicht befahl, sondern argumentierte. er wandte sich gegen die Praxis, diejenigen, die auf die Schrift verweisen, als Ketzer abzustempeln und gegen die Lehre , dass die Autorität der Kirche über der Bibel stehe. Die so lehrten, wollten sich selbst von Kritik freihalten und das Volk über die heilige Schrift in Unkenntnis halten, damit es gefügig bliebe. Jan Hus forderte, nichts zu glauben, festzuhalten, zu behaupten und zu predigen, was nicht durch die Aussage der Bibel begründbar sei. Die Schrift, so der kirchliche Reformator Jan Hus, müsse geglaubt werden, sie sei der Zugang zum Himmelreich.


Das Abendmahl


Das Abendmahl gehörte für Jan Hus zu den "tiefsten und geheimsten und höchsten Mysterien unseres Glaubens". Es könne von einem Menschen nicht voll begriffen werden. Die geistliche Erfahrung müsse, als die wichtigere, der sakramentalen Erfahrungen immer vorausgehen. Christus habe dieses Sakrament eingesetzt zum Gedächtnis seines Leidens, seines Lebens und Wirkens, seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Dies solle der Priester im Gedächtnis haben, wenn das Sakrament spende. Entgegen der vorherrschenden Lehre seiner Zeit betonte Jan Hus, dass das Abendmahl in "beiderlei Gestalt" auch für Laien bestimmt sei. Er könne aus der Schrift eine Einschränkung nicht herauslesen. Das Ziel des Abendmahls sei es, " in Christo bleiben und ihn bleibend in sich zu haben; in Ewigkeit nicht sterben; das ewige Leben haben".
Die Praxis des Abendmahles gehört auch heute noch zu den theologisch diskutierten Punkten innerhalb der Christenheit. Jan Hus betonte zunächst die Notwendigkeit des Glaubens an die Worte Jesu, welcher sagte, das Brot sei Leib und der Wein sei sein Blut. Darüber hinaus würden Brot und Wein durch die vom Priester verlesenen Einsetzungsworte geweiht, so dass das Brot in den wahren Leib Christi und der Wein in das wahre blut Christi transsubstanziiert (verwandelt) würden.


Das Ketzertum


Das Ketzertum habe drei Ursachen:

Abkehr vom Gesetz Gottes
Lästerung
Ämterkauf
Eine Lästerung sei es, wenn ein Mensch Gott beschuldigt, wenn Gott hartnäckig in Gedanken beleidigt wird, indem man ihm seine Macht nicht zutraut, oder wenn man das, was Gott allein gebührt, einer menschlichen Kraft oder einer anderen Kreatur zuerkennt. In seiner Schrift über Ketzer und Simonie (Ämterkauf) wies Jan Hus darauf hin, das auch Jesus als Lästerer beschuldigt und hingerichtet wurde.
Besonders heftig stritt Jan Hus gegen den Verkauf kirchlicher Ämter, eine Ketzerei, die andere Ketzereien nach sich ziehe, nicht die Fähigsten auf die Posten bringe und die Menschen verderbe.


Würdigung des Kirchenreformators


Zum Gedenken an den Reformator wurde 1915 das große Hus-Denkmal auf dem Altstädter Ring ( an Stelle einer Mariensäule) in Prag an seinem 500. Todestag eingeweiht. Mit der Unabhängigkeit der Tschechoslowakei erklärte diese 1925 den 6. Juli zum Staatsfeiertag, wobei der Heilige Stuhl für drei Jahre seine diplomatischen Beziehungen mit dem "Ketzerstaat" unterbrach. (Jan Hus war ja Gegner der Katholiken in der Christenheit, und so auch den nach ihm kommenden Päpsten abgewandt)
Über eine Rehabilitierung in der Römisch Katholischen Kirche wurde zur Jahrtausendwende diskutiert. 1996 äußerte Miloslav Kardinal Vlk die Meinung, dass das Urteil gegen Jan Hus widerrufen werden müsse.
1999 erklärte Papst Johannes Paul II. ( 18. Mai 1920-2. April 2005 und vom 16. Oktober 1978 bis 2. April 2005 Papst in Rom) anlässlich eines Historikerkongresses über den Reformator:
"Heute [...] fühle ich mich verpflichtet, mein tiefes Bedauern auszusprechen für den grausamen Tod von Jan Hus und für die daraus folgende Wunde, Quelle von Konflikten und Spaltungen, die dadurch in den Geist und die Herzen des böhmischen Volkes gerissen wurde"
Bis heute (2007) ist die Rehabilitierung aber noch nicht erfolgt.
In den protestantischen Kirchen geniest Jan Hus hohes Ansehen als Vorläufer des Reformators Martin Luther, der im folgenden Jahrhundert seine Ideen aufgreifen sollte.
Vor seiner Hinrichtung soll der Reformator Jan Hus gesagt haben:
"Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen" ( das tschechische Wort "Hus" bedeutet in der deutschen Sprache "Gans")
Später brachte man das mit Martin Luther in Zusammenhang und machte den Schwan zu dessen Symbol.
Geistes- und Ideengeschichtlich gebührt Jan Hus die Ehre, ein Wegbereiter der uns heute so selbstverständlichen Gewissensfreiheit zu sein.

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18.01.2015
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