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31.10.1517 Reformation
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Reformation [lateinisch,»Wiederherstellung«,»Umgestaltung«], in der Kirchengeschichte die zu Beginn der Neuzeit durch Martin Luther, Huldrych Zwingli und Johannes Calvin zunächst als Reform der römischen Kirche gedachte religiöse und gesellschaftliche Erneuerung, die zur Entstehung neuer, von Rom unabhängiger Kirchen führte. Kernidee war der Glaube, dass das Heil des Menschen in seiner persönlichen Beziehung zu Gott liege. Diese Idee erfuhr durch den gerade erfundenen Buchdruck weite Verbreitung.

Ursachen

Vorbereitet wurde die Reformation durch verschiedene Faktoren, vor allem durch die Kritik an innerkirchlichen Missständen (wie zum Beispiel die weltliche Haltung der Renaissancepäpste und Bischöfe), die schon im 15. Jahrhundert zu Reformkonzilien geführt (Trient, Basel) und  verschiedene Erneuerungsbewegungen hervorgebracht hatte (unter anderem die Hussiten). Hinzu kam der krasse Gegensatz zwischen dem reichen höheren und dem armen niederen Klerus. Ständekämpfe in den Städten und die Leibeigenschaft auf dem Land verschärften die sozialen Spannungen.

Deutschland

Die schwelende Unzufriedenheit wurde durch das Auftreten Luthers im Ablassstreit (Verfasser der 95 Thesen am 31. 10. 1517) und die schnelle Verbreitung seiner Programmschriften zu einer Volksbewegung. Zahlreiche Prediger verbreiteten Luthers Theologie in Deutschland, der Gottesdienst wurde umgestaltet, neue Formen des Gemeindelebens entwickelten sich. Trotz radikaler Bewegungen (Bauernkrieg 1524/25, Täuferherrschaft in Münster 1534/35) und der Kritik von Humanisten (unter anderem Erasmus von Rotterdam) festigte sich die Reformation, da sie von einem Großteil der Reichsstände unterstützt wurde. Fürsten und Städte erließen Kirchenordnungen. Die Wittenberger Universität wurde durch Philipp Melanchthon zum Mittelpunkt und Vorbild des Studienwesens. In den deutschen Territorien schuf die Reformation voneinander unabhängiger Landeskirchen unter dem Regiment des Landesherrn.

Im Augsburger Bekenntnis wurde 1530 das Glaubensgut der »Protestanten« (die 1529 gegen Mehrheitsbeschlüsse in Glaubensfragen protestiert hatten), formuliert. Nun schlossen sich die protestantischen Stände im "Schmalkaldener Bund" (1531) zusammen. Kaiser Karl V. musste im "Nürnberger Religionsfrieden" (1532) und endgültig im "Augsburger Religionsfrieden" (1555) den Protestanten freie Religionsausübung zugestehen. Um 1561 war Deutschland zu vier Fünfteln protestantisch, doch gelang der katholischen Kirche in den folgenden Jahrzehnten die Rückgewinnung vieler Gebiete (Gegenreformation). Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde am 24. Oktober 1648 in Münster im Grundsatzdokument zum "Westfälischen Frieden" der Bestand der Konfessionen garantiert.

Ausbreitung in Europa

Von Deutschland aus ergriff die lutherische  Reformation auch nordische und baltische Länder. In der deutschsprachigen Schweiz führte Huldrych Zwingli von Zürich, in der französischsprachigen Schweiz Johannes Calvin von Genf aus die Reformation durch. Eine Einigung zwischen Martin Luther und Huldrych Zwingli scheiterte an der unterschiedlichen Abendmahlslehre. Der Zwinglianismus konnte besser im schweizerischen Bodenseegebiet Fuß fassen, der Calvinismus erlangte großen Einfluss in Frankreich (Hugenotten) und in den Niederlanden. In England und Schottland sowie bei einem großen Teil des polnischen und ungarischen Adels setzte sich der Calvinismus gegen anfangs vorhandene lutherische Einflüsse durch und prägte so auch die in England vor allem aus politischen Gründen (Loslösung von Rom) gegründete Anglikanische Kirche.

Heutige Erkenntnisse zur Reformation

Die folgenden Erkenntnisse basieren auf der Lehrmeinung einiger Historiker und entbehren nicht wirklich einer gewissen Logik. Vieles wurde später recherchiert, später erkannt und später überdacht. Wer logisch nachdenkt, wird über einige festgefahrenen Tatsachen erstaunt sein, wie haltbar oder auch nicht diese Tatsachen sind. Das sind keine zugelassenen Lehrmeinungen und sie sind "noch" ungeeignet, sich in Prüfungssituationen auf sie zu berufen. Uns hat niemand zu einer Lehrmeinung befähigt oder ausgebildet. Wir haben uns bei Experten informiert, deren Meinung eingeholt und dann logisch nachgedacht.  

Zu den 95 Thesen

Es ist wohl unumstritten, dass Martin Luther (1483 bis 18.02.1546) diese 95 Thesen verfasste, um auf die Missstände in der Kirche hinzuweisen.
Aber.
Man stelle sich vor, er hätte mit der damals üblichen Feder auf Pergament 95 Thesen aufgeschrieben. Luther hätte mehrere Pergamentseiten gebraucht. Und das nicht nur um alle Thesen unterzubringen, sondern er musste sie auch so groß schreiben, dass man sie als Aushang lesen konnte, auch aus einigen Metern Entfernung. So groß ist die Kirchentür in Wittenberg nun wirklich nicht. Die Historiker sind sich mittlerweile fast einig, dass Martin Luther seine 95 Thesen in Augsburg drucken und vervielfältigen ließ, um sie einer weiten Verbreitung zukommen zu lassen.
Eben diese Kirchentür in Wittenberg war in der Neuzeit ersetzt worden und auf allen vier Flügeln der neuen Tür waren dann die 95 Thesen des Martin Luther zu lesen. Aber auch da musste man wirklich direkt davor stehen. Wenn der Thesenanschlag, der in der Neuzeit so groß historisch gepriesen wurde durch Luther so stattgefunden hat, dann war ausschließlich das Datum des Pergamentes ausschlaggebend für die historische Erinnerung. Zu Zeiten eines Martin Luther hatte der 31. Oktober 1517 keine Bedeutung erlangt. Zumal erst 64 Jahre später, im Jahre des Herrn 1583 der Papst Gregor XIII. den nach im benannten Gregorianischen Kalender veröffentlichte. 
Aber.
Es gilt ebenso als wahrscheinlich, dass Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg anschlug, ohne zu wollen, dass sie wirklich auffallen und damit als Lehrmeinung disskutabel wurden. Es war zu jener Zeit üblich, Aushänge an die Kirchentür zu schlagen und somit wären die 95 Thesen nur ein Aushang von vielen gewesen. Die Thesen sollte das einfache Volk gar nicht lesen, da es zum einen zu ungebildet war und nicht lesen konnte und außerdem den Text mangels Bildung auch gar nicht verstanden hätte. Das einfache Volk wäre Luther wenig dienlich gewesen in seinem Kampf gegen Leo X. Das Volk war eine Gruppe unmündiger Bürger, die ihr Überleben sichern mussten und denen es von Kindesbeinen beigebracht wurde "gottesfürchtig" zu sein. Vor dem lieben Gott hatten die Menschen die meiste Angst, weil sie in seiner Obhut der Ewigkeit entgegen sahen. Die Menschen hatten große Angst vor dem Fegefeuer des Satans.

Zum Thema Lesen und Schreiben

Martin Luther wollte aufklären. Er war Jurist, damals sagte man Doktor der Jurisprodenz zu ihm, und kein Mann der Kirche, obwohl er einige Jahre in einem Kloster zugebracht hatte und durchaus als gläubiger Christ anzusehen war. Nur die Gelehrten der damaligen Zeit wie die Mathematiker, Alchemisten, Heilkundige, Apotheker, Schreiber, die meisten Adligen und die Kirchengelehrten waren in der Lage Texte zu erfassen, also zu lesen. Aber für diese Leute waren die 95 Thesen nicht gedacht. Die Menschen, die er erreichen wollte, hätten nicht die Chance gehabt den Aushang zu lesen, weil sie es einfach nicht konnten, das Lesen. Martin Luther muss gewusst haben, wie es um die Alphabetisierung der einfachen Bevölkerung stand.
Wenn jemand wie Martin Luther einen Text veröffentlichen wollte, hätte er es doch richtig gemacht.
Wie es am Wahrscheinlichsten gewesen sein könnte? 
Er ließ den Text drucken, und damit vielfach verbreiten. Das für damalige Verhältnis neue Verfahren machte das Drucken im Gutenbergverfahren in allen gebrauchten Mengen möglich. Gutenberg hatte den Buchdruck (1455) zwar nicht wirklich erfunden, aber durch das Drucken mit beweglichen Lettern (einzelnen Buchstaben) das Verfahren revolutioniert. Das hatte sich ein Mann wie Martin Luther zu Nutze gemacht.
Wie hätte ein einziger Thesenanschlag als Schriftstück so wortgetreu Papst Leo X.(1513 bis 1521 im Amt, bürgerlich Giovanni de´Medici) erreichen sollen?
Luthers Thesen wären mit Sicherheit an den einfachen Menschen vorbei gegangen, da spätestens der Pfarrer der Kirche in Wittenberg den "Wisch" entfernt hätte, da er ja nie und nimmer in seinem Interesse gelegen haben dürfte und den er im Nachhinein bestimmt auch nie gesehen gehabt hätte. Luther wollte Unrecht, begangen im Namen der Kirche, anprangern. Seiner Meinung nach konnten Sünden nicht für Geld verkauft werden, da dann jeder, der genug Geld besaß, sich sogar von einem Mord hätte freikaufen können. Nur weil der Papst Geld brauchte, um seinen neuen Petersdom zu finanzieren, war die angewandte Methode einem Juristen wie Luther mehr als suspekt. Wieso sollte der Papst sich anmaßen können Sünden zu vergeben, zu verkaufen, die laut Bibel nur der "liebe Gott" vergeben darf. Ablasshandel und die damit verbundenen Petersbriefe waren für Martin Luther Sünden, und zwar juristisch angreifbare Sünden. Dieses Problem, was es für Luther war, stellte er in den öffentlichen Raum zur Diskussion und sich eindeutig gegen die Meinung des Papstes. Seit im Jahr 1075 Papst Gregor VII. (1073-1085 im Amt, bürgerlich Hildebrand von Sovana) die Unfehlbarkeit des Papstes verbriefte, (siehe Gang nach Canossa) glaubten immer wieder Päpste, sich über alle Konventionen hinweg setzen zu können. Der Papst verhängte über Martin Luther den Kirchenbann und erklärte ihn für vogelfrei. Jeder freie Bürger hätte ihn, wäre er seiner habhaft geworden, straffrei töten können, und hätte damit dem Papst eine lästige Last von den Schultern genommen. Etwas gegen die Kirche zu "haben", sie nicht anzuerkennen, zu verleugnen oder auch in Frage zu stellen galt in dieser Zeit als Todsünde und wurde oftmals mit dem Tod bestraft. Kirchenrecht und Kirchenwissenschaft (Kanonistik und Scholastik) standen über Allem und waren unantastbar.
Unter der gütigen Mithilfe des sächsischen Kurfürsten Friedrich III., auch der Weise genannt, gelangte Martin Luther die Flucht auf die Wartburg im thüringischen Eisenach. (Friedrich der III. lebte von 1463 bis 1525 und regierte von 1486 bis zu seinem Tod.) Dort übersetzte Martin Luther unter dem Namen "Junker Jörg" die Bibel ins Deutsche und schuf damit sein Lebenswerk.

War Martin Luther ein Reformator?

Ein klares "Nein" und ein klares "Ja"
Martin Luther war Jurist und das blieb er bis zu seinem Tod im Jahr 1546. Er war unbestritten ein gläubiger Christ, stellte seinen Glauben aber über den Willen des Papstes Leo X. Das heißt, der Papst, speziell zu dieser Zeit Leo X., war für Luther nicht unantastbar und nur ein Mensch, der sich an die Bibel zu halten hatte und nur der Stellvertreter Gottes auf Erden war. Papst Leo X., so die Ansicht Luthers, war juristisch angreifbar und nicht allmächtig. Für Luther hatte die Macht des heiligen Stuhls von Gott und der Bibel gegebene Grenzen. Zumal wenn Martin Luther glaubte es geschehe Unrecht. Und das war eindeutig der Fall, da sich der Papst über den Willen Gottes stellte. Sicher wollte der Papst Leo X. ein Gotteshaus errichten, was seiner Meinung nach dem Namen des Herrn gerecht werden sollte, aber noch mehr den Namen Giovanni de'Medici (der bürgerliche Name Leo des X.) für alle Zeiten unsterblich machen sollte, und das Größte auf Erden sein sollte. Nur die Methoden zu Erlangung eines solchen monumetalen Kirchenbaues gingen Luther zu weit. Beim Geld hörte auch damals schon die "Freundschaft" und in diesem Fall auch der "Glauben" auf.
Martin Luther reformierte trotzdem die Kirche, weil er einen Denkprozess auslöste, der in der Folgezeit zu einer einscheidenden Umgestaltung und Machtverschiebung der christlichen Kirche führte. So ein bißchen kann man ihn wohl doch Reformator nennen, obwohl er das für sich nie in Anspruch grnommen hätte. Er war kein John Wyclif oder ein Jan Hus.

Das Leben zu Zeiten Luthers

Die Menschen zu dieser Zeit waren arm, ungebildet, abhängig und nicht frei in ihren Entscheidungen. Sie waren immer im Überlebenskampf. Sie sorgten sich um die Ernte und ihre Vorräte für die Zeit des Winters, den sie überleben mussten um ihre Kinder versorgen zu können. Von denen waren sie ja im Alter abhängig. Es wurden Existenzen vererbt. Das Alter rechneten die einfachen Menschen noch in "Sommern", weil die schöne Jahreszeit sich besser merken lies. Ein Mensch, welcher 45 Sommer zählen konnte war schon seit vielen Jahren Großvater/Großmutter. Im Alter von 13 Jahren bekamen "Frauen" ihr erstes Kind. Etwa 17 Jahre waren sie dann, wenn es die Gesundheit zuließ fast dauerschwanger und mit spätestens 28 Jahren bekam man das erste Enkelkind. Die Säuglingssterblichkeit war aber in dieser Zeit so hoch, dass die Frauen vielen Kindern das Leben schenken mussten, da sie nicht wussten wie viele sie "durchbringen" werden.

Kirchenspalter und Protestant

Ob Martin Luther wirklich vor hatte die Kirche zu spalten bleibt zweifelhaft, da er nicht voraussehen konnte, was sein Protest wirklich bewegen konnte. Wobei man beim Wort "Protest" angekommen wäre. Dieses Wort soll, laut einiger Historiker, auf Martin Luther zurückgehen. Mit den lateinischen Worten "pro", was "für" bedeutet, und "test", was "ausprobieren" bedeutet, soll er dieses Wort für den deutschen Sprachgebrauch eingeführt haben. Luther gefiel etwas nicht. Er war da-"für", dass sich etwas ändert und dabei "test"-ete er aus, wie weit er gehen konnte. Der Protest war entstanden. Die Protestanten auf der ganzen Welt sind und bleiben im Sinne Christen, sind aber gegen den allzu strengen Katholizismus und das damit einhergehenden Zölibat im Rom. Sie sind halt Protestanten.

Luther und das Tintenfass.

Auch als sehr unwahrscheinlich ist die Legende zu betrachten, in der Martin Luther auf der Wartburg dem Teufel begegnete, dem sogenannten Belzebub, und diesen mit einem Tintenfass beworfen haben soll. Tinte war zu Zeiten Luther sehr wertvoll und Luther hätte diese nicht verschwendet. 
Über viele Jahre hinweg wurde diese "Tatsache", das Luther mit dem Tintenfass nach dem "Belzebub" warf, aufrechterhalten und regelmäßig mit einem immer wieder erneuerten angeblichen Tintenfleck an der Wand in seiner Schreibstube glaubhaft gemacht. Der Tourist wollte ja was sehen, was er in der Schule, und da war man stolz drauf, gelernt hatte.

Lassen wir Martin Luder, wie er wirklich hieß, seinen Mythos. Gedenken wir seiner als einem mutigen Mann dieser Zeit, die dunkler nicht hätte sein können. Schon deswegen muss nicht in jedes Kapitel der Geschichte wirklich überallhin Licht dringen. Martin Luther, ist entgenen seines Vaters Hans Luder, als recht wohlhabender Professor verstorben. Er hatte ein großzügiges Haus, eine Frau, Katharina von Bora die sich Katharina Lutherin nannte und ihm sechs Kinder geschenkt hatte, und er war ein anerkannter Mann der Kirche geworden. Trotz allem war und blieb Professor Doktor Martin Luther als gottesfürchtiger Christ auch immer ein Jurist und damit der Gerechtigkeit in jeder Lage ergeben. 

Diese Erkenntnisse nützen uns heute und in Zukunft nicht wirklich etwas. Geschichtliche Relevanz und Mythos dürfen hier auch einmal in einander fliesen, wie  König Arthur und seine Tafelrunde - haben sie denn wirklich zusammen gesessen? War es Clastenberry oder Cametloth? Gab es die Insel Avalon? War es im 5. oder 6. Jahrhundert? Was wurde aus den Urrittern?
Damit müssen sich die nachfolgenden Generationen beschäftigen.

Das Leben Martin Luthers

Martin Luther, geboren am 10. November 1483 in Eisleben und verstorben am 18. Februar 1546 im gleichen Ort, war der theologische Urheber und Lehrer der Reformation. Als zu den Augustinermönchen gehörender Theologieprofessor vollzog er eine reformatorische Wende in seinem Glauben und Denken, nach der er sich ausschließlich an Jesus Christus als dem „fleischgewordenen Wort Gottes“ orientierte und nicht am stellvertreter Christi auf Erden, dem Papst. Nach diesem Maßstab wollte er Fehlentwicklungen der Christentumsgeschichte, die es nach seinem Urteil gab, überwinden. Seine Betonung der Gnade Gottes, seine Predigten und Schriften, und besonders seine Lutherbibel die er auf der Wartburg schrieb und zuvor übersetzt hatte, veränderten die von der römisch-katholischen Kirche dominierte Gesellschaft im ausgehenden Mittelalter und such noch die folgenden Jahrhunderte nachhaltig. Sie wurden von einigen europäischen Fürstentümern des 16. Jahrhunderts dazu genutzt, die weltlichen und geistlichen Zentralmächte von Papst (Pontifex Maximus) und Kaiser (Imperator) zurückzudrängen. Unter ihrem Einfluss kam es entgegen Luthers Absicht zu einer Kirchenspaltung, Bildung evangelisch-lutherischer Kirchen und weiterer Konfessionen des Protestantismus.Damit war sein Tun für ihn in keinster Weise abseh- oder vorhersehbar und er wollte auch die Christenheit nicht spalten, sondern auf einen anderen Weg, den Weg Gottes, lenken.

Luthers Elternhaus

Luthers Eltern waren der Bauer, Bergmann, Mineneigner und spätere Ratsherr Hans Luder (1459–1530), welcher aus dem Ort Möhra stammte, und dessen Ehefrau Margarethe, geb. Lindemann (1459–1531), geboren in Neustadt an der Saale. Die Familie "Luther" führte ihren Nachnamen in unterschiedlichen Varianten, da man in Deutschland zu dieser Zeit noch keine einheitliche Rechtschreibung hatte (auch nicht bei Namen) und nannte sich zum Beispiel auch Lüder, Luder, Loder, Ludher, Lotter, Lutter oder Lauther. Auch ist es zu vermuten, dass die Vorfahren Martin Luthers von dem Adelsgeschlecht von Lüder abstammten, das in Großenlüder bei Fulda angesiedelt war. Der Ritter Wigand von Lüder soll sich in der Gegend von Möhra, dem Geburtsorte des Vaters von Martin Luther, niedergelassen und seinen neu gegründeten Sitz vom Fuldaer Abt als Lehen empfangen haben. Im Hinblick darauf glaubte auch die bestehende Familie Luther, ihre Abstammung von dem buchischen Geschlecht der von Lüder herleiten zu dürfen. Wigand von Lüder kam zwischen den Jahren 1302 und 1308, soweit dies Historiker aus alten Quellen nachweisen konnten, siebenmal als Zeuge in Kauf und Verkauf und Pachtverträgen vor, welche die Herrschaft Frankenstein und das Amt Salzungen betrafen. Den später weltbekannten bekannten Namen wählte Martin Luther etwa um 1512 selbst für sich aus. Er leitete den Namen vom Herzog Leuthari II. oder vom griechischen Wort ἐλεύθερος (frei) ab und benutzte vorübergehend die daraus abgeleitete Form „Eleutherios“ (der Freie). Der Ort Großenlüder, Sitz der Herren von Lüder, wurde abwechselnd Luodera, Lutra, Luttura und Lutar genannt. So ist es denkbar, dass der Namen Luther mit dem Ort und dem Adelsgeschlecht der Herren von Lüder tatsächlich in Verbindung steht.

Sein Studium

Im Frühjahr des Jahres 1501 begann Martin Luther sein Studium an der Universität im Thüringischen Erfurt. Dort besuchte er zunächst die Artistenfakultät, um Grundkenntnisse in den „Septem artes liberales“ ("Die sieben freien Künste" der Antike mit dem Trivium Grammatik, Rhetorik, Dialektik und dem Quadrivium Arithmetik, euklidische Geometrie, Musik und Astronomie) zu erlangen. Im Januar 1505 legte Luther das Examen zum „Magister artium“ ab und beendete damit seine akademische Grundausbildung. Während dieser Zeit erwarb sich Luther genaue Kenntnisse über die Lehren des Aristoteles, die seit Thomas von Aquin (1225-1274) die mittelalterliche Scholastik beherrschten. Durch Jodocus Trutfetter (um 1460-1519) und Bartholomäus Arnoldi (1465-1532), die seinerzeit an der Erfurter Artistenfakultät lehrten, wurde er zudem mit den Ansichten des Nominalismus konfrontiert.

Auf den Wunsch seines Vaters hin setzte Martin Luther zum Sommersemester des Jahres 1505 sein Studium an der Juristenfakultät fort. Doch am 2. Juli 1505 wurde er nach dem Besuch seiner Eltern in Mansfeld auf dem Rückweg nach Erfurt bei Stotternheim von einem schweren Gewitter überrascht, hatte Todesangst und rief zur Heiligen Anna, der Mutter Marias: „Hilf du, heilige Anna, ich will ein Mönch werden!“ Weshalb der junge Luther gerade dieses Gelübde ablegte und dann einen kirchlichen Lebensweg einschlug, erklärt sich weder aus seiner Erziehung noch seiner Todesangst ganz. Jedenfalls trat er am 17. Juli 1505 gegen den Willen seines Vaters in das Kloster der Augustiner-Eremiten in Erfurt ein.

Hier übte er die Ordensregeln so genau und streng, dass er schon am 27. Februar 1507 zum Diakon und am 4. April des gleichen Jahres zum Priester geweiht wurde. Trotz täglicher Bußübungen gab Luther große Gewissensnöte an. Seine Hauptfrage war: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ Die Frage entzündete sich nicht an Missständen der kirchlichen Praxis, sondern am Sakrament der Buße, deren Vorbedingung die aufrichtige Reue aus Liebe zu Gott, nicht Angst vor Gottes Bestrafung, und die Beichte aller, auch der heimlichsten, einem selbst unbewussten Sünden war. Luther nahm diese Forderungen sehr ernst und stürzte deshalb in verzweifelte Heilsungewissheit darüber, ob er diese Voraussetzung erfüllen könne oder aber mit einer ungültigen Absolution ewige Verdammnis auf sich ziehen würde. Er erlebte sich als unfähig, aus Liebe, nicht Angst, Gottes Forderungen zu erfüllen, so dass er auch an der verheißenen Vergebung zweifelte.

Sein Beichtvater Johann von Staupitz, der Generalvikar der Kongregation, empfahl Luther daraufhin für ein Theologiestudium und versetzte ihn zu diesem Zwecke im Herbst 1508 nach Wittenberg. An der dortigen Universität lernte er die Theologie des Wilhelm von Ockham (1285-1347), der Gottes Freiheit ebenso wie die menschliche Willensfreiheit betonte, sowie die Kirchenväter, vor allem – vermittelt durch die Sentenzen des Petrus Lombardus – Augustinus kennen. Im März 1509 erwarb Luther den Grad des „Baccalarius biblicus“, was ihm erlaubte, kürzere biblische Abschnitte mit den Scholaren zu lesen. Wenige Monate später wurde er „Baccalaureus sententiarius“ und durfte somit nun selbst die „Lombardischen Sentenzen“ auslegen. Kurz darauf wurde er nach Erfurt zurückbeordert.

Im November 1510 reiste Luther nach Rom, um im Auftrag seines Erfurter Konvents gegen die von oben befohlene Vereinigung der strengen Observanten mit den liberaleren Augustinerklöstern zu protestieren. Er nahm an einer Generalbeichte teil und rutschte auf dem Bauch die „Heilige Treppe“ am Lateran hinauf, um Sündenvergebung für sich und seine Verwandten zu erlangen. Er zweifelte also damals noch nicht an der römischen Bußpraxis, war aber schon entsetzt über den Unernst und Sittenverfall, die ihm in Rom begegneten.

Auf Staupitz’ Betreiben kehrte Luther im September 1511 nach Wittenberg zurück, um sich für ein theologisches Doktorat zu bewerben; beide verband bis zu Staupitz’ Tod 1524 eine Freundschaft. Im Oktober 1512 wurde Luther zum „Doctor theologiae“ promoviert. Er übernahm den Lehrstuhl der „Lectura in Biblia“ an der Wittenberger Universität und sollte ihn bis zu seinem Lebensende behalten.

In den folgenden Jahren hielt Luther Vorlesungen über die Psalmen und Paulusbriefe. Davon sind einige Originalmanuskripte und wörtliche Nachschriften erhalten. Sie erlauben es, Luthers Entwicklung bis zum Bruch mit den römisch-katholischen Lehren im Detail nachzuvollziehen. Er folgte anfangs noch dem Schema des „vierfachen Schriftsinns“ und deutete das Alte Testament allegorisch auf Christus. Dabei hielt er sich an die überlieferte Bibeldeutung des Ockhamismus, Neuplatonismus, der Mystik oder der „Devotio moderna“, formte sie aber bereits ganz auf den Glauben des Einzelnen hin um. Dessen auswegloser Verlorenheit stellte er schon die unmittelbare Gnade Gottes gegenüber, noch ohne über deren Vermittlung durch Kirche und Sakramente nachzudenken. Themen wie das Papsttum und die Jungfrauengeburt spielten hier noch keine Rolle.

Luthers Jugendtage

Luther wurde als erster oder zweiter Sohn seiner Eltern in Eisleben geboren. Am folgenden Martinstag (11. November 1483) wurde er auf den Namen des Tagesheiligen in der St.-Petri-Pauli-Kirche getauft. Er wuchs im benachbarten Mansfeld auf, wo der Vater als Hüttenmeister im Kupferschieferbergbau bescheidenen Wohlstand erwarb. Beide „Lutherstädte“ liegen im Mansfelder Land, heute im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt, und hatten damals einige tausend Einwohner.

Luthers Eltern waren kirchentreu, aber nicht übermäßig fromm. Von 1488 bis 1497 besuchte er die Mansfelder Stadtschule und danach für ein Jahr die Magdeburger Domschule. Dort unterrichteten ihn die Brüder vom gemeinsamen Leben, eine spätmittelalterliche Erweckungsbewegung. 1498 schickten ihn die Eltern auf das Franziskanerstift Eisenach, wo er eine musikalisch-poetische Ausbildung erhielt. Er galt als sehr guter Sänger.

Reformatorische Wende

In der Lutherforschung ist umstritten, wann Luther das Prinzip der Gerechtigkeit Gottes sola gratia (allein aus Gnade) zuerst formulierte. Von der Datierung der Reformatorischen Entdeckung hängt ihre nähere inhaltliche Bestimmung und Bedeutung für die beginnende Reformation mit ab.

In einer späteren Eigenaussage beschrieb Luther diesen Wendepunkt als unerwartete Erleuchtung, die ihm in seinem Arbeitszimmer im Südturm des Wittenberger Augustinerklosters widerfahren sei. Manche datieren dieses Turmerlebnis auf die Jahre 1511 bis 1513, andere um 1515 oder um 1518, wieder andere nehmen eine allmähliche Entwicklung der reformatorischen Wende an. Unstrittig ist, dass Luther sein Erlebnis als große Befreiung empfand. In der einsamen Meditation über den Bibelvers Röm 1,17 LUT habe er plötzlich entdeckt, was er seit einem Jahrzehnt vergeblich gesucht hatte:

    „Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche aus dem Glauben kommt und zum Glauben führt; wie geschrieben steht (Hab 2,4 LUT): Der Gerechte wird aus dem Glauben leben.“

Dieser Bibelvers führte schließlich zu seinem neuen Schriftverständnis: Gottes ewige Gerechtigkeit sei ein reines Gnadengeschenk, das dem Menschen nur durch den Glauben an Jesus Christus gegeben werde. Keinerlei Eigenleistung könne dieses Geschenk erzwingen. Auch der Glaube, das Annehmen der zugeeigneten Gnade, sei kein menschenmögliches Werk. Damit war für Luther die gesamte mittelalterliche Theologie mit ihrer kunstvollen Balance zwischen menschlichen Fähigkeiten und göttlicher Offenbarung (Synergismus) zerbrochen. Von nun an nahm er die Kirche, die sich in all ihren Formen und Inhalten als Vermittlungsanstalt der Gnade Gottes an den Menschen sah, zunehmend kritischer in den Blick.

In der Römerbrief-Vorlesung von 1515 lag Martin Luthers neues Verständnis der Rechtfertigung allein aus Gnade Gottes bereits ausformuliert vor, wenn auch noch vermischt mit Denkschemata Augustins und der Mystik von Johannes Tauler (um 1300-1361). Im Jahr 1516 veröffentlichte er zudem die Theologia deutsch, das Werk eines unbekannten Mystikers (genannt der „Frankfurter“), das ihn in seiner wachsenden Ablehnung äußerlicher kirchlicher Riten bestärkte.

Der Ablass und die 95 Thesen


Ablassbriefe sollten den Gläubigen einen dem Geldbetrag entsprechenden Erlass zeitlicher Sündenstrafen im Fegefeuer für sie oder für bereits gestorbene Angehörige bescheinigen. Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt, so oder so ähnlich hörten die Gläubigen zu dieser Zeit die kirchlichen Sprüche der "Geldeintreiber des Papstes".

Genau ein Jahr vor dem Thesenanschlag in Wittenberg predigte Luther erstmals öffentlich gegen die Ablasspraxis. Im Sommer 1517 bekam er die vom Mainzer Kardinal Albrecht verfasste Instructio Summarium, eine Anweisung für die im Land umherreisenden Ablassprediger, zu Gesicht. Mit einem Teil dieser Einnahmen wollte der Erzbischof seine Schulden bezahlen, die er bei den Fuggern hatte. Diese hatten ihm sein Kurfürstenamt finanziert. Dazu sandte er den Ablassprediger Johann Tetzel auch nach Sachsen.

Am 4. September 1517 gab Luther zunächst 97 Thesen nur für seine Dozenten-Kollegen heraus, um einen Disput über die gesamte scholastische Theologie unter ihnen in Gang zu bringen. (Eine wörtliche Kopie davon fand sich fast 500 Jahre nach der Reformation in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel wieder.) Erst dann verfasste Luther jene Reihe von 95 Thesen, die direkt auf den Ablass Bezug nahmen. Er soll sie nach einer auf Philipp Melanchthon (1497-1560) zurückgehenden Überlieferung am 31. Oktober am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Dies bezweifelt die Forschung und viele Historiker aber.

Diese Thesen fanden den großen öffentlichen Widerhall, der die Reformation auslöste. Darin protestierte Luther weniger gegen die Finanzpraktiken der Katholischen Kirche als gegen die darin zum Ausdruck kommende verkehrte Bußgesinnung. Der Ablasshandel war für ihn nur der äußere Anlass, eine grundlegende Reform der ganzen Kirche „an Haupt und Gliedern“ zu fordern. Dabei griff er den Papst noch nicht direkt an, sah dessen Aufgabe aber in der Fürbitte für alle Gläubigen. Für die breitere Bevölkerung verfasste er 1518 den in einfacher, verständlicher Weise abgefassten Sermon von dem Ablass und Gnade. Luthers Thesenanschlag sollte, so spätere Annahmen, wohl einen Gelehrtenstreit in Wittenberg vom Zaun brechen und war nicht für die einfache Bevölkerung gedacht, die ihn eh nicht lesen konnten.

Kardinal Albrecht (um 1490-1545) zeigte Luther nun in Rom an und Johann Tetzel (1465-1519) reagierte mit Gegenthesen auf die Disputationsreihe vom September, bei der ihn der Ingolstädter Theologe Johannes Eck (1494-1554) unterstützte. Im April 1518 durfte Luther im Auftrag von Johann von Staupitz (1465-1524) vor der Augustinerkongregation in der Heidelberger Disputation seine Theologie erläutern. Hier grenzte er die exklusive Relation von Gnade zum Glauben scharf gegen Aristoteles und die menschliche Willensfreiheit ab. Er gewann eine Reihe von Anhängern, die später zu Reformatoren wurden, darunter Martin Bucer (1491-1551), Johannes Bugenhagen (1485-1558), Johannes Brenz (1499-1570) oder auch Sebastian Franck (1499-1542 oder 1543). Im August berief die Universität Wittenberg außerdem Philipp Melanchthon, der bald Luthers engster Freund und Schüler wurde.

Der römische Prozess

Im Juni 1518 hatte die Kurie Luther nach Rom vorgeladen, um die Gefahr der Ketzerei in einem Verfahren zu untersuchen. Noch vor dem Termin wurde die Anklage auf notorische Ketzerei geändert. Spitzel in Luthers Wittenberger Vorlesungen hatten ihn mit gefälschten Thesen denunziert. Er ersuchte aus gesundheitlichen Gründen um eine Anhörung auf deutschem Gebiet, wobei er sich auf die Gravamina (eine Beschwerde oder einen Vorwurf gegen Kirche und Klerus oder den Lehnsherren
) deutscher Nation berief. Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise, der ihn ausliefern sollte, unterstützte ihn dabei.

Damit wurde Luthers Prozess in politische Interessen verwickelt: Papst Leo X.(geboren als Giovanni de' Medici am 11. Dezember 1475 in Florenz und verstorben am 1. Dezember 1521 in Rom) brauchte den Kurfürsten für die anstehende Kaiserwahl und gab seinem Einwand im August 1518 daher statt. Kardinal Thomas Cajetan (eigentlich, Tommaso de Vio geb. am 20. Februar 1469 in Gaëta, daher auch Gaëtanus, Cajetan, verst. am 10. August 1534 in Rom) war der Ordensgeneral der Dominikaner, Kardinal und Begründer des Neuthomismus in der Renaissance) sollte Luther beim Reichstag zu Augsburg verhören. Vom 12. bis 14. Oktober 1518 sprach Luther dort vor. Er weigerte sich zu widerrufen, wenn er nicht aus der Bibel heraus widerlegt würde. Für Cajetan war er damit als Ketzer überführt und hätte ausgeliefert werden müssen. Doch Friedrich lehnte dies weiterhin ab. Luther entzog sich der drohenden Verhaftung in der Nacht vom 20. zum 21. Oktober 1518 durch Flucht aus Augsburg.

Im Januar 1519 starb Kaiser Maximilian I. Er hatte seinen Enkel, den spanischen König Karl I., als Nachfolger vorgesehen. Der Papst wollte diesen verhindern, da er wegen Karls Besitztümern in Italien eine Umklammerung des Kirchenstaats fürchtete. Deshalb ließ er Luthers Prozess zunächst ruhen und beauftragte Karl von Miltitz (1490-1529), den Kurfürsten für eine friedliche Lösung zu gewinnen. Der römische Gesandte erreichte, dass Luther sich zum Schweigen verpflichtete.

Während der Verfahrenspause stellte Eck Thesen für ein Streitgespräch mit Luthers Wittenberger Dozentenkollegen Andreas Bodenstein ( Andreas Rudolff-Bodenstein von Karlstadt, häufig auch nur als „Karlstadt“ bezeichnet, geboren um 1482 in Karlstadt und verstorben am 24. Dezember 1541 in Basel war ein deutscher Reformator des 16. Jahrhunderts) auf. Sie richteten sich so klar gegen Luther, dass dieser sein Schweigen brach und vom 4. bis 14. Juli 1519 persönlich an der Leipziger Disputation teilnahm. Dort spitzte Eck den Konflikt auf die Frage der Papstautorität zu; Luther wagte nun die These, der Papst sei de jure erst seit 400 Jahren – dem Decretum Gratiani, das päpstliches mit kanonischem Recht gleichstellte – Führer der Christenheit.

Eck versuchte Luther dann als Anhänger des 100 Jahre zuvor 1415 als Ketzer verbrannten Jan Hus zu überführen. Martin Luther warf Rom im Gegenzug die Abspaltung der Orthodoxie vor. Er ordnete nun auch das Konzil von Konstanz der Autorität der Heiligen Schrift unter. Dieses hatte das Nebeneinander von drei Päpsten zwar beendet, aber die Autoritätsfrage – Konzil oder Papst – nicht geklärt. In diesem Kontext fiel Luthers Satz: „Auch Konzile können irren.“ Damit stellte er die individuelle Gewissensfreiheit im Hören auf die Bibel auch über autoritative Konsensentscheidungen der Bischöfe. Dies war faktisch der Bruch mit der katholischen Kirche.

Nachdem Karl am 28. Juni 1519 doch zum Kaiser gewählt worden war, nahm die Kurie Luthers Prozess wieder auf. Nach einem weiteren ergebnislosen Verhör vor Cajetan erließ der Papst am 15. Juni 1520 die Bannbulle Exsurge Domine. Sie verdammte 41 aus dem Zusammenhang gerissene und teilweise verdrehte Sätze Luthers ohne Begründung und Widerlegung, setzte ihm eine Frist von 60 Tagen zur Unterwerfung und drohte ihm den Kirchenbann (Ausschluss) an.

Reichstag zu Worms

Dennoch widmete Luther im Oktober 1520 Papst Leo seine Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen" und appellierte an ein neues Konzil. Am 10. Dezember aber vollzog er den endgültigen Bruch, indem er auf Verbrennungen seiner Bücher mit der Verbrennung der Bulle sowie einiger Schriften der Scholastik und des kanonischen Rechts vor dem Wittenberger Elstertor antwortete. Daraufhin wurde er am 3. Januar 1521 mit der Bannbulle Decet Romanum Pontificem exkommuniziert.

Dies und seine reformatorischen Hauptschriften machten Luther nun im ganzen Reich bekannt. Der Buchdruck, die allgemeine soziale Unzufriedenheit und politische Reformbereitschaft verhalfen ihm zu einem außergewöhnlichen publizistischen Erfolg: Bis zum Jahresende waren bereits 81 Einzelschriften und Schriftsammlungen von ihm erschienen, vielfach in andere Sprachen übersetzt, in insgesamt 653 Auflagen. In vielen Ländern regten sich ähnliche Reformbestrebungen, die nun sehr stark von den politischen Spannungen zwischen Fürstentümern und Zentralmächten bestimmt wurden.

Kurfürst Friedrich der Weise (Friedrich III., auch Friedrich der Weise geboren am 17. Januar 1463 auf Schloss Hartenfels zu Torgau und verstorben am 5. Mai 1525 in Lochau) erreichte durch zähes Verhandeln, dass Luther seine Position vor dem nächsten Reichstag nochmals erläutern und verteidigen durfte. Das zeigt den Niedergang der mittelalterlichen Macht von Papst und Kaiser: Karl V. war der letzte Kaiser, den ein Papst krönte. Am 17. April 1521 stand Luther vor dem Reichstag zu Worms, wurde vor den versammelten Fürsten und Reichsständen verhört und letztmals zum Widerruf aufgefordert. Nach einem Tag Bedenkzeit und im Wissen, dass dies seinen Tod bedeuten könne, lehnte er mit folgender Begründung ab.

    „[Da] … mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, ich kann und will nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.“

(Die oft zitierte Version "Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen" ist nie wirklich belegt worden von den Kirchenhistorikern.)

Darauf verhängte der Reichstag am 26. Mai 1521 das auf den 8. Mai rückdatierte, vom Kaiser gezeichnete Wormser Edikt über ihn. Es verbot unter Berufung auf die Bannbulle des Papstes im gesamten Reich, Luther zu unterstützen oder zu beherbergen, seine Schriften zu lesen oder zu drucken, und gebot, ihn festzusetzen und dem Kaiser zu überstellen. Die Reichsacht wurde den Ständen jedoch erst nach dem offiziellen Reichstag mitgeteilt, so dass ihre Rechtsgültigkeit vielfach bestritten wurde. Auch so hätte jeder Luther töten können, ohne dafür belangt zu werden: Er war nun „vogelfrei“. Gemäß der Zusage an seinen Kurfürsten erhielt er aber freies Geleit. Später bereute Karl V. diese Zusage, weil die folgende Reformation die Einheit seines Reiches zerstörte.

Der Geächtete wurde am Abend des 4. Mai 1521 auf dem Heimweg nahe Schloss Altenstein bei Steinbach von Friedrichs Soldaten heimlich entführt und auf der Eisenacher Wartburg festgesetzt, um ihn der Gefahr zu entziehen.

Die Bibelübersetzung in der Lutherstube auf der Wartburg

Auf der Wartburg blieb Luther bis zum 1. März 1522 inkognito als „Junker Jörg“. Auf Anraten Melanchthons übersetzte er im Herbst 1521 das Neue Testament in nur elf Wochen ins Deutsche. Als Vorlage diente ihm ein Exemplar der griechischen Bibel des Erasmus von Rotterdam (Erasmus (Desiderius) von Rotterdam, geboren am 27. Oktober 1465 [oder 1469] in Rotterdam und verstorben am 12. Juli 1536 in Basel war ein bedeutender Gelehrter des europäischen Humanismus. Er war Theologe, Philosoph, Philologe und Autor zahlreicher Bücher.), zusammen mit dessen eigener lateinischen Übersetzung sowie der Vulgata. Luthers Bibelübersetzung erschien ab September 1522. 1523 erschien auch Luthers erste Teilübersetzung des Alten Testaments; beide zusammen erlebten bis 1525 bereits 22 autorisierte Auflagen und 110 Nachdrucke, so dass rund ein Drittel aller lesekundigen Deutschen dieses Buch besaß. 1534 übersetzte Luther auch das übrige Alte Testament aus damals wiederentdeckten Handschriften der Masoreten; beide Testamente zusammen bilden die berühmte Lutherbibel.

Damit machte Luther biblische Inhalte auch dem einfachen Volk zugänglich. Zwar gab es vorher schon 14 hochdeutsche und vier niederdeutsche gedruckte Bibelausgaben, jedoch waren diese Übersetzungen durch ihr „gestelztes“ Deutsch für das einfache Volk schwer verständlich. Vor allem fußten sie auf der Vulgata, der die griechische Septuaginta zugrunde lag. Sie hatten also zuvor mindestens zwei Übersetzungsschritte hinter sich. Luther dagegen bemühte sich wie die Humanisten um eine möglichst direkte Übersetzung der hebräischen und griechischen Urtexte.

Er übersetzte weniger wörtlich, sondern versuchte, biblische Aussagen nach ihrem Wortsinn (sensus literalis) ins Deutsche zu übertragen. Er wollte „dem Volk aufs Maul schauen“ und verwendete daher eine kräftige, bilderreiche, volkstümliche und allgemein verständliche Ausdrucksweise. Sein Schreibstil wirkte stil- und sprachbildend für Jahrhunderte. So ersann er Ausdrücke wie Feuertaufe, Bluthund, Selbstverleugnung, Machtwort, Schandfleck, Lückenbüßer, Gewissensbisse, Lästermaul und Lockvogel. Metaphern wie „Perlen vor die Säue werfen“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „etwas ausposaunen“, gehen ebenso auf ihn zurück wie „im Dunkeln tappen“, „ein Herz und eine Seele“, „auf Sand bauen“ oder ein „Wolf im Schafspelz“ und „der große Unbekannte“.

Bei seiner Übersetzung legte Martin Luther die Bibel gemäß seiner Auffassung von dem, „was Christum treibet“ – Gottes Gnade in Christus als Ziel und Mitte der ganzen Schrift – aus.
Die Sprachform war das Ostmitteldeutsche seiner Heimat, in dem nord- und süddeutsche Dialekte schon vor Luther verschmolzen waren. Aber erst durch seine Bibelübersetzung entwickelte sich dieser Dialekt zum gemeinsamen Hochdeutsch. Sie gilt auch dichterisch als große Leistung, da sie bis in den Silbenrhythmus hinein durchdacht war.
Protestanten verwenden die Lutherbibel nach mehreren revidierten Neuauflagen bis heute, die bislang letzte Revision stammt von 1984. Sie ist auch eine wichtige Basis der Kirchenmusik: Viele Kompositionen verwenden Luthers Textfassung für Choräle, Kantaten, Motetten usw.
Reformation in Wittenberg
In Wittenberg predigte Karlstadt inzwischen für weitreichende Gottesdienstreformen: gegen die Klöster, Opfergebete, Bilder in Kirchen und für das Abendmahl mit dem Laienkelch. Ab 1522 setzte der Stadtrat die Neuerungen um und beschloss auch Maßnahmen gegen Armut und Unzucht, wie sie Luther in seinen Schriften von 1520 vorgeschlagen hatte. Doch die Tumulte ebbten nicht ab: Viele Nonnen und Mönche verließen nun in Sachsen die Klöster. Die Zwickauer Propheten, die unter dem Visionär Nikolaus Storch (geboren noch vor 1500 und verstorben nach 1536; Vorname auch Nicolaus, war ein Tuchweber und Laienprediger aus dem sächsischen Zwickau) und dem Lutherschüler Thomas Müntzer (1489-1525) gegen die Kindertaufe vorgingen und deshalb aus Zwickau ausgewiesen worden waren, verschärften die Unruhe.
Daraufhin folgte Luther dem Hilferuf der Stadtväter und kehrte im März nach Wittenberg zurück. Mit den acht Invokavitpredigten überzeugte er die Bürger binnen einer Woche von maßvollen Reformen. Die Liebe, nicht äußere Dinge seien entscheidend; Bilderbeseitigung sei unnötig, da Bilder nicht schadeten. Bis auf die Opfergebete ließ er die römische Messordnung unverändert, führte aber daneben das evangelische Abendmahl ein. Nachdem der alte Stadtpfarrer Simon Heins Anfang September 1523 gestorben war, wurde Johannes Bugenhagen auf Luthers Empfehlung um den 25. Oktober 1523 vom Rat der Stadt und den Vertretern der Gemeinde Wittenberg als Stadtpfarrer an der Stadtkirche gewählt . Damit kehrte Ruhe ein, und Karlstadt verließ die Stadt. Am 9. Oktober 1524 gab Luther seine Lebensform als Mönch auf.

Mit Luthers Abgrenzung von den „Schwärmern“ fiel eine Vorentscheidung für den Verlauf der Reformation: Der radikale Bruch mit katholischen Gottesdienstformen blieb ebenso aus wie gleichzeitige tiefgreifende Sozialreformen. Dafür erfuhr Luther nun Unterstützung der Böhmischen Brüder und der Utraquisten (gemäßigte Hussiten). Am 29. Oktober 1525 hielt er die erste deutsche Messe ab. Ab Weihnachten wurde sie in Wittenberg üblich. Im folgenden Jahr veröffentlichte Luther eine Gottesdienstordnung.

Heirat und Familie

Katharina von Bora war gemeinsam mit weiteren acht Nonnen zu Ostern im April 1523 aus dem Kloster Nimbschen (Zisterzienserinnen) geflohen und lebte seitdem in Wittenberg. Luther verlobte sich mit ihr am 13. Juni und heiratete sie am 27. Juni 1525. Die Eheschließung entsprach seinen Lehren, da er sie nicht mehr als sakrales Sakrament verstand, den Zölibat ablehnte und die Auflösung der Klöster verlangt hatte.

Katharina war ihm in seinen persönlichen Problemen eine große Hilfe. Durch Beherbergung von Studenten, die zahlreiche Aussprüche Luthers aufschrieben, beugte sie wirtschaftlichen Nöten vor. Luther hatte mit ihr sechs Kinder:

   1. Johannes, geb. 7. Juni 1526 in Wittenberg, verst. 27. Oktober 1575 in Königsberg (Preußen),
   2. Elisabeth, geb. 10. Dezember 1527 in Wittenberg, verst. 3. August 1528 in Wittenberg,
   3. Magdalena, geb. 4. Mai 1529 in Wittenberg, verst. 20. September 1542 in Wittenberg,
   4. Martin, geb. 7. November 1531 in Wittenberg, verst. 4. März 1565 in Wittenberg,
   5. Paul, geb. 28. Januar 1533 in Wittenberg, verst. 8. März 1593 in Leipzig,
   6. Margarethe, geb. 17. Dezember 1534 in Wittenberg, verst. 1570 in Mühlhausen/Ostpreußen.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts lebten rund 2.800 Nachkommen von Martin Luther und Katharina von Bora bzw. von Luthers Geschwistern. Sie sind in der Lutheriden-Vereinigung organisiert. Allerdings sind die direkten Nachkommen Luthers mit Martin Gottlob Luther 1759 im Mannesstamm ausgestorben. Diejenigen, die heute noch den Namen Luther tragen, stammen hauptsächlich von Luthers jüngerem Bruder Jakob Luther (*´geb. 1490 in Mansfeld, verst. 18. Januar 1571, ebenda) ab.

Luthers Wappen war die „Lutherrose“, deren Symbolik er in einem Brief vom 8. Juli 1530 beschrieb.


Haltung zum Deutschen Bauernkrieg

In deutschen Gebieten kam es 1524 bis 1526 zum Großen Bauernkrieg. Ausgehend von schweizerischen, schwäbischen und badischen Bauern breiteten sich die Aufstände wie ein Flächenbrand aus. Auch einige Städte schlossen sich an, da die Unzufriedenheit mit Fürsten und Bischöfen allgemein sehr groß geworden war.
Mit den 12 Artikeln gaben sich die Aufständischen einheitliche Ziele, die von der bloßen Wiederherstellung ihrer Gewohnheitsrechte bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft und zu demokratischen Grundrechten reichten. Sie beriefen sich dabei auf das „göttliche Recht“ und Luthers Schriftprinzip sola scriptura. Wie er erklärten sie sich bereit, ihre Forderungen fallenzulassen, sobald man ihnen aus der Bibel ihr Unrecht beweise. Dies gab ihren schon früher religiös begründeten Hoffnungen auf soziale Befreiung erstmals Durchschlagskraft.

Luther distanzierte sich von den 12 Artikeln wegen ihrer aus seiner Sicht falschen Berufung auf die Bibel. Im April 1525 bemühte er sich in einer Flugschrift jedoch um eine gütliche Einigung und ein abgewogenes Urteil, griff einige berechtigte Forderungen der Bauern auf und wies sowohl sie als auch die Fürsten zurecht. Doch nachdem einige Bauern einen Grafen und seine Begleiter ermordet hatten (Weinsberger Bluttat), verfasste Luther seine Schrift Wider die mörderischen Rotten der Bauern. In ihr verdammte er die Aufstände nunmehr als Werk des Teufels und forderte alle Fürsten – unabhängig von ihrer Konfession – dazu auf, die Bauern mit aller notwendigen Gewalt niederzuschlagen. Daraufhin verstärkten die Fürsten, bei denen Luthers Wort Gewicht hatte, ihr Gegenheer.

1525 erreichten die Aufstände auch Thüringen und Sachsen. Hier war Thomas Müntzer zum Wortführer der Bauern geworden. Anfangs hatte er wie Luther versucht, die Landesfürsten für Reformen zu gewinnen. Nachdem Luther den Kurfürsten ermutigt hatte, Müntzers Forderungen abzulehnen, wurden dessen eigenständige Reformversuche in Allstedt verboten. Nun übernahm Müntzer die Führung des Bauernheeres und wollte es nach Mansfeld führen, um den dort ansässigen Grafen zu entmachten. Bei Bad Frankenhausen wurde sein Heer vom Fürstenheer gestellt und umzingelt. Die Bauern waren nur mit Schlegeln und Sensen bewaffnet und hatten kaum Kampferfahrung. Müntzer war kein Militärführer, sondern ein wortgewaltiger Prediger. Nach Scheinverhandlungen trieben die berittenen Soldaten die Bauern auseinander und richteten ein Blutbad an, bei dem etwa 5000 Bauern ermordet wurden. Müntzer wurde wenige Tage später gefasst und enthauptet.

Nach dieser Niederlage wurden alle übrigen Aufstände nach und nach niedergeschlagen. Man schätzt, dass im deutschen Sprachraum 75.000 bis 130.000 Bauern dabei ihr Leben verloren. Nur in einigen süddeutschen Städten und Gebieten wurden einige ihrer Forderungen erfüllt; vielfach wurden ihre Lasten dagegen sogar noch verschärft. Nach diesem ersten Revolutionsversuch dauerte es über 300 Jahre, bis der Feudalismus, und 400, bis die Monarchie in Deutschland überwunden wurde.

Hinter Luthers Ablehnung der Bauernaufstände stand sein Zerwürfnis mit Müntzer. Dieser hatte als Lutherschüler in der Bibel Impulse für die soziale Revolution gefunden. Er glaubte, es sei Gottes Wille, die Lage der Elenden direkt zu ändern und die politischen Verhältnisse dem kommenden Reich Gottes anzugleichen, um so auch die Ungebildeten zum Empfang des Evangeliums bereit zu machen. Luther dagegen lehnte die unmittelbare Verwendung der Bibel für politische Ziele strikt ab und wehrte sich schon 1521 gegenüber Ulrich von Hutten dagegen, „mit Gewalt und Mord für das Evangelium [zu] streiten“. Er unterschied den „weltlichen“ vom „geistlichen“ Bereich; zwar begegne der Christ in beiden Gottes Willen, aber in verschiedener Gestalt. Die biblischen Gebote gälten nur für die Gläubigen; wer sie direkt auf die Politik übertrage, gefährde das Evangelium, das die Gewissen befreien und nicht durch neue Gesetze versklaven solle (siehe dazu Zwei-Reiche-Lehre). Daher begrüßte er Müntzers Ende als gerechte Strafe für den „Teufel“, der gegen Gottes Ordnung rebelliert habe. Trotzdem fühlte er sich mitverantwortlich für das Gemetzel, das nicht zuletzt auf seinen Aufruf hin geschehen war. Mit seiner Empfehlung des Weingartner Vertrages unterschied er weiterhin für ihn berechtigte von unberechtigten Reformen.

Konsolidierung der Reformation

Seit 1525 verlor die Reformation ihren Charakter als Volksbewegung und wurde zur Angelegenheit der Landesfürsten, die aus der Niederlage der Bauern gestärkt hervorgingen. Konsequenz der Zwei-Reiche-Lehre wäre eigentlich ein völliger Neuaufbau der Kirche auf alleiniger Basis der reformatorischen Theologie gewesen. Luther hielt jedoch wie die meisten Zeitgenossen eine konfessionelle Vielfalt innerhalb eines Territoriums für undurchführbar und empfahl Andersgläubigen, auszuwandern. Da sich in deutschsprachigen Gebieten zunächst kein katholischer Bischof der Reformation anschloss und eine willkürliche Ausgrenzung Andersgläubiger für Luther von Gott verbotene Amtsanmaßung war, bat er 1525 den sächsischen Kurfürsten darum, als herausragendes Mitglied der Kirche deren Visitation, also die Überprüfung des Klerus auf Glaubenstreue und Amtsführung im Sinne des Evangeliums, anzuordnen. Dieses pragmatische und situationsbedingte Notkonzept wurde in evangelischen Gebieten bald zur Regel und begünstigte dort die Entwicklung zu konfessionellen Landeskirchen, die von den Landesfürsten geschützt, aber auch gelenkt und abhängig waren.

Als die katholischen Reichsstände 1529 auf dem zweiten Reichstag zu Speyer die Aufhebung der bisherigen partiellen Duldung der Evangelischen durchsetzten, legten die evangelischen Stände (fünf Fürstentümer und 14 Städte aus Oberdeutschland) die Protestation zu Speyer ein. Seitdem nennt man die evangelischen Christen auch Protestanten. Beim folgenden Reichstag zu Augsburg 1530 wollten Luthers Anhänger den protestantischen Glauben reichsrechtlich anerkennen lassen. Dazu verfasste Melanchthon das protestantische Glaubensbekenntnis, die „Confessio Augustana“, die Kaiser Karl auf dem Augsburger Reichstag überreicht und schließlich von ihm geduldet wurde. Luther konnte als Geächteter nicht daran teilnehmen und unterstützte seine Anhänger von der Veste Coburg aus, kritisierte aber auch einige der Kompromissformeln Melanchthons als zu entgegenkommend.

Spätzeit Martin Luthers

Nach dem Augsburger Reichstag trat Luther nur noch als Seelsorger und Publizist hervor. Er hielt bis 1545 Vorlesungen in Wittenberg, doch ab 1535 fast ausschließlich über die Schöpfungsgeschichte. Mit verschiedenen Stellungnahmen zu theologischen und politischen Einzelfragen versuchte er zudem weiterhin, den Fortgang der Reformation zu beeinflussen, jedoch mit weit weniger direkter Wirkung.

In den Türkenkriegen (1521–1543) benutzte Luther die Gefahr der osmanischen Expansion zunächst für seine kirchenpolitischen Zwecke. Er erklärte, dass es zunächst gelte, den „inneren Türken“, also den Papst zu besiegen, bevor man sich daran machen könne, gegen den Großtürken von Istanbul loszuschlagen, die er beide für Inkarnationen des Antichrists hielt. Als die Gefahr aber mit der Belagerung Wiens durch die Truppen Sultan Süleymans 1529 auch Mitteleuropa betraf, differenzierte er seine Haltung. In seiner Schrift Vom Kriege wider die Türken erläuterte er, dass der Papst den Türkenkrieg bisher nur als Vorwand zum Kassieren von Ablassgeldern benutzt habe. Die Misserfolge in der Abwehr der osmanischen Expansion erklärte er mit seiner Zwei-Reiche-Lehre: Es sei nun einmal nicht Aufgabe der Kirche, zu Kriegen aufzurufen oder sie selbst zu leiten – dies eine deutliche Anspielung auf den ungarischen Bischof Pál Tomori, der als einer der Kommandanten für die verheerende Niederlage von Mohacs verantwortlich war. Für die Verteidigung gegen die Türken sei allein die weltliche Obrigkeit zuständig, der jeder Mensch Gehorsam schulde, die aber mit dem Glauben nichts zu tun habe. Mit dieser Argumentation war jede Vorstellung von einem Kreuzzug gegen die Osmanen unvereinbar. Den Krieg gegen die Türken selbst rechtfertigte Luther als Verteidigungskrieg und mahnte zu gemeinsamem Handeln.

Diese rigide Trennung von geistlichen und weltlichen Zuständigkeiten hob Luther wenige Monate später wieder auf, als er im Herbst 1529 in seiner Heerpredigt wider die Türken als Feinde Christi und eschatologische Vorzeichen des bevorstehenden Jüngsten Gerichts hinstellt und es zur Aufgabe auch und gerade der Christen erklärt, „getrost dreinzuschlagen“. Mit diesen entschiedenen Tönen wollte er Vorwürfen den Boden entziehen, er habe sich durch Untergraben der Einheit des Christentums zum Handlanger der Türken gemacht.

So befürwortete er gegen seinen Grundsatz „Ketzer verbrennen ist wider den Willen des Heiligen Geistes“ (1519) die Verfolgung der Täuferbewegung. 1535 beendeten katholische und evangelische Fürsten gemeinsam das Täuferreich von Münster. 1543 erschien Von den Juden und ihren Lügen (s. u.), 1545 Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet.

Trotz eines schon länger währenden Herzleidens reiste Luther im Januar 1546 über Halle nach Eisleben, um einen Streit des Grafen von Mansfeld zu schlichten. Er starb am Zielort am 18. Februar 1546. Das heutige Haus Andreaskirchplatz 7 wird als sein Sterbehaus bezeichnet. Sein Leichnam wurde nach Wittenberg überführt und am 22. Februar in der Schlosskirche beigesetzt. Vormund seiner Kinder wurde sein treuer Anhänger und Freund, der Arzt Matthäus Ratzenberger.

Theologie.

Luthers theologisches Denken ist äußerst komplex. Viele seiner Schriften, Predigten, Vorlesungen, Kommentare und Disputationen lassen sich nur kontextuell aus Situation, Anlass, Zweck erklären; erst in der Gesamtschau werden tragende Grundlinien seiner Theologie erkennbar.

Man teilt Luthers Werke historisch-genetisch in vier Phasen ein, die jedoch nicht exakt abgrenzbar sind:

    * Entwicklung der reformatorischen Entdeckung: ca. 1509 bis 1518
    * öffentliches Hervortreten gegen herrschende römisch-katholische Lehren: ca. 1517–1520
    * Abgrenzung von Mitstreitern und innerevangelischen Gegnern: ca. 1521–1530
    * Spätschriften: ca. 1530–1546

Systematisch wird Luthers Theologie oft mit dem vierfachen Sola/Solus zusammengefasst:

    * sola scriptura: „Allein die Heilige Schrift“ sei die Quelle allen Glaubens an und Wissens von Gott und daher der kritische Maßstab allen christlichen Redens und Handelns
    * sola gratia: „Allein durch Gnade“ ohne jedes eigene Zutun werde der Mensch von Gott gerechtfertigt
    * sola fide: „Allein durch den Glauben“, das Geschenk (nicht: die menschenmögliche Leistung) der Annahme des Wortes Gottes in Christus, komme unser Heil zustande
    * solus Christus: „Allein Jesus Christus“, der wahre Mensch und wahre Gott, schaffe durch seine stellvertretende Hingabe am Kreuz ein für allemal unsere Rechtfertigung und Heiligung, die uns im mündlichen Evangelium und im Sakrament des Abendmahls zugeeignet werde. Dies ist der tragende Grund der übrigen drei Prinzipien des reformatorischen Glaubens.

Schriften zur reformatorischen Wende

Schon in seinen Randglossen zu verschiedenen Kirchenvätern (1509/10) setzt Luther eigene theologische Akzente gegenüber der Scholastik. Er betont:

    * den Gegensatz zwischen Glauben und Wissen
    * die Autorität der Bibel und ihrer Sprache gegenüber der kirchlichen Tradition
    * die Abwehr des Verständnisses von Glauben als menschlichem habitus
    * die Identität von Glauben, Hoffnung, Liebe, so dass Glaube nicht neben unrechtem Handeln (Sünde) bestehen kann.

Diese Radikalisierung auf der Seite der menschlichen Antwort auf Gottes Wort zieht Luthers Probleme mit dem Verständnis der Gerechtigkeit Gottes selber nach sich.

In seiner 1. Psalmenvorlesung (1512/13) wird zum einen Luthers genaue Kenntnis aller damaligen theologischen Denkschulen sichtbar, zum anderen sein selbständiger und eigenwilliger Umgang damit: Er schaltet scholastische Begriffe bei der Bibelexegese weitgehend aus und grenzt den Wortlaut der Bibel gegen die überkommenen, besonders aristotelischen Deutungsmuster ab. Dabei fasst er den wörtlichen Sinn (sensus literalis) des Bibeltextes unmittelbar als Hinweis auf Christus auf, so dass ihm Christus selbst zum Ausleger der Psalmen wird: Dieser ist für Luther der Geist in allen Buchstaben, der Grundtext, der sich selbst mitteilt und den Glauben an ihn schafft. Dies stellt den Menschen vor die fundamentale Alternative, sein Dasein entweder aus dem Gesetz oder dem Glauben, dem Sichtbaren oder dem Unsichtbaren, der sinnlichen Wahrnehmung oder dem Von-Gott-erkannt-Sein heraus zu verstehen. Das, was Menschen aus dieser wahrnehmbaren Welt heraus für das höchste, göttliche Wesen halten und erklären, könne im Angesicht Jesu Christi dann nur der Gipfel ihrer Selbstgerechtigkeit und Heuchelei sein. Eine Vermittlung ist undenkbar.[26]

Damit reißt Luther den ausschließenden Gegensatz zwischen der theologia crucis (dem aktuellen Urteil Gottes im Gekreuzigten) und der theologia gloriae (dem zum Eigenruhm menschlichen Erkenntnisvermögens geschaffenen Gottesbegriff der aristotelischen Metaphysik) auf, den er spätestens in seiner Römerbriefvorlesung (1515) und dann in der Heidelberger Disputation (1518) ausführt.

Reformatorische Hauptschriften

(An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung)

Mit dieser Adelsschrift wendet sich Luther auf Deutsch an die weltlichen Fürsten, denen er die Durchführung der reformatorischen Maßnahmen übertragen will, da die Bischöfe darin nach seiner Meinung versagt haben. Luther argumentiert, dass sich das römische Papsttum – Luther spricht von „Romanisten“ – vor der Reformation hinter drei Mauern verstecke:

    * Sie stellen die kirchliche Obrigkeit über die weltliche.
   

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18.01.2015
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