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10.12.2013 Ausstellung "Städtische Identität hat viele Gesichter"
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Gera hatte nach 1990 die Chance aktiv genutzt und setzte seither das Mittel „Städtebauförderung“ zur Revitalisierung der einzelnen Stadtgebiete und zur Stadterneuerung ein. Kaum jemand konnte zu dieser Zeit abschätzen, wie lange es dauern würde, städtebauliche Missstände zu beseitigen und die jeweiligen Wohnumfeldbereiche für die Bürger attraktiv um- und neu zu gestalten. Einer solchen grundhaften „Kur“ wurden die fünf Sanierungsgebiete Alt-Untermhaus, Parkstraße, Ostviertel/Südliche Innenstadt, Elsteraue/Hofwiesen und Stadtzentrum sowie die drei Stadtumbaugebiete Gera-Lusan, Gera- Bieblach-Ost/Bieblacher Hang und Nordviertel unterzogen.

Das bedeutete, dass insgesamt ein Drittel der bebauten Siedlungsfläche der Stadt Gera Fördergebiete sind und jeder zweite Einwohner von der Sanierung betroffen ist. Die Gesamtaufwendungen für all diese Maßnahmen innerhalb der Sanierungs- bzw. Stadtumbaugebiete belaufen sich auf 136,4 Millionen Euro. Davon kamen 107,3 Millionen Euro aus den differenzierten Programmen der Städtebauförderung, so dass die Stadt nur etwas mehr als ein Fünftel aus eigenen Mitteln beisteuern musste. Den größten Anteil daran hatte das Stadtumbaugebiet Gera-Lusan mit Investitionen von insgesamt 39,6 Millionen Euro, davon mehr als 81 Prozent Fördermittel. Thüringens größte Plattenbausiedlung veränderte seit 1993 rasant ihr Gesicht. Damit trugen die Stadtväter der Tatsache Rechnung, dass die Zahl der Einwohner von rund 41.000 im Jahr 1990 auf aktuell etwa 23.000 sank. Dabei gingen Rückbau, Sanierung und Modernisierung einher mit großzügigem Gestalten von Grün- und Freiflächen.

Im Gegensatz zu anderen Kommunen hatte Gera den Fokus nicht zuerst auf die historische Innenstadt gelegt. Vielmehr wurden 1991 Alt-Untermhaus mit 23 Hektar und die Parkstraße mit 10 Hektar als die ersten beiden Sanierungsgebiete ausgewiesen. Alt-Untermhaus war hochgradig verfallen, sein großflächiger Abriss bereits konzipiert, und das vorrangig industriell geprägte Areal Parkstraße lag schon kurz nach der Wende völlig brach, musste dringend funktionell wie baulich komplex neu ausgerichtet werden.

Als weitere Schwerpunkte der Sanierung folgten ab 1994 die Gebiete Ostviertel/Südliche Innenstadt mit der gründerzeitlich geprägten Wohnbebauung und 2000 die Elsteraue/Hofwiesen mit dem Stadtpark als Geraer Kernzone der Bundesgartenschau 2007 in Gera und Ronneburg. Im Stadtzentrum wurden - ebenfalls seit dem Jahr 2000 - innerstädtische Flächen mit besonderem Augenmerk auf der Um– und Neugestaltung des öffentlichen Raumes vitalisiert. Geras Mitte noch attraktiver zu machen, sollte auch künftig Schwerpunkt weiterer städtebaulicher Förderung bleiben. Beispielgebend dafür war die geplante Entwicklung des Campus Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608 am Standort Johannisplatz.

2002 wurde die Planung des Stadtumbaus für das Gebiet Bieblach zu einem sozial gerechten und lebenswerten Stadtteil, zur „Sozialen Stadt“, eingeleitet. Zwei Stadtteile, deren Prägung nicht unterschiedlicher sein kann: Der Bieblacher Hang (Grundsteinlegung 1957) als erstes komplex gebautes Wohngebiet der Stadt nach dem 2. Weltkrieg war im 21. Jahrhundert ein Denkmalensemble, Bieblach-Ost (Grundsteinlegung 1986) war das letzte Wohngebiet, das im Rahmen des Wohnungsbauprogrammes der ehemaligen DDR bis zur Wende gebaut wurde. Jüngstes Areal im Bunde der Geraer Stadtumbaugebiete war das Nordviertel mit seiner repräsentativen Villenstruktur. Diese nördliche Erweiterung des Stadtzentrums wurde seit 2007 durch vielfältige, vor allem privat initiierte Sanierungsmaßnahmen aufgewertet. Ziel war es, die gewachsene Stadtstruktur zu erhalten und die wertvolle Baukultur zu sichern.

Der Titel „Städtische Identität hat viele Gesichter“ von Ausstellung wie Begleitheft stand dafür, dass tatsächlich jedes Sanierungs- und Stadtumbaugebiet sein ganz eigenes Gesicht und Flair besitzt. Diese erschlossen sich aus der jeweiligen Geschichte, dem Alter der Bebauung oder auch der Architektur. Das zu erhalten, war eines der Anliegen der Städtebauförderung durch Bund und Land, die in Gera erfolgreicher Motor der Stadtentwicklung war. Das ailt, wie die Ausstellung veranschaulicht, nicht nur für Vorhaben der Stadt selbst. Vielmehr erwirs sich Städtebauförderung als Impulsgeber auch für private und Investitionen von Wohnungsunternehmen, von anderen öffentlichen Trägern und Einrichtungen sowie weitere durch die Stadt im Rahmen der Entwicklungskonzeption Geraer Innenstadt initiiere Vorhaben.

Deshalb präsentierte die Ausstellung nicht nur Projekte, die unmittelbar durch die Städtebauförderung unterstützt wurden, sondern auch solche, die mittelbar damit zusammenhängen oder durch sie initiiert wurden. Dazu gehörte das große Engagement der Geraer Wohnungsunternehmen im Rahmen des Mietwohnungsbaues, ebenfalls gefördert durch das Land Thüringen, als nur ein Beispiel der Bündelung verschiedener Fördermittel-Programme, zu denen auch das europäische URBAN II gehört. Diese Vernetzung wurde in der Exposition besonders deutlich am Entwicklungskonzept Geraer Innnenstadt.

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