Rolle oben
01.08.2006 Ein traditionelles Geraer Gasthaus mit neuer Chefin
<<< zurück zur Chronik

Kurze Geschichte der Traditionsgaststätte
„Gasthaus Zum Höhler“

Im Adressbuch der Stadt Gera von 1889 ist erstmalig unter Steinweg 20
 ein Eintrag zu finden der auf das Betreiben einer Schankwirtschaft in diesem Gebäude hinweist. Ein gewisser Bernhard Wolfram ist unter dieser Adresse als Restaurateur eingetragen. Dieser Begriff stand zur damaligen Zeit als ein Betreiber einer Restauration, also einer Schank- und Speisewirtschaft oder eines Gasthauses.
In der Folgezeit wechselten in relativ kurzen Zeitabständen die Betreiber dieses Gasthauses, zum Teil innerhalb der Familie. Danach sind auch andere Namen zu finden.
1911 übernahm Herr Otto Uebel die Gaststätte als Eigentümer des Hauses
Steinweg 20. Später übernahm sein Sohn Eitel-Fritz die Gaststätte.
Jahrzehntelang, bis 1986 war diese dann unter den Namen
„Uebels Gasthaus“ bekannt.
Der Gastraum bestand zu der Zeit aus dem heutigen unteren Teil des Gasthauses. Die Toiletten waren außerhalb. Die Küche befand sich wie heute noch über dem Gastraum. Die Speisen wurden von dort aus mit einem handbetriebenen Aufzug in den Gastraum gebracht.

Der Steinweg ist eine der ältesten mittelalterlich geprägten und belegten Straßenzüge in der Geraer Altstadt, die als Ensemble unter Denkmalschutz steht.

Am 18. September 1780 brach in einem Schweinestall des Hintergebäudes in der Weidaischen Gasse Nummer 20 und 22, heute Greizer Strasse 58, nach 14 Uhr ein Brand aus, der schnell auf die umliegenden Häuser übergriff. Das wurde der Ausgangspunkt für eine der größten Katastrophen in der Geschichte der Stadt Gera, ein Ereignis, das die städtische Entwicklung für einige Jahre stagnieren ließ. Der Sommer des Jahres 1780 hatte die hölzernen Dachschindeln der Häuser völlig ausgetrocknet und bot den Flammen reiche Nahrung. Ein zunehmender Wind und die entstehende Thermik trieben das Flammenmeer auf die Innenstadt zu, die Möglichkeiten der Brandbekämpfung wurde immer geringer und schließlich aufgegeben.
Viele Einwohner, die ihre Habseligkeiten in die Keller und Höhler der Häuser gerettet hatten und sich auch selbst dort sicher wähnten, konnten in letzter Minute nur noch über den brennenden Steinweg durch das Leumnitzer Tor vor die Stadt gelangen, da alle anderen Wege nicht mehr passierbar waren.

Auch die steinernen Gebäude widerstanden nicht mehr der großen Hitze und brannten aus. Das letzte große Bauwerk der Innenstadt, das von den Flammen erfasst wurde, war die Salvatorkirche, die in sich zusammenstürzte. Am späten Abend war Gera innerhalb der Stadtmauern bis auf ein Gebäude völlig abgebrannt.
Nach diesem letzten großen Stadtbrand 1780 bewahrte die Straße über zwei Jahrhunderte ihre funktionelle Stabilität und weitgehende Konstanz in der Gebäudestruktur.
In den 1980er Jahren erfolgte in der Phase der großräumigen Innenstadtsanierung, die auch den Steinweg einbezog, ein Neuaufbau der Gaststätte. Hier und im Bereich Hinter der Mauer wurden die tiefen rückwärtigen Wirtschaftsgebäude der Großen und Kleinen Kirchstraße zugunsten einer Innenhoffläche mit Fußweg und durchgehender Straßenbahntrasse abgerissen. Es entstanden Gebäude, die das Altstadtbild äußerlich annähernd nachzeichnen, im Inneren aber Abwandlungen der 2 MP- Geschossbauweise (kein Großplattenbau!) sind.
Im Zuge dieser Sanierung wurden die Räumlich-keiten der Gaststätte um Räume des Hauses Steinweg 18 erweitert. Dort befinden sich heute der obere Gastraum, die Toiletten und in der 1. Etage weitere Wirtschaftsräume.

1986 übernahm Herr Roland Unger  die Gaststätte. Diese wurde dann  Traditions-gaststätte „Gasthaus zum Höhler“ genannt.
Die Namensgebung erfolgte durch die unmittelbare Nähe zum Höhlermuseum. Links neben der Gaststätte unter dem Wohnhaus Steinweg 16 befindet sich z.B. der Höhler Nr. 179.
Am 07.10.1986, zum 37. Jahrestag der DDR wurde das neugestaltete Gasthaus feierlich eingeweiht.
In der Folgezeit wurde die Gaststätte eine beliebte Adresse wenn es um gutes Essen, Gastlichkeit und Gemütlichkeit ging. Man sagte damals oft  einfach: Wir gehen zu Unger`s essen.

Mit der Wende  konnte sich die Gaststätte den zunehmenden Konkurrenzdruck erwehren.  Beleg dafür ist die erfolgreiche Teilnahmen an den Bierstangenwett-bewerb. Anlässlich des Höhlerfestes der Stadt Gera ehren die Köstritzer Schwarzbierbrauerei und der Verein zur Erhaltung der Geraer Höhler e. V. jährlich Gaststätten mit dem Prädikat "Geraer Gastlichkeit - Vom Höhlerverein empfohlen" durch Verleihung der Bierstange.
Thüringer Gastlichkeit, Service und die Treue zum einheimischen Bier sind die Hauptgründe zur Verleihung der Bierstange.
Nach der erneuerten Brauordnung von 1723 durften in der Stadt jeweils nicht mehr als neun Bierstangen hängen, mit welchen die schankberechtigten Bürger gekennzeichnet waren, welche dann im Wettbewerb mit den sechs Gasthöfen standen.
Der Verein zur Erhaltung der Geraer Höhler e. V. hat diesen Brauch wieder aufleben lassen.
An der Auswahl der besten Gaststätten beteiligen sich die Bürger, Besucher und Freunde der Stadt Gera.
Dem Gasthaus „Zum Höhler“ wurde die Bierstange 1994, 1996 und 1998 verliehen. Mit dem Prädikat „Thüringer Gastlichkeit“ wurde die Gaststätte 1999/2000, 2001/ 2002 und 2004/2005 geehrt.
2007 konnte die Gaststätte den 3. Platz erreichen und wurde erneut mit dem Prädikat „Thüringer Gastlichkeit“ ausgezeichnet.
Herr Unger musste 2003 aus gesundheitlichen Gründen das Geschäft aufgeben.
In der Folgezeit wechselte die Gaststätte noch zweimal den Inhaber.

Am 01.08.2006 war es dann soweit. In guter Tradition des Hauses, mit neuer Mannschaft übernahm Frau Heidemarie Achsel die Führung des Gasthauses.
Getreu dem Grundsatz: „Hier kocht die Chefin noch selbst“ werden alle Speisen frisch zubereitet.

Aufgeschrieben wurde diese Geraer Gastrogeschichte von Georg Achsel, dem Ehemann der Inhaberin Heidemarie Achsel zur Ansicht in der Speisekarte.

<<< zurück zur Chronik
Rolle unten
Tintenglas mit Feder
 
 
18.01.2015
77 neue Artikel