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27.01.2008 Ein wichtiger Gedenktag
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Wer erinnerte an Wen?

Am 27. Januar 1945 war das Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau (Polen) durch sowjetische Truppen befreit worden. Sie fanden 7 600 vollkommen entkräftete Menschen vor, von denen die aller meisten dem Tode näher waren als dem Leben. Vorsichtigen Schätzungen zufolge verloren vermutlich etwa 3 000 000 (3 Millionen) Männer, Frauen und Kinder in diesem Lager der Nationalsozialisten ihr Leben.
Erster Kommandant des Vernichtungslagers (von Mai 1940-November 1943) war der zu dieser Zeit 39 Jahre alte Rudolf Höss (25.11.1900-16.04.1947). Der Nationalsozialist Rudolf Höss erwies sich in dieser Zeit als emotionsloser und innerlich unberührter und eiskalter Massenmörder. Er war das Synonym des selbstdisziplinierten und kleinbürgerlichen Befehlsempfängers deutscher Naziprägung und Untertans.
In Auschwitz-Birkenau sorgte er für den reibungslosen Ablauf des Massenmordes und rühmte sich, als erster das Gift Zyklon B "erfolgreich" eingesetzt zu haben. Schüsse und das damit verbundene Blutvergießen gingen dem Lagerkommandanten Höss auf die Nerven, während die Vergasung mit dem erwähnten Zyklon B einen unblutigen Tod verursachte, was ihm "vernünftiger" und auch "hygienischer" erschien.
Am 2. April 1945 verurteilte man Rudolf Höss in Warschau zum Tode und erhängte ihn nach kurzer Inhaftierung 14 Tage später vor seiner ehemaligen Residenz in Auschwitz.
Auf weitere Details des Massenmordes an Unschuldigen und zur Person des Massenmörders Höss, soll verzichtet werden.

Während der Gedenkveranstaltung im Geraer Küchengarten verlasen Schülerinnen des Geraer Zabelgymnasiums die Namen der Geraer Opfer des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und des Naziterrors.
Darunter waren:

Meta Böhnert  (20.06.1890-28.04.1934)  Arbeiterin in Gera
Helene Fleischer (11.06.1899-26.06.1941)  Textilarbeiterin in Gera
Rudolf Diener  (16.07.1904-13.03.1941)  Kommunist aus Gera
Erich Wilke  (09.08.1900-24.07.1934)  Kommunist aus Gera
Walter Gerber  (12.10.1888-20.12.1939)  Kommunist aus Gera
Otto Rothe  (27.01.1884-25.04.1935)  Kommunist aus Gera
Karl Wetzel  (19.10.1907-03.03.1944)  SPD-Politiker
Werner Petzold (19.10.1910-17.10.1941)  Kommunist aus Gera
Otto Worms  (15.01.1913-12.03.1943)  Widerstandskämpfer aus Gera

Sowie Walter Erdmann, Berta Schäfer, Erich Lobert, Franz Petrich und Christian Schmidt.
Auch an die 14 auf dem Geraer Ostfriedhof begrabenen jüdischen Bürger der Stadt wurde gedacht.
Das Gedenken an diese Opfer war zugleich als Mahnung und Verpflichtung zu sehen, das damals Geschehene niemals zu vergessen und aufkeimenden Rechtspopulismus zu begegnen.
Prominente Teilnehmer der Veranstaltung waren:

Norbert Hein  Geraer Bürgermeister (CDU)
Christian Klein Parteienvertreter (CDU)
Daniel Reinhardt Vertreter der Linkspartei
Eugen Weber  Vertreter von B90/Die Grünen
Armin Allgäuer Vertreter von der SPD
Ruth Bahmann VVN/Bund der Antifaschisten Gera (VVN-Verfolgte vom Naziregime)

Betont wurde, dass 75 Jahre nach der Machtergreifung Adolf Hitlers man sich mehr denn je dem Schwur von Buchenwald verpflichtet fühle: Nie Wieder!

Dachau ... die Mörderschule der SS

Der Name der Stadt Dachau ist und bleibt weltweit mit der Erinnerung an die grauenvollen Verbrechen der Nationalsozialisten verbunden. Denn im bayrischen Dachau errichteten die Nationalsozialisten vor 75 Jahren ihr erstes großes, dauerhaft angelegtes Konzentrationslager. Bereits am 22. März 1933, nur wenige Wochen nach der endgültigen Machtergreifung durch Adolf Hitler, wurden dort die ersten "Häftlinge" eingesperrt.

Dachau als Modell
 
Das Dachauer KZ war zum Modell, zum Anschauungsobjekt, für die vielen später noch errichteten Lager geworden. Als eine Ausbildungsstätte für die verbrecherischen Nazischergen wurde es, "zur Mörderschule der SS".
In diesem Lager begann auch die "Karriere" des berüchtigten Naziverbrechers Rudolf Höss, dem späteren ersten Kommandanten des KZ Auschwitz Birkenau. Erst am 29. April 1945, neun Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde das Lager von den alliierten amerikanischen Truppen endgültig befreit.

Giftgas zur Vernichtung
 
Die Verbrecher, die SS Leute, welche in den Jahren des Krieges und der Vernichtung die daraus resultierte, den viele millionenfachen Mord mit dem berüchtigten Giftgas durchführten und veranlassten, lernten zuerst im KZ Dachau, andersdenkende Menschen als minderwertig zu betrachten und sie, somit als für sie legitim, zu ermorden. Das verbrecherische Gesellschaftssystem gab ihnen das Recht zu morden.
Die Umsetzung der nationalsozialistischen Theorien in die allzu blutige Realität nahm im KZ Dachau ihren Anfang.

Wer gegen wen

Die ersten Häftlinge im KZ Dachau waren politische Gegner der totalitären Nazis. Dazu gehörten Sozialdemokraten, Kommunisten und auch Gewerkschaftler. Später wurden in Dachau auch christliche Geistliche, Zeugen Jehovas, Juden, Sinti und Roma und auch Homosexuelle inhaftiert. Nach dem Beginn des Krieges 1939 kamen noch Widerstandskämpfer aus mehreren europäischen Ländern als Kriegsgefangene und nun Lagerinsassen hinzu.

Mord, Mord und immer wieder nur Mord
 
Schon drei Wochen nach der Errichtung dieses Vernichtungslagers in Dachau waren die ersten Häftlinge ermordet worden. Und im Juni 1933 nahm ein Münchener Staatsanwalt zwar noch eilig Ermittlungen wegen der zahlreichen Häftlingserschießungen auf, aber alle anstelligen Verfahren waren auf Druck der Nazis nach nur wenigen Monaten at acta gelegt worden.

Unbekannte Opferzahlen

Wie viele Menschen im Konzentrationslager Dachau bei München in den 12 Jahren der Naziherrschaft von 1933-1945 tatsächlich ums Leben kamen, lässt sich kaum noch feststellen. Eines ist aber sicher, es waren jeder einzelne einer zu viel.
Nur knapp 32.000 Todesfälle waren in den Lagerunterlagen verzeichnet worden. Aber, die vielen Einzelexekutionen und die beliebige Erschießung tausender russischer Kriegsgefangener blieben in den Statistiken des Lagers weitestgehend unerfasst.
Die unzureichenden hygienischen Bedingungen und die daraus resultierende unzureichende medizinische Versorgung im Konzentrationslager Dachau waren verschlimmerten die katastrophale Lage der Häftlinge. Nach dem Ausbruch einer Epidemie (Fleckfieber) erlagen allein im Januar 1945 rund 3.000 Häftlinge dieser verheerenden Krankheit.

Epidemien, von den Nazis verursacht
 
Viele hundert der Gefangenen starben bei den von den Nazi-Ärzten verordneten Malaria-Versuchen oder anderen menschenverachtenden medizinischen Experimenten der Nazis in Dachau.

Bestialische Versuche am lebenden Objekt
 
So manchem Häftling wurde aus medizinischer Sicht Eiter in den Körper gespritzt, um die Wirkung von Medikamenten zu testen. Es wurde auch reines Benzin direkt ins Herz injiziert, was zum sofortigen Tod führte. Der "Patient" war eher tot, wie er vom Behandlungsstuhl gekippt war. Bei den Nazis hatte ein Menschenleben keinen Wert. Nur Arier waren als Herrenmenschen wertvoll.

Euthanasie
 
Mehrere tausend kranke und behinderte Häftlinge wurden in den Jahren 1941/42 von Dachau ins Schloss Hartheim im österreichischen Linz gebracht und dort in einer Anstalt für Geisteskranke mit Giftgas ermordet. Die Angehörigen der Opfer erhielten eine Nachricht, das der Angehörige einer Herz- Kreislaufschwäche erlegen wäre.

Arbeitssklaven

Die noch arbeitsfähigen Häftlinge wurden im Straßenbau und in den Kiesgruben eingesetzt und nach Kriegsbeginn vor allem in der Rüstungsindustrie. Wie zum Beispiel in einem BMW-Werk zur Herstellung von Flugzeugmotoren in München Allach.
Aus den regional verteilten Arbeitskommandos entstand ein System von Außenlagern. Das Konzentrationslager Dachau war mit bis zu 169 Außenkommandos der größte Lagerkomplex der Nazis überhaupt.

Versucht Evakuierung

Im April 1945 hatte die SS vor, das Konzentrationslager wegen der vorrückenden Invasion der Amerikaner auf deutschem Gebiet zu evakuieren.
Bei dem Todesmarsch von mehr als 7.000 Gefangenen, welche als erste in Richtung Süden geführt wurden, kamen nochmals mehrere Hundert Menschen ums Leben. Sie waren erschossen worden, als sie siech nicht mehr weiterschleppen konnten. Oder aber sie verstarben an Hunger oder der Entkräftung des Marsches.

Die Befreiung von Dachau

Am 29. April 1945 wurde das Konzentrationslager in Dachau bei München als eines der letzten KZ von den Einheiten der 42. US-Infanteriedivisionen befreit. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch etwa 32.000 Häftlinge aus 31 Nationen in den überfüllten Baracken  und noch einmal die gleiche Anzahl in den Außenlagern.

Kein Ende des Grauens

Das Sterben hatte mit der Befreiung durch die Amerikaner leider noch kein Ende gefunden. Allein im Mai 1945 erlagen mehr als 2.000 ehemalige Gefangene den Folgen ihrer Haft.

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