Rolle oben
725 Bonifatius in Thüringen
<<< zurück zur Chronik
Der von Papst Gregor II. zum Missionsbischof ernannte Winfried Bonifatius, ursprünglich "Wynfrith" (geb. im Angelsächsichen um das Jahr 675 und im Jahr 754 bei Dokkum/Friesland auf einer Missionsreise erschlagen) kam während einer Missionsreise in den 20-er Jahren des achten Jahrhunderts nach Thüringen und musste feststellen, dass die Menschen die hier lebten einem heidnischen Glauben anhingen. Diese waren natürlich umgehend zu bekehren. Ein erfahrener alter Ritter, den er auf seiner Reise danach befragte, soll ihm der Legende nach folgende Auskunft über das Land gegeben haben:
"Herr, das Land zu Thüringen ist 12 Meilen lang und breit, es ist umschlossen von zwei Wassern und mit zwei Wäldern. Käme es zu dem wahren Glauben und würde bekehrt, und die Menschen würden treu dem wahren Glauben folgen, dann wäre es das allerbeste Land das man in der ganzen weiten Welt zum Leben finden möchte."
Doch es bedurfte noch 4 Jahrhunderte, ehe dieses so verheißungsvolle Land zur vollen Blüte kommen sollte. Das konnte der alte Winfried Bonifatius noch nicht ahnen.
Es waren die Ludowinger, die in Mitteldeutschland und Thüringen in der Folgezeit eine Dynastie aufbauen sollten. Begonnen hatte diese Blütezeit mit Ludwig I. zwischen 1131 und 1140, nachdem diesem der Landgrafentitel verliehen wurde. Die aus dem Main-Fänkischen stammenden Ludowinger stiegen aber erst mit Ludwig III. zwischen 1172 und 1190 zu Reichsfürsten auf. Das war der Anfang der Thüringer Adelshierarchie.
Thüringen galt in der Zeit um 1200, dem hohen Mittelalter, als ein durchaus politisch gewichtiges und auch wirtschaftlich reiches Land. In einer alten Chronik dieser Zeit wurde folgendes der Nachwelt überliefert:
"Der Landgraf von Thüringen.....gebietet über sehr zuverlässige Mannen, sein Land ist prachtvoll und fruchtbar. Sowohl Weizen als auch Wein findet man dort reichlich. Waid ("Wald" Anmerkung der Redaktion), Salz und Eisen findet man dort reich. Kupfer, Harz und Lasur gibt es und die Bauern dort trinken oft Bier. Auch Fische und Wildbrett sind genug vorhanden und es ist Sitte, weißes Brot zu essen. Das Land ist von dichtem Wald umgeben, hat gute Dörfer und nur wenige Städte. Zwölf Grafschaften gehören dazu und - wie ich meine- ebenso viele freie Herrn, die alle dem Landgrafen mit Ehrerbietung begegnen, sowie weitere Ritter und Männer von alter Abstammung."
Den Stammvater der Ludowinger, besagten Ludwig I., nannte man auch "den Bärtigen". Zunächst stand dieser aber in den Diensten des Mainzer Bischofs. Dieser wiederum kam aus einer Seitenlinie des Grafen von Rieneck, die ihrerseits Abkömmlinge der Burggrafen von Mainz waren. Das kam einem Glücksfall gleich, denn der rechtmäßige Erbe war dem Wahnsinn verfallen und zudem war es Ludwigs Klugheit und Zuverlässigkeit zu verdanken, dass der amtierende Bischof und damit als Inhaber des Mainzer Episkopats, eben ihn mit einem Stück Land um Friedrichroda belehnte, welches dann den Grundstock für die Landgrafschaft Thüringen werden sollte. Es war in der Folge eines der einflussreichsten Fürstentümer Mitteldeutschlands im beginnenden 13. Jahrhundert. 
Dieser Ludwig errichtete, um das Jahr 1040, in der Nähe von Friedrichroda die Schauenburg, welche zum Stammsitz der Ludowinger wurde. Der Besitz der Ludowinger konnte einerseits durch Rodungen und andererseits durch den Neuerwerb von Ländereien erheblich vergrößert werden. Auch die Heirat, wie es damals durchaus machtpolitisch üblich war, mit Cäcilie von Sangerhausen und deren Besitzungen von  und um Sangerhausen, konnten den Besitz erneut vergrößern.
Aus der Ehe gingen drei Töchter und ein Sohn hervor. Wobei die Töchter alle mit gut betuchten Thüringer Adligen verheiratet wurden. Der erstgeborene Sohn, er verstarb 1123, wurde damals als Ludwig der Springer bekannt.
Eben dieser Sohn war es, der sich mit einem sogenannten rechtsgeschichtlichen Geniestreich den Grund und Boden sicherte, auf dem später die berühmte Wartburg in Eisenach errichtet wurde. Eine Sage berichtet: ... dass er nachts von zwölf seiner Männer Erde von der ihm gehörenden Schauenburg auf den Berg tragen und aufschichten ließ, der Eigentum derer von Frankenstein war und hier, auf dem Berg, einen Bergfried aufgeschlagen hatten. Die rechtmäßigen Besitzer verklagten Ludwig zwar, doch die zwölf Männer schworen vor Kaiser und Reich, dass ihre Schwerter, welche sie in die hinaufragende Erde gesteckt hatten, in eben dem Boden steckten, der schon von alters her zur Thüringer Herrschaft gehört habe ...
Eine Grundbesitznahme, die im Mittelalter vielleicht noch möglich war, war nicht nur das Sinnbild für den Aufstieg der Ludowinger, sondern ließ auch den Bau der berühmtesten Thüringer Burg, der Wartburg, die auch einst durch Martin Luther im 16. Jahrhundert Bekanntheit erlangte, Wirklichkeit werden. 
Ludwig stiftete in Jahr 1085 das Kloster Reinhardsbrunn, in welches er schon 1096 selbst eintrat und dann dort auch 1123 verstarb. Das Kloster wurde Wegbereiter der Hirsauer Reform in Mitteldeutschland. Das Kloster Reinhardsbrunn galt zusammen mit Schauenburg als "die Urzelle" des späteren Reichsfürstentums Thüringens und wurde schon bald der geistliche und kulturelle Mittelpunkt für das aufstrebende Geschlecht der Ludowinger.
Durch die weitere geschickte Heiratspolitik konnten die Ludowinger ihren Einfluss und ihre Macht festigen.
Das später erbliche Amt des Landgrafen entband die Ludowinger zwar nicht von der Unterordnung unter die herrschende Gewalt, sicherte ihnen aber eine enge Bindung an den herrschenden König, welcher sich für die zukünftige Entwicklung der Landgrafschaft Thüringen als durchaus zuträglich erweisen sollte.
Schon für Ludwig II. zahlte sich die Tatsache der Königsnähe aus, da er sich mit der Jutta, Nichte von Konrad III. und Halbschwester von Friedrich I. (Barbarossa) aus dem Hause der Staufer, vermählte. Ludwig II. verstarb 1172.
Die Verbindung mit dem Haus der Staufer stabilisierte und erweiterte die Position der Thüringer Landgrafen im reichspolitischen Gefüge. Zeichen für das wachsende Machtgefüge der Thüringer war die Belehnung Ludwig III. , des Frommen, mit der Pfalzgrafschaft Sachsen 1179/1180.
Mit seiner damit errungenen direkten Lehnsbindung an den König, konnten die Ludowinger in den exponierten Reichsfürstenstand aufrücken. In der geschichtlich bekannt gewordenen "Gelnhäuser Urkunde" die vom April 1180 stammte, wurde Ludwig III. gleich nach den kirchlichen Würdenträgern an erster Stelle der weltlichen Herrscher als Zeuge genannt. Ludwig III. starb während des dritten Kreuzzuges im Jahr 1190 mit dem sicher als richtig anzunehmenden Beinamen "der Fromme". Sei Bruder, Hermann I., übernahm die Regentschaft als Pfalzgraf von Sachsen und Landgraf von Thüringen. 
(Der christliche Missionar Winfried Bonifazius hatte auf die Stadt Gera keinen Einfluss. Er war nur in Westthüringen tätig und prägte somit eher das Gebiet um das spätere Erfurt. )
<<< zurück zur Chronik
Rolle unten
Tintenglas mit Feder
 
 
18.01.2015
77 neue Artikel